Die Quotenfrau

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Ginge es nach Frauke Böger von taz.de, hieße das Arbeitsmotto der deutschen Redaktionen: „Qualität statt Quote“. Fragt man dagegen Annette Bruhns von „ProQuote“, gäbe es schon lange eine verbindliche Frauenquote in deutschen Redaktionen.
Die beiden Frauen, jung, weiblich und digital unterwegs, bilden Gegenpositionen in einer Debatte, die seit über zwei Jahren Deutschland polarisiert: die Frage nach der Quotenfrau. Die auch vor dem Journalismus nicht Halt macht. Nicht vor Print-Redaktionen. Nicht vor Online-Redaktionen.
„Die Debatte um die Frauenquote an sich ist wichtig“, sagt Barbara Hans. „Man muss sich heutzutage rechtfertigen, wenn man keine Frauen beschäftigt.“
Trotzdem sind Frauke Böger (taz.de), Barbara Hans (Spiegel Online) und Anita Zielina (stern.de) gegen eine Frauenquote nach Bruhns‘ Vorstellungen. Mehr Frauen in Führungspositionen, das ja, aber bitte ohne „Alibi-Quote“, wie Anita Zielina sie nennt.
Stattdessen müssten bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Frauen ermöglichen, Beruf und Familie zu vereinen.
Für die drei jungen Frauen spielt da der Online-Journalismus eine wichtige Rolle: Der Grund ist simpel, online sei neu, so Anita Zielina, Online forme sich gerade erst als gleichwertiges Medium zu Print, TV und Radio. „Außerdem ist bei Online der Rhythmus ein anderer. Da gibt es keinen starren Zeitplan mit festgelegten Redaktionskonferenzen, sondern da plant man den Tag danach, wann die anderen ihre Kinder abholen müssen“, meint auch Frauke Böger.
Dass dieses Konzept aufgeht, zeigen die Zahlen: Die Redaktion von stern.de besteht zu 35 Prozent aus Frauen, die Printredaktion dagegen nur zu 19,4 Prozent. Ähnlich ist es bei der Süddeutschen Zeitung: Neun Prozent Frauen in der Printredaktion, 32 Prozent in der Onlineredaktion. Dennoch drängt sich als Antwort auf die Frage, ob Online-Journalismus eine Chance für Frauen darstellt, eine kritische Frage auf: „Ist das so, weil wir Online bisher noch weniger zutrauen als Print?“, fragte Ulrike Schweitzer vom WDR.
Ob es eine Quote braucht, um Frauen stärker in den Journalismus zu integrieren, blieb auf dem Podium der nr-Konferenz offen. Konkrete Pläne scheint es nicht zu geben, dennoch würden sogar die Männer zugeben, dass ein „Generationenwandel im Gange“ sei, so Christoph Reuter vom Spiegel.
Vielleicht ist es einfach an der Zeit, abzuwarten und der Frauenquote die Chance zu geben, sich selber zu entwickeln. Immerhin liegt in journalistischen Ausbildungen und Studiengängen der Anteil von jungen Frauen bei rund 68 Prozent – genug Potential also, aus dem später geschöpft werden kann. Und vielleicht diskutieren wir ja in zehn Jahren schon über eine Männerquote.

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