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YanukovichLeaks auf der nr14

Wie Journalisten in der Ukraine das Intrigennetz Janukowitschs zusammenpuzzlen

Kurzes Update: Anstelle von Natalia Sedletska wird ihre Kollegin Kateryna Kapliuk (Mitglied der YanukovychLeaks und investigative Journalistin bei Slidstvo.info) an der nr14-Jahreskonferenz teilnehmen und über die Entdeckung der Janukowitsch-Dokumente berichten.

 Es war filmreif, was im Februar 2014 auf dem Anwesen des hastig nach Russland        geflüchteten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch geschah: Ein    M    Mitarbeiter der Residenz hatte Journalisten darüber informiert, dass in dem      angrenzenden Stausee Papiere schwimmen. Taucher fischten daraufhin hunderte  Aktenordner aus dem See – und Journalisten begannen damit, die Papiere zu sichten,  zu trocknen und zu scannen: Sogar die Gästesauna des opulenten Anwesens half  dabei, die Blätter vom Wasser zu befreien. Es war der Beginn von YanukovychLeaks.  Inzwischen sind mehr als 23.000 Seiten online abrufbar. Natalie Sedletska zählt zu  den Journalistinnen, die von Anfang an dabei waren. Auf der nr-Jahreskonferenz  2014 wird sie von den „Ausgrabungen“ erzählen – und berichten, wie die Dokumente Machtmissbrauch und Korruption belegen. Schon vor YanukovychLeaks machte sich Natalie Sedletska einen Namen als kritische Investigativjournalistin: Beim Kiewer Fernsehsender TVi produzierte und moderierte sie zuletzt „Tender News“, eine Sendung, die kriminelle Auftragsvergaben und Korruption aufdeckte. Derzeit ist Sedletska Stipendiatin bei Radio Free Europe / Radio Liberty und Mitglied des „Organized Crime and Corruption Reporting Projects“.

(Foto: YanukovichLeaks.org)

Sogar in Janukowitschs Gästesauna wurden Dokumente getrocknet. (Foto: YanukovichLeaks.org)

Als Sedletska erfuhr, dass Taucher auf Janukowitsch-Dokumente gestoßen waren, nahm sie den ersten Flug zurück nach Kiew, um bei der Sicherung des Materials zu helfen. „Es war lange Zeit so, als würde man versuchen in einen geschlossenen dunklen Raum vorzudringen. Und dann waren die Wände plötzlich gefallen.“ Überraschend war für sie, dass auch viele „normale Leute“ die Journalistengruppe, beispielsweise durch das Heranschaffen von Trocknern und Scannern, Tag und Nacht tatkräftig unterstützten. Das lang ersehnte Verlangen der ukrainischen Gesellschaft nach Transparenz könne nun niemand mehr abstreiten.