Was machen wir hier eigentlich?

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Aktivismus ist unter Journalisten offenbar nicht gerne gesehen. Trotzdem ist er für deren Arbeit vielleicht unerlässlich. Fünf Aktivisten diskutieren über Journalismus – oder umgekehrt.
Wer auf dem netzwerk recherche-Podium in der Mitte sitzt, ist der Journalist unter Journalisten. Derjenige, der moderiert und also moderat bleibt. Neutral. Für eine Moderatorin war Anja Reschke sehr engagiert. Fiel aus ihrer Rolle und hatte ja doch – übrigens! – auch noch etwas zu sagen, was eigentlich eher auf die andere Seite gepasst hätte, auf die der Diskutanten. Genau um dieses geht es ja auf dem Podium.
Denn ein Journalist ist nicht bloß Beobachter. Er hat als Berichterstatter etwas zu einem Thema zu sagen. Schließlich sollen Journalisten zur Meinungsbildung beitragen. Der Begriff „Aktivist“ ist jedoch eher verpönt, auf dem Podium wie im Plenum. Dafür sorgt Reschke mit einer klaren Einordnung zu Beginn, mit Hanns Joachim Friedrichs vielzitiertem Satz: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“
Wo Aktivismus beginnt, ist eine Frage der Definition. Reschke fängt an: „Aktivist bin ich, wenn ich eine Veränderung der Dinge als Ziel habe.“ Günter Wallraff muss es wissen: Wenn er Missstände aufdeckt, möchte er doch auch, dass sich etwas ändert. Wozu sonst die Mühe? „Wenn ich Menschen zu ihrem Recht verhelfe, ist das für mich Genugtuung“, sagt Wallraff. Betont aber: „Dann bin ich kein Journalist!“ Macht Leidenschaft also Aktivisten?
Diese Leidenschaft gehört für Stefan Niggemeier sogar unbedingt dazu: Ohne eigene Meinung zum Thema gehe ein Journalist doch gar nicht an die Arbeit.
War Wallraff stets neutral? „Ich weiß ja vorher auch nicht, was mich erwartet“, sagt er über seine Undercover- Einsätze. Aber ist das wirklich noch ergebnisoffene Berichterstattung?, fragt Reschke, und nicht, welcher Reporter geht ohne Hypothese an die Arbeit?
Journalistische Beiträge völlig frei von persönlichen Einschätzungen gibt es gar nicht, so der Tenor auf dem Podium. Wo denn nun die Grenze verläuft, zwischen dem, das ohnehin nicht neutral ist und dem, was Aktivisten machen, vermag aber niemand zu sagen. Annette Bruhns hat noch eine Definition: „Ein Aktivist kämpft für die eigene Sache.“ Was war dann der Spiegel-Titel, der fordert: „Asyl für Snowden“? Klarer Fall für Bruhns: „engagierter Journalismus“. Bruhns zeigt sich also als Aktivistin für den Spiegel.
Oliver Schröm meint: „Vielleicht sollten wir uns einfach alle Journalisten nennen und gut is.“ Leider ist es nicht das Schlusswort. Das bleibt die Moderatorin dem Plenum schuldig. Haben Aktivisten denn ein Schlusswort? Oder lassen die am Ende alles offen?

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