Wer, was, wann, mit wem?

Künstler, Forscher und Journalisten im Bann der Netzwerke

Ein Netzwerk von Personen, die in Archivdokumenten des Völkerbundes gemeinsam genannt werden. (Quelle: Wiki Commons / Martin Grandjean)

Ein Netzwerk von Personen, die in Archivdokumenten des Völkerbundes gemeinsam genannt werden. Bild: Wiki Commons/Martin Grandjean

Von Moritz Zajonz

Manche sehen aus wie Käfer, andere wie Routen von Flugzeugen: “Narrative Structures” nannte der Künstler Mark Lombardi seine Werke. Der New Yorker zeichnete von Hand mit großer Präzision sogenannte Soziogramme, Darstellungen sozialer Beziehungen. Seine Datenbank: Eine Sammlung von 14.000 eigens beschrifteten Karteikarten mit Informationen zu Personen, Institutionen und deren Verbindungen. Mit Geodreieck und Stift brachte er die Netzwerke auf Papier; zeigte insbesondere den Fluss des Geldes zwischen mächtigen Menschen und fragwürdigen Organisationen. Weiterlesen

Der Lokaldatenjournalist

Julius Tröger, Datenjournalist bei der Berliner Morgenpost. Foto: Franziska Senkel

Julius Tröger, Datenjournalist bei der Berliner Morgenpost. Foto: Franziska Senkel

Von Marie-Louise Timcke

Mit einem Klick verwandelt sich der Bildschirm in die dreidimensionale Skyline von Berlin. Der Fernsehturm, der Alexanderplatz, die Spree. Mit Maus und Pfeiltasten geht es auf Erkundungstour durch die virtuelle Hauptstadt: Wo stehen die größten Gebäude, wie sah der Kiez 1990 aus, wie wird sich die Skyline in Zukunft verändern?  Kurze Texte und Geschichten informieren über geplante Wolkenkratzer, Videos zeigen Berlins Stadtbildwandel im Zeitraffer und die Meinung von Passanten zu den Bauplänen. Seit Anfang 2015 leitet Julius Tröger das Ressort Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost, mit dem er die virtuelle Entdeckungsreise umgesetzt hat.

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Zeigt her Eure Daten

Wie transparent müssen Datenjournalisten arbeiten?

Müssen Journalisten ihre Daten offenlegen? Oder gar gleich den verwendeten Programmcode? (Bild: Flickr/justgrimes)

Müssen Journalisten ihre Daten offenlegen? Oder gar gleich den verwendeten Programmcode? Bild: Flickr/justgrimes

Von Kira Schacht

Mal wieder drei Monate gewartet und vierzehn Mails an eine Behörde geschrieben, um schließlich ein PDF-Dokument zu erhalten – mit fünf veralteten, nicht verwertbaren Zahlen. Solche Situationen lassen Datenjournalisten fluchen. Öffentliche Daten müssen einfach zugänglich sein, fordern viele von ihnen, sonst seien sie nicht wirklich offen. Doch der Enthusiasmus für Transparenz flaut oft rapide ab, sobald das Recherchestadium abgeschlossen ist. Noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass Datenjournalisten ihre Methoden und Datensätze oder gar den verwendeten Programmiercode öffentlich zugänglich machen. Weiterlesen

Der Speeddating-Vermittler

Michael Hörz (im Bild rechts) vermittelt gerne seine Datenjournalismus-Kenntnisse – hier beim Daten-Labor 2015.

Michael Hörz (im Bild rechts) vermittelt gerne seine Datenjournalismus-Kenntnisse – hier beim Daten-Labor 2015. Foto: Franziska Senkel

Von Verena Mengel

Technik faszinierte Michael Hörz schon, als man vielen Menschen noch erklären musste, was Daten eigentlich genau sind. Als Student baute er sich Fahrräder aus Einzelteilen zusammen. Ende der 90er-Jahre gesellte sich zur Technikaffinität eine Begeisterung fürs Internet. Als Onlinejournalismus noch Neuland war, wurde Michael Hörz Redakteur für die Website des Tagesspiegels. Durch seine Berichterstattung über den Verein Open Data Network lernte er Lorenz Matzat kennen, der später die Datenjournalismusagentur OpenDataCity gründete. Michael Hörz begann, sich ehrenamtlich im Verein zu engagieren, begeisterte sich bald auch für Datenjournalismus – und baute nun aus einzelnen Daten Geschichten zusammen. Weiterlesen

Datenstau im Amt

Viele Daten, mit denen Behörden immer noch arbeiten, existieren nur auf Papier. (Bild: Flickr/Jaypeg)

Viele Daten, mit denen Behörden immer noch arbeiten, existieren nur auf Papier. Bild: Flickr/Jaypeg

Von Markus Meyer-Gehlen

So ein Informationsfreiheitsgesetz ist eine feine Sache: Jeder kann sich Fakten über die Angelegenheiten des Bundes besorgen, um sich dann eine Meinung zu bilden. Welcher Abgeordnete war auf welcher Konferenz anwesend? Welche Daten beziehen Bundesministerien von Telefonanbietern? Und wer kann überhaupt auf sie zugreifen? Eine Anfrage genügt – und jedem Bundesbürger müssen alle öffentlichen Informationen zu beliebigen Themen zugänglich gemacht werden. Zumindest theoretisch. Doch was steht der Datenfreiheit nicht alles im Weg: Schutz der Privatsphäre einzelner, Schutz von Staatsgeheimnissen, laufende Verfahren … Es scheint immer einen Grund zu geben, warum Daten gerade doch nicht öffentlich gemacht werden können. Weiterlesen

Der Mann im Hintergrund

Maximilian Schäfer ist Dokumentations- und Datenjournalist beim SPIEGEL. Foto: privat

Maximilian Schäfer ist Datenjournalist und arbeitet in der Dokumentationsabteilung des Spiegel. Foto: privat

Von Sophie Rotgeri

Wenn Maximilian Schäfer über seine Arbeit als Datenjournalist spricht, wirkt er zurückgenommen und unaufgeregt – ein bisschen so, als verstünde er nicht ganz, warum alle so ein Aufheben darum machen. Journalismus mit Daten sei schließlich nichts Neues: “Mit Daten umgehen, das haben wir natürlich auch schon gemacht, bevor der Begriff Datenjournalismus in Mode kam”, erklärt Schäfer. Doch Datenjournalismus, wie er heute stattfindet, sei mehr als nur ein paar Balkendiagramme. “So wie sich der Begriff etabliert hat, bedeutet er aus meiner Sicht, dass Daten im Mittelpunkt der Geschichte stehen”, sagt Schäfer. Im Datenjournalismus gehe es nicht darum, bereits bestehende Statistiken zu visualisieren, sondern neue Erkenntnisse zu gewinnen, indem Datensätze zusammengefügt und große Mengen von Daten analysiert werden. Weiterlesen

Die Klimabild-Expertin

Birgit Schneider

Birgit Schneider ist Vertretungsprofessorin für Medienökologie an der FH Potsdam. Foto: Franziska Senkel

Von Anne Kliem

Immer wieder kreuzt Birgit Schneiders Arbeit den Weg eines Mannes, der seit mehr als 150 Jahren tot ist. Die Historikerin und Medienwissenschaftlerin hat ein Faible für Daten und für grafische Darstellungen rund um das Thema Klima. Das verbindet sie mit Alexander von Humboldt, der vor fast zwei Jahrhunderten die Welt bereiste, erforschte und vor keiner Wissenschaft – auch nicht der Klimatologie – zurückschreckte. Birgit Schneider, Vertretungsprofessorin für Medienökologie an der Universität Potsdam, untersucht die Qualität und Aussagekraft wissenschaftlicher Klimadarstellungen. Mit ihrer Forschung will sie auch das Verständnis von Laien und Journalisten für das Thema schärfen. Dabei richtet sie ihren Blick immer wieder in den Rückspiegel, auf historische Klimavisualisierungen wie die von Humboldt. Denn die, so findet Birgit Schneider, verraten auch einiges über die heutige Zeit. Weiterlesen

Der Datenbefreier

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Kurt Jansson ist Datenjournalist in der Dokumentation des Spiegel. Foto: privat

Von Markus Meyer-Gehlen

“Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen”, lautet ein Punkt aus der “Hackerethik” des Chaos Computer Clubs. Und dieser weit verbreitete Leitspruch wird gerade im Internet gerne zitiert. Kurt Jansson, Datenjournalist in der Rechercheabteilung des Spiegel, stimmt diesem Motto zu. Es sei zwar nicht immer direkt zu erkennen, wo “öffentlich” aufhört und “privat” anfängt, sagt er, das hänge vom Einzelfall ab. Eine solche Gratwanderung könnte etwa die Frage sein, welche Informationen über verurteilte Straftäter veröffentlicht werden sollten – gerade, wenn sie wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen. Insgesamt sieht Jansson sich aber selbst eher als einen Anwalt der Transparenz von Daten und Wissen. “Tja, ich bin ein Kind des Internets”, sagt er.

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Der Farben-Nerd

Johannes Kröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HafenCity Universität Hamburg. Foto: Franziska Senkel

Johannes Kröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HafenCity Universität Hamburg. Foto: Franziska Senkel

Von Lilith Teusch

Leuchtend rot, Smaragd-grün bis hin zu tiefblau: Die vielfältige Farbenpracht eines Regenbogens dürfte die meisten Menschen wohl freuen und faszinieren. Nicht so Johannes Kröger, zumindest nicht wenn es um Karten geht. Denn der Geoinformatiker weiß, worauf es bei der Darstellung von Daten auf Karten ankommt – nämlich insbesondere auf die richtige Farbwahl. Und die farbenfrohe Regenbogenskala stört ihn besonders: “In dem Verlauf gibt es viel zu krasse Brüche in der Farbhelligkeit”, sagt er. Und das ist nur einer der vielen praktischen Kartografie-Tipps, die er den Teilnehmern des Daten-Labor 2015 mit auf den Weg gibt.

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Der Visualisierungskünstler

Till Nagel, Designer und Wissenschaftler am "Urban Complexity Lab" der FH Potsdam. Foto: Franziska Senkel

Till Nagel, Designer und Wissenschaftler am “Urban Complexity Lab” der FH Potsdam. Foto: Franziska Senkel

Von Katharina Schmitz

Damit seine Mutter seine Arbeit versteht, hat Till Nagel eins seiner Projekte auf Postkarten gedruckt. Ein Jahr lang hat er seine täglichen Fahrradstrecken mit einer Smartphone-App getrackt und die Daten anschließend auf eine digitale Karte übertragen. Die Erkenntnis: Till Nagel fährt viel Fahrrad. Doch seine Mutter saß mehrere Stunden vor dem Computer und versuchte herauszufinden, wo ihr Sohn sich herumtreibt. So kam der Designer auf die Idee, zwölf Postkarten zu drucken, für jeden Monat eine. Nun kann seine Mutter eine Karte in die Hand nehmen, zwei Monate miteinander vergleichen oder erkennen, dass ihr Sohn im Winter wohl nicht so gerne Fahrrad fährt. Weiterlesen

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