Journalismus aus der Luft – lohnen Drohnen?

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Mit einem Piepsen startet der Motor, rote und blaue Lichter leuchten an den Rotoren auf. Mit einem lauten Brummen hebt die Maschine von  Fabian Werba ab: Sein Oktokopter – acht Rotoren, kreisförmig angeordnet, 20.000 Euro wert – steht in der Luft. Was die Kamera der Drohne 80 Meter über dem Boden einfängt, flimmert über den Bildschirm von Elke Thimm, Werbas Geschäftspartnerin. Sanft bewegt sich die Drohne über das NDR-Gelände. Von unten faszinierte Blicke: Schon viel haben Zuschauer von den unbemannten Flugobjekten gehört und auch darüber berichtet. Live und aus nächster Nähe betrachtet haben sie jedoch nur wenige. Die Vorführung beeindruckt die 15 Teilnehmer der Präsentation von Datenjournalist Lorenz Matzat, Blogger Max Ruppert und Drohnenpilot Fabian Werba sichtlich, stößt allerdings auch auf Skepsis.

„Lohnen Drohnen?“ – fragte Autor und Dozent Bernd Oswald in dem von ihm moderierten Panel. Die Vorführung zeigte: Technisch können die Drohnen viel. Mit Kameras ausgerüstet starten sie zu atemberaubenden Aufnahmeflügen, wie das jüngste Projekt Werbas und Thimms zeigt, bei dem sie ihre Drohne für eine Reportage über die Plattenbauten des Märkischen Viertels in Berlin ziehen ließen. Während die Aufnahmen problemlos liefen, waren innerhalb weniger Minuten mehrere Beschwerden bei der Polizei eingegangen. „Ich kann das verstehen, so ein Teil sieht ja schon bedrohlich aus“, sagt Werba.

Ruppert, der den Blog volledrohnung.de betreibt, weist auf die ethischen Schwierigkeiten der neuartigen Kamera-Flüge hin: „Ich würde hier mit offenen Karten spielen und die Anwohner sehr früh informieren. Zum Beispiel indem man Zettel an Haustüren anbringt. Je mehr man aufnimmt, desto mehr Aufklärung braucht es.“

Wer eine Drohne fliegen möchte, muss darüber hinaus mit einem großen bürokratischen Vorlauf rechnen. Mindestens zwei Wochen dauert es, bis die Bundesländer Anträge auf Überfluggenehmigung bestätigen. Spontane Drehs sind damit nicht möglich, bei Unglücken ist die Drohne bislang tabu. Für die Vorführung auf dem NDR-Gelände in Hamburg etwa waren 30 Euro pro Aufstieg fällig, dazu mussten Polizei und der Tower des nahen Flughafens informiert werden. Ohne Erlaubnis des Grundstücksbesitzers bleibt die Drohne erst recht am Boden. Damit Werba und Thimm ihre fliegende Kamera kreisen lassen können, müssen sie zudem ihr Flugkönnen prüfen lassen sowie eine spezielle Haftpflichtversicherung für Modellflughalter haben.

Bei so vielen Auflagen: Wofür können Journalisten eine Flugdrohne wirklich einsetzen? Datenjournalist Matzat schließt investigative Verwendungen nicht aus, allerdings in der üblichen legalen Grauzone: „Du darfst es nur einsetzen, wenn du bereit bist zu leugnen, dass es Deins ist.“ Für Werba indes sind Drohnen weniger fürs Schnüffeln geeignet („Wenn ich jemanden ausspionieren will, nehme ich nicht die Drohne.“), sondern „ein Stilmittel“, das Fernsehdokus und Imagefilme mit spektakulären Bildern anreichert. Allerdings: Auch diese Technik hat Grenzen. Die Akkuleistung reicht lediglich für zehn Minuten in der Luft.

 

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