Laudatio von Alfons Kifmann

Laudatio zur Verleihung der Verschlossenen Auster 2014

Austerpreisträger: ADAC
Laudator: Alfons Kifmann, ehemalige ADAC-Sprecher und frühere Chefredakteur der „ADAC Motorwelt“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es hat ja an sich schon etwas Widersprüchliches an sich, eine Laudatio auf eine geschlossene Auster zu halten. Genau in diesem Widerspruch liegt aber auch der Reiz, und in diesem Fall ganz besonders. Ich werde es also versuchen und danke für die Einladung, diese Negatio halten zu dürfen.

Als ich am 14. Januar dieses Jahres die Süddeutsche aus dem Briefkasten holte, sprangen mir als Aufmacher auf der Titelseite die vier wohlbekannten Buchstaben entgegen, gemalt auf rissigen Asphalt, und dazu die Headline:

Ein feiner Club

In der dazu gehörenden Story auf Seite drei las ich dann, ebenso neugierig wie verblüfft, unter der Überschrift:

Abgefahren
Manipulationen bei der vom ADAC durchgeführten Wahl

„Deutschland kürt sein Lieblingsauto“

Zwei Gedanken überholten mich gleichzeitig: Was ist an der Story so gewichtig, dass es der Süddeutschen ein Titelthema wert ist und: wie dicht sind die Informationen, die das Thema tragen?

Erst beim zweiten Durchlesen war mir dann klar: Hier ist ein besonders dickes Brett gebohrt worden, ein Thema mit Fortsetzung. Das lag einerseits an den Informationsquellen, die offenbar direkt vom ADAC stammten, andererseits an der besonders gründlichen Recherche, die an der Wurzel ansetzte: der Frage, wie es dazu kommen konnte. Wie es dazu kommen konnte, dass sich ein deutsches Denkmal quasi selbst vom Sockel stürzt?

Denn bis zum 14. Januar war die Reputation des ADAC so makellos wie bei kaum einer anderen deutschen Institution. Er war ein Image-Phänomen. Ein deutsches Phänomen. Der ADAC war, wie Bastian Obermaier in seinem sehr lesenswerten Recherchebuch
„Gott ist gelb“
kurz und bündig feststellte:
Der ADAC war Deutschland.

Nun aber übte sich der Club, über die Manipulationsvorwürfe hinaus, in Selbstdemontage:

In Demontagephase 1 wurden sämtliche Vorwürfe erst einmal pauschal bestritten. Höhepunkt der ersten Verteidigungslinie war die Erklärung des Geschäftsführers Karl Obermair bei der scheinbar unbeeindruckt angesetzten Preisverleihung der „Gelben Engel“ am 16. Januar, als er den SZ-Bericht als „kompletten Unsinn“ abtat, voller Unterstellungen und Unwahrheiten. Dann verstieg er sich auch noch, von einem „Presseskandal“ zu sprechen und höhnte, dass „ohnehin nichts älter sei als die Zeitung von gestern, in die man bekanntlich den streng riechenden Fisch einwickle“.

Es war diese Tonart der maßlosen Selbstüberschätzung, der scheinbaren Unangreifbarkeit, die viele Journalisten vom ADAC und ganz besonders von seinem Kommunikationsdirektor bereits kannten.

Obermairs Erklärung sollte von ebenso kurzer Halbwertszeit sein, wie seine weitere Karriere beim ADAC, denn dann nahm die Causa eine Eigendynamik an, die fast beispiellos ist in der jüngeren Geschichte des Recherche-Journalismus.

Dennoch versuchte sich der Club, an der Phase 2 seiner Notfallstrategie, der Abwiegelung, nachdem er inzwischen sämtliche offiziellen Informationsschotten mit internen Ukas dicht gemacht hatte.
Und er suchte, mit Hilfe von externen Agenturen, Anwälten und Beratern nach den undichten Stellen im System. Sie durchforsteten systematisch den Mail- und Telefonverkehr der letzten Monate.

Nachdem der angeblich allein Schuldige gefunden und aus dem Verkehr gezogen worden war, sprach man von einem bedauerlichen Einzelfall der Manipulation, „unfassbar für das Präsidium und die Geschäftsführung.“ Kein Wort von der Mitverantwortung durch Selbstkontrolle. Auch diese Strategie, das wurde schnell deutlich, zerbröselte mit jedem Tag des Hinhaltens. Am Ende stand schließlich eine jahrelange Kette von Manipulationen, und dies auf verschiedenen Ebenen über die Preisverleihungen des „Gelben Engels“ hinaus.

Der Präsident des Vereins, Peter Meyer, der zunächst die Verantwortung für die zunehmende Konfusion auf das Hauptamt abzuwälzen versuchte, trat nach missglückten Fernsehauftritten am 10. Februar, knapp einen Monat nach der ersten Veröffentlichung in der „Süddeutschen Zeitung“ zurück. Sein Vize August Markl übernahm, und es sah, nach den dürren Verlautbarungen eher nach einem Putsch aus. Weitere zwei Wochen später musste Hauptgeschäftsführer Obermair seinen Stuhl räumen, drei weitere Geschäftsführer und mehrere leitende Mitarbeiter folgten.

Dieser scheinbaren Tabula rasa zum Trotz liefen nahezu täglich die Enthüllungsnachrichten über Missstände und Verfehlungen im Verein weiter. Es geht immer mehr an das Eingemachte, nämlich den mit steuerlichen Privilegien ausgestatteten Vereinsstatus und an das bisher wie ein Staatsgeheimnis gehütete Vereinsvermögen, das mangels Transparenz nur wenigen Insidern wirklich bekannt ist.

Bis zu zwanzig gut informierte, meist anonym bleiben wollende ADAC-Mitarbeiter melden sich in diesen Wochen bei Hans Leyendecker und seinem Team, Bastian Obermayer und Uwe Ritzer aber auch bei anderen überregionalen Medien wie Spiegel, Stern und der Welt und packen aus über mehr oder weniger wichtige Vereins-Interna, die zusammen aber ein völlig neues Bild des ADAC zeichnen.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass der ADAC, bisher stets ein Liebling der Medien, vor allem auch der öffentlich-rechtlichen Medien, diese Vertrauenskrise nicht managen konnte, in die er sich so unvermittelt selbst gestürzt hatte. Der Club, der wie kein anderer davon profitierte, eine Art Informationszentrale für Automobilitätsthemen aller Art zu sein, schaltete plötzlich auf stumm. Anfragen blieben in der Regel mit dem Stereotyp „kein Kommentar“ unbeantwortet und das Abwehrspiel trieb dann so seltsame Blüten wie die Antwort auf die unverfängliche Frage nach dem Vornamen der Ehefrau von Clubpräsident Meyer: „Zu privaten Details von Gattinnen von Funktionären nehmen wir grundsätzlich keine Stellung.“

Schotten dicht auch bei der mit Spannung erwarteten Jahreshauptversammlung des Clubs am 10. Mai in Saarbrücken. Keine Drehgenehmigung bei der Delegiertenkonferenz. Die mehr als 100 angereisten Journalisten wurden mit der Information versorgt, dass die Neuwahlen zum Präsidium auf einen späteren Zeitpunkt im Herbst verschoben werden.

Dagegen versichert sich der Verein im Abwehrkampf der Dienste der bekanntesten Medien-Anwaltskanzleien des Landes: Als bekannt wird, dass ich an einem Buch mit dem Titel „Die gelbe Gier“ arbeite, erhalte ich prompt zwei prophylaktische anwaltliche Droh- und Einschüchterungsschreiben mit massiven Warnungen, dies zu unterlassen. Weder Autor noch Verlag haben sich beeindrucken lassen.

Um noch einmal auf die Eingangsfrage zurück zu kommen:

Wie konnte es zu diesem Image-Totalschaden kommen, wie war das möglich?

Ich will versuchen, dies bildhaft zu erklären
Der Verein hatte sich im wirtschaftlichen Umfeld ein eigenes Biotop geschaffen, indem er sich unter dem Deckmantel einer Pannenhilfe-Organisation weitgehend dem Wettbewerb entzog.

Er schwamm sozusagen in seinem eigenen Teich, wie ein gelber Koi-Karpfen, während im anderen Teich die anderen Fische – sprich Versicherer – sich im freien Wettbewerb tummelten, um das Futter kämpften oder sich gegenseitig fraßen.

Dieser Koi-Karpfen ADAC wuchs schließlich zu solcher Größe heran, dass er keine andere Spezies mehr kannte – und dem Wahn erlag, der einzige Fisch zu sein. Weil er in seinem eigenen, abgeschlossenen Teich lebte, vergaß er schließlich ganz, was seine Bestimmung war,
Bis er zu gierig wurde, und platzte…

Hat der Verein, aus den Verwerfungen der letzten Monate gelernt, in die er durch die journalistische Recherche von Hans Leyendecker, Bastian Obermaier, Uwe Ritzer und vielen anderen Kollegen gedrängt wurde? Ich denke, man kann mit einiger Gewissheit sagen, dass durch ihre Berichterstattung längst fällige und dringend notwendige Reformprozesse eingeleitet worden sind, nach innen und nach außen.

Der ADAC sagt, er wird sich an Haupt und Gliedern reformieren. Kein Stein soll auf dem anderen bleiben. Mit einer Charme-Offensive, begleitet von Millionen teuren Imagespots, hat er jetzt begonnen. Auf der Bilanzpressekonferenz am vergangenen Montag in München wurden zwar erste zarte Pflänzchen zum Reformprozess für Vertrauen sichtbar, eine konsolidierte Konzernbilanz konnte der Verein allerdings noch nicht vorstellen.

Ob das reichen wird? Der ADAC wird, denke ich, aus seinen eigenen Widersprüchen herauskommen müssen, eine normale Versicherungsgesellschaft werden, geführt von einem normalen Management nach den normalen Regeln der Corporate Compliance, anstelle eines Funktionärs-Spielwaren- und Selbstbedienungsladens, mit der Transparenz, denen normale Unternehmen unterworfen sind.

Ob und wie er das wird, auf diesem Weg werden Sie ihn als Berichterstatter weiter begleiten, kritisch, aber auch konstruktiv.

Hamburg, 5. Juli 2014
Alfons Kifmann

Verschlossene Auster 2023 für Verleger Holger Friedrich

Der Negativpreis „Verschlossene Auster“ von Netzwerk Recherche für den Informationsblockierer des Jahres geht in diesem Jahr an Holger Friedrich, den Verleger der Berliner Zeitung. Die Journalist:innenvereinigung zeichnet ihn für seinen erschreckenden und zerstörerischen Umgang mit dem journalistischen Informantenschutz aus.

Als der frühere Bild-Chefredakteur Julian Reichelt im Frühjahr 2023 Friedrich interne Informationen anbot, kontaktierte Friedrich anschließend Reichelts früheren Arbeitgeber, den Axel-Springer-Verlag. Friedrich informierte Springer über den eigentlich vertraulichen Vorgang. Damit habe er den Quellenschutz gebrochen – eines der Grundprinzipien des Journalismus, argumentiert Netzwerk Recherche in der Begründung für die Auszeichnung.

„Die Verschlossene Auster verleihen wir normalerweise an Menschen, die Informationen zurückhalten. Den Bruch des Quellenschutzes durch Holger Friedrich halten wir jedoch für so gravierend, dass wir in diesem Jahr eine Ausnahme machen und Friedrich mit dem Negativpreis der Verschlossenen Auster auszeichnen“, sagt Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerk Recherche. Weiterlesen

Verschlossene Auster 2021 geht an die Hohenzollern

Foto: Raphael Hünerfauth

Die Verschlossene Auster 2021 geht an die Hohenzollern. Mit dem Negativpreis zeichnet die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche den Informationsblockierer des Jahres aus. Die Organisation begründet die Vergabe des Preises an die Adelsfamilie mit dem Umgang von Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Journalist:innen und Wissenschaftler:innen. Diese werden von ihm und seinen Vertretern mit Dutzenden von Klagen überzogen – was die Freiheit der Berichterstattung und die öffentliche Diskussion über grundsätzliche Fragen der deutschen Geschichte bedroht. Der Historiker Martin Sabrow, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam bezeichnete das Verhalten der Hohenzollern als „Unkultur der Einschüchterung“.

„Über Gerichte und Anwaltsschreiben versucht der Sprecher der Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, Berichterstattung zu beschneiden, die sich um die historisch bedeutsame Frage dreht, ob seine Vorfahren dem Nationalsozialismus erheblichen Vorschub geleistet haben und ob er damit zu Recht oder zu Unrecht auf Entschädigung für enteignete Immobilien und Kunstwerke streitet“, heißt es in der Begründung von Netzwerk Recherche. Die Einladung zur Entgegennahme des Preises auf der nr21–Online-Konferenz – und damit zur Gegenrede –, nahmen die Hohenzollern nicht an. Sie teilten schriftlich mit: „Der Begründung Ihrer Entscheidung ist hinzuzufügen, dass das Vorgehen von Georg Friedrich Prinz von Preußen sich zu keiner Zeit gegen eine Berichterstattung als solche, sondern gegen die Verbreitung von Falschinformationen innerhalb von einzelnen Berichterstattungen richtete, da die Meinungsbildung auf Grundlage korrekter Information ein Privileg unserer demokratischen Gesellschaft darstellt.“

In ihrer Laudatio auf den Preisträger sagte Sophie Schönberger, Professorin für Kunst- und Kulturrecht an der Universität Düsseldorf, über Historiker:innen und Journalist:innen: „Nicht wenige äußern sich mittlerweile lieber gar nicht mehr, aus Sorge sonst Post vom Anwalt zu bekommen und möglicherweise auch gerichtlich belangt zu werden.“ Schönberger hat rund 80 Klagen des Hauses Hohenzollern dokumentiert. Sie sagte, Georg Friedrich Prinz von Preußen habe ein Klima erzeugt, „in dem die freie Meinungsäußerung Selbstbeschränkungen unterliegt“. Sein Fall zeige: Das Recht könne „instrumentalisiert werden, um eine öffentliche Debatte zu ersticken“.

Bayerische Staatsregierung erhält Verschlossene Auster 2019

Die Verschlossene Auster 2019 geht an die Bayerische Staatsregierung. Mit dem Negativpreis zeichnet die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (nr) den Informationsblockierer des Jahres aus. Die Begründung des nr-Vorstands: Die Staatsregierung, getragen von einer Koalition aus CSU und Freien Wählern, blockiert weiterhin die Einführung eines Informationsfreiheitsrechts, wie es in den meisten Bundesländern schon existiert. Außer in Bayern fehlt das Recht zur Einsicht in behördliche Akten nur noch in Sachsen und Niedersachsen – dort ist es aber immerhin in Planung.

„Vor allem die CSU wehrt sich beständig dagegen, die Aktenschränke der Exekutive zu öffnen. Dabei geht es natürlich um Macht“, sagte Arne Semsrott, Projektleiter für FragDenStaat.de bei der Open Knowledge Foundation Deutschland, in seiner Laudatio auf den Preisträger. Vor einem halben Jahr hätte die frisch gewählte bayerische Regierung die Möglichkeit gehabt, ihr Dasein als Transparenzschlusslicht zu beenden, so Semsrott: „Die Koalitionspartner der CSU, die Freien Wähler, hatten in ihrem Wahlprogramm ein Informationsfreiheitsgesetz versprochen. Am Ende der Verhandlungen gab es im Koalitionsvertrag allerdings eine Leerstelle.“

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Verschlossene Auster 2018 für den Bürgermeister von Burladingen

Der Negativpreis “Verschlossene Auster” von Netzwerk Recherche für den Informationsblockierer des Jahres geht in diesem Jahr an den Bürgermeister von Burladingen in Baden-Württemberg. Der AfD-Politiker Harry Ebert erhält die Auszeichnung für seinen selbstherrlichen und respektlosen Umgang mit der örtlichen Presse.

Weil Harry Ebert die Berichterstattung der Lokaljournalisten nicht gefiel, überzog er sie mit einem regelrechten Strafkatalog: Er verweigerte sich Interviews, ließ Anfragen unbeantwortet und wies städtische Mitarbeiter an, nicht mit der Presse zu sprechen. Er ließ im Amtsblatt der Stadt gegen die örtlichen Journalisten wettern und drohte mit dem Entzug von Abonnements, falls eine unliebsame Reporterin nicht abgezogen werde. Weiterlesen

Verschlossene Auster 2017 für die Regenbogenpresse

Die Verschlossene Auster, der Negativpreis von Netzwerk Recherche für den Informationsblockierer des Jahres, geht 2017 an drei Verlage der Regenbogenpresse. Ausgezeichnet werden die Funke Mediengruppe (für die Magazine „Die Aktuelle, „Das Goldene Blatt“, „Frau aktuell“), die Hubert Burda Media Holding (für die „Freizeit Revue“) und die Bauer Media Group (für „Das Neue Blatt“, „Freizeitwoche“, „Neue Post“, „Das Neue“). Sie erhalten den Preis auch stellvertretend für die übrigen Verlage der Branche.

Nach Ansicht von Netzwerk Recherche untergraben die Preisträger das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien: Mit irreführenden Schlagzeilen, falschen oder erfundenen Texten, fehlender Nachfrage bei den Betroffenen, Manipulationen von Fotos und nicht selten der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur von falscher Berichterstattung fehlt häufig.

Mit der Auszeichnung wird auch gewürdigt, dass die Verlage nur äußerst ungern Auskunft geben zu Form, Machart und Inhalt ihrer Magazine. Auf Anfragen von Netzwerk Recherche haben sie wochenlang nicht geantwortet. Erst wenige Tage vor der Preisverleihung am 10. Juni reagierten sie schriftlich. Ihre Stellungnahmen werden auf der Webseite von Netzwerk Recherche veröffentlicht. Eine Teilnahme an der Preisverleihung lehnten alle drei Verlage ab.

Die Antworten der „ausgezeichneten“ Verlage:


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Stellungnahme der Bauer Media Group

Stellungnahme der Bauer Media Group zur Verschlossene Auster 2017:

Rund 15 Millionen Deutsche lesen Woche für Woche Yellow-Titel. Leserinnen und Leser machen dieses Segment somit zu einem der größten und erfolgreichsten im Land.
Wir nehmen unsere Leserinnen und Leser ernst, verstehen ihre Wünsche und bedienen professionell ihre Bedürfnisse nach gut gemachter Unterhaltung.
Diese Form des unterhaltenden Journalismus als besonders kritikwürdig einzustufen und sich damit über Abertausende von Kolleginnen und Kollegen sowie Millionen von Leserinnen und Lesern zu erheben, empfinden wir als anmaßend.

Stellungnahme der Funke Mediengruppe

Stellungnahme der Funke Mediengruppe zur Verschlossene Auster 2017:

Den Negativ-Preis “Verschlossene Auster” nehmen wir nicht gerne, aber mit Respekt für Ihre Entscheidung entgegen.

Sogenannte Yellows decken unserer Überzeugung nach ein weit verbreitetes gesellschaftliches Bedürfnis ab. Die Nachfrage nach diesen Titeln zeigt das sehr deutlich: Menschen interessieren sich immer für Menschen. Yellows sind ein wichtiger Bestandteil unserer vielfältigen Presselandschaft. Wir richten die Themen entsprechend der Erwartungen unserer Leserinnen und Leser aus. Es ist für uns aber auch selbstverständlich, dass dieser primär unterhaltende Journalismus geltenden rechtlichen und natürlich auch ethischen Maßstäben entsprechen muss.

Wir stellen uns gerne der sachlichen Debatte zu diesem Thema. In einer Diskussion, deren Ausgang von Vornherein festzustehen scheint, sehen wir allerdings, wie wir Ihnen bereits Mitte Mai telefonisch signalisiert haben, wenig Sinn. Nach einer Möglichkeit, einen offenen und inhaltlich differenzierten Dialog über die Bedeutung des unterhaltenden Journalismus, seine Praktiken und seine Wirkungen zu führen, sollten wir gemeinsam suchen.

Stellungnahme der Hubert Burda Media Holding

Stellungnahme der Hubert Burda Media Holding zur Verschlossene Auster 2017:

Gegenüber Freizeit Revue wurden in der jüngeren Vergangenheit keine Beschwerden vom Deutschen Presserat ausgesprochen. Auch unter dem Aspekt „Wahrheitsschutz“ ist nicht ersichtlich, weshalb Freizeit Revue in den Verdacht unzutreffender Berichterstattung oder unzulänglicher Recherche geraten ist. In jüngerer Vergangenheit mussten weder Gegendarstellungen gedruckt, noch Richtigstellungen veröffentlicht werden. Ebenso weisen wir den Vorwurf der Manipulation von Bildmaterial zurück.

Sofern von der Berichterstattung betroffene Personen der Auffassung sind, bestimmte Veröffentlichungen würden ihre Persönlichkeitsrechte verletzen, so artikulieren sie sich in der Regel über ihre Rechtsvertreter und lassen ihre Ansprüche dort formulieren. Die erhobenen Ansprüche werden von der Redaktion und dem presserechtlichen Hausjustitiariat anschließend geprüft und – sofern die Einwände berechtigt sind – befriedigt. Soweit eine Verletzung der „Privatsphäre“ geltend gemacht wird, prüfen die Verantwortlichen dabei äußerst genau, ob Aspekte des überwiegenden öffentlichen Interesses Vorrang genießen. Dass die in der Abwägung zu setzenden Schwerpunkte angesichts der unterschiedlichen Interessenlage der Betroffenen einerseits und den Medien andererseits, mitunter abweichend beurteilt werden, liegt in der Natur der Sache.

Begründung zur Vergabe der Verschlossene Auster 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie darüber informieren, dass der Vorstand von Netzwerk Recherche am Wochenende beschlossen hat, mit dem jährlich verliehenen Negativ-Preis “Verschlossene Auster” in diesem Jahr Redaktionen und Verlage zu würdigen, die für die Inhalte der sogenannten “Regenbogenpresse” verantwortlich sind.

Der Preis geht deshalb (stellvertretend auch für die anderen Verlage und Redaktionen, die in diesem Medienbereich aktiv sind) an

  • die Funke Mediengruppe (für die Magazine “Die Aktuelle”, “Das goldene Blatt”, “Frau aktuell”)
  • die Hubert Burda Media Holding (für das Magazin “Freizeit Revue”)
  • die Bauer Media Group (für die Magazine “Das neue Blatt”, “Freizeitwoche”, “Neue Post”, “Das Neue”).

Mit diesem Preis soll eine breite Öffentlichkeit auf diese u.E. sehr zweifelhafte und umstrittene Form des “Journalismus” hingewiesen werden, der offenbar das Geschäftsmodell dieser Magazine darstellt – u.a. mit irreführenden Schlagzeilen auf dem Cover, immer mal wieder falschen oder erfundenen Beiträgen im Innenteil, nicht selten Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Manipulationen von Fotos, fehlender Nachfrage bei “Betroffenen”, keiner Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur bei falscher Berichterstattung.

Die Folgen dieser Art des “Journalismus” sind bekannt: Hohe Verkaufszahlen am Kiosk für Ihre Blätter. Aber eben auch regelmäßige Beschwerden beim Presserat, gerichtlich erzwungene Gegendarstellungen, wütende und berechtigte Proteste von Personen, die Gegenstand der Berichterstattung sind. Weiterlesen

Verschlossene Auster: “Behörden Spiegel” geht ins Rennen

Die Verschlossene Auster, der nr-Preis für den Informationsblockierer des Jahres, ist auch 2015 heiß begehrt – sogar in Medienkreisen: Die Zeitung “Behörden Spiegel” hat sich in den vergangenen Tagen mächtig ins Zeug gelegt, um sich als Kandidat zu qualifizieren. Sie verweigerte den Kollegen von Netzpolitik.org die Akkreditierung zum von ihr organisierten “Europäischen Polizeikongress”. Die Begründung: Das Pressekontingent sei “mittlerweile ausgebucht”. Doch das war offenbar gelogen: Journalisten, die sich danach um die Akkreditierung bemühten, erhielten sie ohne Probleme. Von uns darauf angesprochen, verwies uns ein Mitarbeiter des “Behörden Spiegel” auf eine Erklärung, die jedoch keine unserer Fragen beantwortete. Die Ablehnung gegenüber Netzpolitik.org blieb bestehen – offenbar wollte man die kritischen Journalisten von Netzpolitik.org nicht dabeihaben beim Europäischen Polizeikongress. Das findet anscheinend sogar das Innenministerium blöd – und das kennt sich nun wirklich aus mit Info-Blockaden, als zweifacher Auster-Preisträger. Vielleicht will das Ministerium aber auch einfach mal anderen den Vortritt lassen.

Die Auster geht auf Tournee

Die „Verschlossene Auster“ in der Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“. Foto: Teena Ihmels

Die „Verschlossene Auster“ in der Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“. Foto: Teena Ihmels

Die Verschlossene Auster, der Negativpreis von Netzwerk Recherche für den Informationsblockierer des Jahres, ist eines der Exponate der soeben eröffneten Ausstellung “Unter Druck! Medien und Politik”. Sie wird bis 9. August 2015 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen sein, anschließend im Haus der Geschichte in Bonn.

Hintergrund ist die Verleihung der Auster 2013 an den damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Er hatte sich zunächst geweigert, den Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck Auskunft über die Medaillen-Zielvorgaben für die Olympischen Spiele zu geben. Durch eine Klage gelang es den Kollegen, das Ministerium zur Auskunft zu zwingen. Für ihre Hartnäckigkeit wurden sie mit dem Wächterpreis belohnt. Netzwerk Recherche hatte die Recherchen mit einem Stipendium unterstützt. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2010 geht an die Katholische Kirche

Bischofskonferenz nimmt die Auszeichnung für die Informationsblockaden der Kirche entgegen

Es wurde vertuscht, verleugnet und verheimlicht: Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis der Journalistenvereinigung netzwerks necherche e.V. (nr) für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht 2010 an die Katholische Kirche für ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Stellvertretend für sie nimmt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, den Preis entgegen. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2008 an das IOC

Negativ-Preis geht in diesem Jahr an das Internationale Olympische Komitee – und stellvertretend an seinen Vizepräsidenten Thomas Bach

Hamburg/Wiesbaden. Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis des Netzwerks Recherche für den „Informationsblockierer des Jahres“, geht 2008 an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und stellvertretend an Thomas Bach, den langjährigen Vizepräsidenten des IOC. Das IOC duldet seit vielen Jahren Korruption und Interessenskonflikte bei der Vergabe der Spiele. Es versucht sich zu reformieren, aber tut zu wenig, um Hinweisen und Indizien für solche Vorfälle nachzugehen und sie aufzuklären. Genehme Journalisten werden von einzelnen Verantwortlichen bevorzugt bedient. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2005 an Gerhard Mayer-Vorfelder

DFB-Präsident erhält „Auszeichnung“ des Netzwerks Recherche für seine restriktive Informationspolitik

Die „Verschlossene Auster“, der Kritik-Preis der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche für Info-Blocker, geht in diesem Jahr an den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder. Er erhält den Preis für seine restriktive Informationspolitik bei der Bundestrainer-Suche und der DFB-Schiedsrichteraffäre sowie für seine sachlich unbegründete Klagefreudigkeit gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR). Der Sender hatte sich in einer Satire mit dem Multifunktionär beschäftigt. Weiterlesen