Der Cybersoldat im Cyberkrieg

netzwerk recherche e.V. Jahreskonferenz 2014

Ein gutes Jahr ist nach Edward Snowdens Enthüllungen vergangen, ein Jahr in dem das Thema die Berichterstattung so bestimmt hat wie kein anderes. Unter Leitung von Moderatorin Annette Dittert diskutieren Journalisten zum Thema „Was hat Snowden mit uns gemacht? – Und was machen wir mit Snowden?

Georg Mascolo, Leiter des Rechecherverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, sagt: Journalisten haben durch Snowdens Enthüllungen festgestellt, dass „jede Email, jeder Anruf ein Risiko ist“. Dies sei ein „Zustand, der untragbar ist“. Das System der NSA sei kein Einzelfall, denn es „ist ein Prinzip, dass alle Staaten anwenden – nicht nur die USA“.

Für die USA ist Snowden kein Whistleblower. Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF sagt: „Aus Sicht der USA ist Snowden ein Fahnenflüchtiger“. Fahnenflüchtiger? Das klingt nach Krieg: „Edward Snowden ist ein Cybersoldat im Cyberkrieg der USA, ein Munitionssammler im Netz“, fügt Georg Mascolo hinzu.

Katja Gloger vom Stern hat ein Email-Interview mit Snowden geführt. Sie meint, „wenn man wollen würde, könnte man Snowden nach Deutschland holen.“ Auch Elmar Theveßen hält es für die Aufarbeitung wichtig, dass er nach Deutschland kommt: „Es braucht das Gesicht Edward Snowden in der Öffentlichkeit.

Aber wird das passieren? Luke Harding, Korrespondent vom Guardian, glaubt das nicht. Er geht davon aus, dass sein auslaufendes Visum in Russland verlängert wird, aber das „Problem bleibt“. Mascolo, der Snowden im Herbst letzten Jahres in Moskau traf, ist der Meinung, dass der Whistleblower nicht unbedingt nach Deutschland kommen will, denn „ Snowden will nach Hause.“

Die nahe Zukunft für Journalisten wird spannend, es werden sicher weitere Informationen das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Aber was werden wir wann erfahren? Und sind neue Enthüllungen wirklich wichtig.

Elmar Theveßen sagt, dass Snowden und seiner engster Kreis alle Dokumente freigeben sollte. „Je länger eine kleine an Anzahl an Personen damit Geld macht, desto mehr zerrt das an der Glaubwürdigkeit.“

Für Georg Mascolo sind die „Folgen wichtiger als eine neue Geschichte“.

Es braucht in erster Linie „eine politische Diskussion“, um die Enthüllungen aufzuarbeiten, meint Katja Gloger.

Eines ist aber sicher, das haben uns die Enthüllungen des letzten Jahres gezeigt: „Der Journalismus funktioniert über Ländergrenzen hinweg“, wie Katja Gloger sagt. Und Luke Hardings Prognose für die nächsten Jahre ist klar: „Jetzt geht’s los!“

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