Viel Kompetenz und Prominenz bei der 13. Jahrestagung von netzwerk recherche auf dem NDR-Gelände in Hamburg

“You’ll never walk alone” – so lautet in diesem Jahr das Motto der Jahreskonferenz von netzwerk recherche am 4. und 5. Juli 2014 auf dem NDR-Gelände in Hamburg. Damit nimmt die Konferenz von Journalisten für Journalisten gleich zwei journalistische Trends ins Visier: Zum einen die “Pressefreiheit in Zeiten der Massenüberwachung”, zum anderen aber auch die Tendenz zur Kooperation, Zusammenarbeit und Vernetzung von Journalisten – national, aber auch weltweit.

Auf die rund 600 Teilnehmer/innen warten knapp 100 Veranstaltungen. Mehr als 200 Referentinnen und Referenten, davon auch viele aus dem Ausland, versprechen spannende Vorträge und Diskussionen.

Dabei sind u.a. die “Krautreporter”, die innerhalb von vier Wochen per Crowdfunding fast eine Million Euro für ihr Projekt einsammeln konnten, mehrere Vernetzungsprojekte für freie Kolleginnen und Kollegen und die Chefs der Recherchekooperationen von Verlagen und Sendern. So stellen sich u.a. NDR-Intendant Lutz Marmor und der Leiter des Investigativ-Ressorts der Süddeutschen Zeitung, Hans Leyendecker, der kontroversen Diskussion um den Rechercheverbund von NDR, WDR und SZ. Aber auch die Verantwortlichen von Kooperationen anderer Sender und Verlage präsentieren ihre Modelle.

Mit dem Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh tritt eine “Recherche-Legende” auf der Jahreskonferenz der Journalistenvereinigung auf. Ebenfalls dabei sind u.a. die Mother-Jones-Chefredakteurin Monika Bäuerlein, Undercover-Spezialist Günter Wallraff mit seinem Team, Medienblogger Stefan Niggemeier und weitere preisgekrönte Journalistinnen und Journalisten.

Krisenreporterin Antonia Rados hält in diesem Jahr die Rede zur Lage des Journalismus. Laura Poitras, Luke Harding, Jacob Appelbaum und Sarah Harrison berichten, wie die Enthüllungen von Edgar Snowden ihre journalistische Arbeit verändert haben. Daran angelehnt bilden die Themen Online-Recherche (u.a. mit Paul Myers, BBC) und Datenjournalismus einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung. Als Best-Practice-Beispiele präsentiert die Konferenz herausragende Recherchen wie den ADAC-Skandal oder den Fall Gurlitt, aber auch die Arbeit von YanukovychLeaks in der Ukraine.

Wie immer spart netzwerk recherche auch Kritik an der eigenen Zunft nicht aus: Warum sehen viele Leser, Hörer und Zuschauer die Berichte über die Ukraine und Russland ganz offenkundig kritisch? Was bedeutet es, dass die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus in Auflösung begriffen sind? Und wie steht es um die Fähigkeit zur Selbstkritik im Journalismus?

Erstmals werden in diesem Jahr gleich zwei Preise bei der Jahrestagungen verliehen: Mit der Verschlossenen Auster ehrt netzwerk recherche traditionell den “Informationsblockierer des Jahres” – und mit dem “Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen” die beste Recherche.

Das etwas andere Konferenzprogramm bestreiten am Freitagabend Özlem Gezer (Spiegel), Özlem Topcu (Zeit), Doris Akrap (taz) und Yassin Musharbash (Zeit) mit ihrem “Hate Poetry”: Leserbriefe und Kommentare zu ihren Beiträgen, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Und, so viel WM muss sein: Falls es Deutschland bis ins Viertelfinale schafft, gibt es natürlich auch am Freitag (4. Juli) um 18 Uhr Fußball zu sehen.

Hinweis: Die Tagung wird von mehreren Organisationen unterstützt. Sie findet wie immer im Konferenzzentrum des Hauptsponsors NDR in Hamburg-Lokstedt (Hugh Greene Weg 1) statt. Das Programm wird unter nrch.de/nr14 ständig aktualisiert.

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nr14: 200 Referenten, 100 Veranstaltungen

Rund 200 Referenten werden am 4./5. Juli an der nr-Jahreskonferenz 2014 mitwirken. In beinahe 100 Debatten, Workshops und Erzählcafés geht es diesmal unter anderem um internationale Teamrecherchen, Überwachung und sichere Kommunikation, Crowdfunding, Vernetzung, digitales Storytelling, Online-Recherche, Datenjournalismus und Dokumentationen. Neben bekannten deutschen Journalisten wie Klaus Ott, Anja Reschke, Georg Mascolo, Stefan Plöchinger und Stefan Niggemeier werden dieses Jahr so viele internationale Referenten kommen wie noch nie: Zugesagt haben u.a. aus den USA Seymour Hersh und Monika Bäuerlein (Chefredakteurin von Mother Jones), außerdem Sarah Harrison, Jacob Appelbaum und die Macher von YanukovychLeaks.

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Programm online!

Das vorläufige Programm der nr-Jahreskonferenz ist online.

In den rund 100 Debatten, Workshops und Erzählcafés geht es diesmal unter anderem um internationale Teamrecherchen, Überwachung und sichere Kommunikation, Crowdfunding, Vernetzung, digitales Storytelling, Online-Recherche, Datenjournalismus und Dokumentationen.

Zu den Referenten zählen Antonia Rados, Sarah Harrison, Jacob Appelbaum, Günter Wallraff, Stefan Niggemeier, Andrea Röpke, Jakob Augstein, Paul Myers, Lutz Marmor, Hans Leyendecker, Carolin Emcke, Caren Miosga, Kateryna Kapliuk, Klaus Ott, Seymour Hersh, Monika Bäuerlein, Georg Mascolo, Andrew Lehren, Anja Reschke, Stefan Plöchinger, Nikolaus Brender, Michael Obert, Egmont Koch und Jennifer LaFleur.

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YanukovichLeaks auf der nr14

Wie Journalisten in der Ukraine das Intrigennetz Janukowitschs zusammenpuzzlen

Kurzes Update: Anstelle von Natalia Sedletska wird ihre Kollegin Kateryna Kapliuk (Mitglied der YanukovychLeaks und investigative Journalistin bei Slidstvo.info) an der nr14-Jahreskonferenz teilnehmen und über die Entdeckung der Janukowitsch-Dokumente berichten.

 Es war filmreif, was im Februar 2014 auf dem Anwesen des hastig nach Russland        geflüchteten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch geschah: Ein    M    Mitarbeiter der Residenz hatte Journalisten darüber informiert, dass in dem      angrenzenden Stausee Papiere schwimmen. Taucher fischten daraufhin hunderte  Aktenordner aus dem See – und Journalisten begannen damit, die Papiere zu sichten,  zu trocknen und zu scannen: Sogar die Gästesauna des opulenten Anwesens half  dabei, die Blätter vom Wasser zu befreien. Es war der Beginn von YanukovychLeaks.  Inzwischen sind mehr als 23.000 Seiten online abrufbar. Natalie Sedletska zählt zu  den Journalistinnen, die von Anfang an dabei waren. Auf der nr-Jahreskonferenz  2014 wird sie von den „Ausgrabungen“ erzählen – und berichten, wie die Dokumente Machtmissbrauch und Korruption belegen. Schon vor YanukovychLeaks machte sich Natalie Sedletska einen Namen als kritische Investigativjournalistin: Beim Kiewer Fernsehsender TVi produzierte und moderierte sie zuletzt „Tender News“, eine Sendung, die kriminelle Auftragsvergaben und Korruption aufdeckte. Derzeit ist Sedletska Stipendiatin bei Radio Free Europe / Radio Liberty und Mitglied des „Organized Crime and Corruption Reporting Projects“.

(Foto: YanukovichLeaks.org)

Sogar in Janukowitschs Gästesauna wurden Dokumente getrocknet. (Foto: YanukovichLeaks.org)

Als Sedletska erfuhr, dass Taucher auf Janukowitsch-Dokumente gestoßen waren, nahm sie den ersten Flug zurück nach Kiew, um bei der Sicherung des Materials zu helfen. „Es war lange Zeit so, als würde man versuchen in einen geschlossenen dunklen Raum vorzudringen. Und dann waren die Wände plötzlich gefallen.“ Überraschend war für sie, dass auch viele „normale Leute“ die Journalistengruppe, beispielsweise durch das Heranschaffen von Trocknern und Scannern, Tag und Nacht tatkräftig unterstützten. Das lang ersehnte Verlangen der ukrainischen Gesellschaft nach Transparenz könne nun niemand mehr abstreiten.