{"id":1248,"date":"2014-08-01T16:53:30","date_gmt":"2014-08-01T14:53:30","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1248"},"modified":"2014-08-01T16:53:30","modified_gmt":"2014-08-01T14:53:30","slug":"du-journalist-ich-programmierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/du-journalist-ich-programmierer\/","title":{"rendered":"Du Journalist, ich Programmierer!?"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\u201eSind wir nicht Journalisten geworden, weil wir Mathematik immer gehasst haben?\u201c So erkl\u00e4rt sich jedenfalls Miguel Paz das Unbehagen, das der Datenjournalismus bei vielen seiner Kollegen ausgel\u00f6st. \u201eDie meisten haben den Boom der Online-Medien gerade erst verarbeitet, da \u00fcberrollt sie bereits die n\u00e4chste Welle der Informationstechnologie.\u201c Paz selbst hat schon fr\u00fch die Scheu vor den neuen Technologien \u00fcberwunden. <!--more--><\/p>\n<p>Als einer der Ersten entwickelte der Gr\u00fcnder und CEO der Platform www.poderopedia.org ein B\u00fcndel von Tools, die investigative Journalisten technisch unterst\u00fctzen und ihnen neue M\u00f6glichkeiten tieferer Recherche bieten. \u201eDatenjournalismus ist nicht die Zukunft &#8211; er ist l\u00e4ngst Gegenwart\u201c, davon ist Paz \u00fcberzeugt. <\/p>\n<p>Mit dem Datenjournalismus ziehen auch die Nerds in die Redaktionen ein. Annabel Church ist eine von ihnen. Sie verst\u00e4rkte als Knight-Mozilla Fellow die Redaktion von Zeit Online in Berlin und bringt unter dem Label \u201eHacks\/Hackers\u201c Journalisten und Programmierer zusammen. Als Coderin entwickelt sie Tools, mit denen Nachrichten und Informationen f\u00fcr Medien optimal aufbereitet und pr\u00e4sentiert werden k\u00f6nnen. \u201eEs funktionierte nach dem Prinzip Trial und Error. Unser Ziel war es, fr\u00fch zu scheitern um schnell aus unseren Fehlern zu lernen\u201c, erinnert sie sich an ihre Pionierzeit.<\/p>\n<p><strong>Wir brauchen Programmierer mit einem Journalistik-Interface<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs galt es vor allem, Kommunikationsschwierigkeiten zu \u00fcberwinden. \u201eSoftwareentwickler denken eher visuell und problemorientiert. Journalisten eher narrativ, ihnen f\u00e4llt es oft schwer, eine Aufgabe pr\u00e4zise zu formulieren,\u201c sagt Church. Sie musste lernen, dass sich anf\u00e4ngliche Vorbehalte gegen Nerds nur behutsam abbauen lie\u00dfen. \u201eEs ist wichtig, Redakteuren nach und nach Tools beizubringen, die ihnen im Redaktionsalltag wirklich weiterhelfen.\u201c Zeitersparnis ist dabei ein entscheidendes Argument \u2013 etwa wenn journalistisch triviale Arbeiten mit technischer Unterst\u00fctzung automatisiert werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Fr\u00fcher sollten Coder lediglich die bereits fertigen Texte mit Grafiken oder Visualisierungen aufwerten \u2013 die Zeiten sind vorbei. Im modernen Journalismus lassen sich Form und Inhalt kaum noch trennen. Teamwork wird immer wichtiger \u2013 der Journalist, der als einsamer Schreiber an seiner Geschichte arbeitet, ist aus Sicht von Miguel Paz ein Auslaufmodell: \u201eEs ist wichtig, dass Programmierer und Journalist die Story von Anfang an gemeinsam entwickeln und gestalten.\u201c <\/p>\n<p>Aber die Zusammenarbeit verl\u00e4uft nicht immer reibungslos, darauf sollte man vorbereitet sein. Der Newsroom ist kein Ort f\u00fcr Programmierer \u2013 zu hektisch. Die arbeiten auf einem anderen Konzentrationsniveau. \u201eWenn im Code ein Komma fehlt, funktioniert meist die gesamte Anwendung nicht. Au\u00dferdem haben wir eine andere Vorstellung von Deadlines als Journalisten\u201c, sagt Church. Doch wenn die gemeinsame Ebene gefunden ist, profitieren beide \u2013 dann geben die Nerds den in ihrer Denkweise oft eingefahrenen Redakteuren nicht selten neue, kreative Impulse und erschlie\u00dfen damit ganz neue Geschichten.<\/p>\n<p>\u201eDie Zusammenarbeit lohnt sich auf jeden Fall\u201c, meint Miguel Paz. Denn nur als gemeinsames Projekt von Programmierern und Textern lasse sich Journalismus im digitalen Kontext richtig zur Entfaltung bringen. Beispielsweise k\u00f6nnen Informationen in eine geordnete, maschinenlesbare Struktur gebracht werde, die es dem Leser erleichtert, die f\u00fcr ihn relevanten Daten und Aspekte eines Themas herauszuarbeiten. Ein Beispiel: interaktive Datenbanken.<\/p>\n<p><strong>Schafft sich der Journalismus ab?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit Softwareentwicklern kann helfen, die Qualit\u00e4t des Journalismus zu steigern, z.B. bei der Recherche oder der Aufarbeitung und Darstellung von Daten. Dabei bleiben klassische Arbeitsschritte aber durchaus relevant: Guter Journalismus kommt auch weiterhin nicht ohne Interviews, Schreiben, Redegieren, Layouten und Recherchieren aus. Es geht um die Neuinterpretation des Journalismus im digitalen Kontext. \u201eDatenjournalismus\u201c, sagt Miguel Paz, \u201eist nur ein neues Tool im Werkzeugkasten des Journalismus.\u201c <\/p>\n<p>Nach Paz ist er  allerdings ein Tool, das jeder Journalist beherrschen sollte. Zwar muss er nicht unbedingt in der Lage sein, komplizierte Anwendungen selbst zu programmieren, Journalisten sollten sich aber so weit in die Software hineindenken, dass sie gemeinsam mit den Programmierern Probleml\u00f6sungen entwickeln k\u00f6nnen und die Technik verstehen. Paz begr\u00fcndet dies philosophisch: \u201eNach Karl Marx kann seine Arbeit nur frei verrichten, wer dessen Produktionsmittel und Distribution beherrscht. F\u00fcr Journalisten bedeutet das: \u201aWer frei sein will, muss Technologie lieben\u2019.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSind wir nicht Journalisten geworden, weil wir Mathematik immer gehasst haben?\u201c So erkl\u00e4rt sich jedenfalls Miguel Paz das Unbehagen, das der Datenjournalismus bei vielen seiner Kollegen ausgel\u00f6st. \u201eDie meisten haben den Boom der Online-Medien gerade erst verarbeitet, da \u00fcberrollt sie bereits die n\u00e4chste Welle der Informationstechnologie.\u201c Paz selbst hat schon fr\u00fch die Scheu vor den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,50],"tags":[],"class_list":["post-1248","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-datenjournalismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1248"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}