Schluss mit „jeder gegen jeden“

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Konkurrenz ist in die DNA des Journalismus eingeschrieben. Trotzdem vernetzen sich im Internetzeitalter immer mehr Journalisten und arbeiten zusammen. Vier Projekte zeigen, wie das funktionieren kann.

Über Ländergrenzen hinweg Recherchepartner finden oder bei anderen Journalisten übernachten? Wie das geht, führte Tamara Anthony mit der Internetplattform hostwriter vor. „Die Grundidee ist Zusammenarbeit statt Konkurrenz“, sagte sie. Sie ist eine der Gründerinnen der Plattform. Sie hält nichts vom Kampf um jede Information: “Journalisten können gut zusammenarbeiten und sich beispielsweise über bereits gemachte Interviews austauschen.“ Mittlerweile gebe es schon Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern, die das Projekt unterstützen. Eine Hürde hat hostwriter allerdings: Bevor weltweit Kontakte gesucht und Geschichten geteilt werden können, muss sich jedes Mitglied als Journalist akkreditieren. Auf diese Weise wollen sie verhindern, eine reine PR-Plattform zu werden.

Kooperation heißt auch das Motto des 34. Lehrgang der Henri-Nannen-Schule. Statt gegeneinander, arbeitet ein gesamter Journalistenjahrgang nach der gemeinsamen Ausbildung miteinander. Die Journalistengemeinschaft Kill your Darlings besteht aus Freiberuflern und Festangestellten. Auf der Website finden potentielle Auftraggeber das Profil der einzelnen Absolventen, Arbeitsproben und Kontaktdaten. „Bei uns gab es keine Konkurrenz. Wir arbeiteten schon während unserer Ausbildung Hand in Hand. Und jeder von uns hat seine Stärken und die ergänzen sich ideal bei unserer Zusammenarbeit”, sagt Mitbegründerin Kathrin Breer. Das mache auch das Profil ihrer Gemeinschaft aus. “Kill your Darlings” erinnert an ein ähnliches Projekt von Henri-Nannen-Schülern: Vor acht Jahren gründete der 26. Lehrgang den Journalistenverbund Plan17, der bis heute besteht.

Wer keinen Jahrgang der Henri-Nannen-Schule im Rücken hat, muss trotzdem nicht unsichtbar bleiben. Auf der Seite torial hat jedes Mitglied die Möglichkeit, ein Portfolio über seine Themen und bisherigen Erfahrungen zu erstellen. Sucht ein potenzieller Auftraggeber einen Autor, muss er nicht einmal auf der Seite angemeldet sein, um jemanden für einen speziellen Auftrag zu finden. Ein Stichwort genügt, um sich Experten, Recherchepartner und Autoren für ein bestimmtes Thema anzeigen zu lassen. Einfach und digital, ohne sich vorher zu kennen.

Marco Heuer vom Pressenetzwerk für Jugendthemen betonte dagegen, dass bei Netzwerken immer noch der persönliche Kontakt zählt. „Wenn man sich kennt, ist es leichter eine Anfrage zu stellen“, sagt er. Sein Verein will durch Pressereisen, Informationsprogramme und Medienworkshops Journalisten, Fachleute und Interessierte zusammenbringen. Gleichzeitig warnte er vor einem Vernetzungswahn, denn es ginge in der Branche nicht um möglichst viele, sondern um gute Kontakte.

Weitere Informationen unter: http://hostwriter.org/, http://killdarlings.de/, http://get.torial.com/, http://www.pressenetzwerk.de/

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