{"id":1251,"date":"2014-08-06T17:00:55","date_gmt":"2014-08-06T15:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1251"},"modified":"2014-08-06T17:00:55","modified_gmt":"2014-08-06T15:00:55","slug":"mit-excel-gegen-die-us-geheimdienste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/mit-excel-gegen-die-us-geheimdienste\/","title":{"rendered":"Mit Excel gegen die US-Geheimdienste"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tEine Recherchekooperation von NDR und S\u00fcddeutscher Zeitung deckt Geheimdienstaktivit\u00e4ten der US-Regierung auf, die von deutschem Boden aus stattfinden. Forschung f\u00fcr das Pentagon, Drohnen in der Oberpfalz und Freunde der Folterpolizei \u2013 alles fein s\u00e4uberlich recherchiert und h\u00fcbsch verpackt auf <a title=\"www.geheimerkrieg.de\" href=\"http:\/\/www.geheimerkrieg.de\">www.geheimerkrieg.de<\/a> . <!--more--><\/p>\n<p>Klick. Klick. Klick. Filtern nach POP \u2013 \u201ePlace of Performance\u201c \u2013 Klick. \u201eR423\u201c, der Produktcode f\u00fcr die Intelligence Agency. Noch ein Klick und Bastian Brinkmann von der S\u00fcddeutschen Zeitung erh\u00e4lt eine detaillierte Liste aller US-Geheimdienstauftr\u00e4ge an deutsche Firmen \u2013 zur Verf\u00fcgung gestellt von der US-amerikanischen Regierung, frei abrufbar im World Wide Web.<br \/>\nDiese Daten stellen die Hauptquelle dar f\u00fcr das geheimerkrieg.de-Projekt des NDR und der SZ. Gut f\u00fcr die Journalisten, dass in den USA ein anderes Verst\u00e4ndnis von Transparenz herrscht und die Regierung alle Ausgaben \u00fcber 3000 US-Dollar ver\u00f6ffentlichen muss. So geschehen im sogenannten <a title=\"www.fpds.gov\" href=\"https:\/\/www.fpds.gov\">FPDS<\/a> . FPDS steht f\u00fcr Federal Procurement (= Beschaffung) Data System. Dort wird alles aufgelistet, was die 3000er-Marke \u00fcbersteigt, \u201eegal ob Fahrr\u00e4der, Forsts\u00e4gen oder biologische Bomben\u201c, sagt Bastian Brinkmann.<br \/>\nBevor das Rechercheteam jedoch die Top 3 der in Deutschland operierenden Geheimdienstfirmen ausfindig machen konnte, galt es erst einmal, einen gewaltigen Datenberg zu bezwingen. Unterst\u00fctzung gab es dabei von der Agentur Open Data City, die im ersten Schritt alles, was mit Deutschland in Verbindung stand, aus der FPDS-Datenbank runtergeladen hat. Datenvolumen: ein Terrabyte.<\/p>\n<p>Mehr Ordnung in den Datenwust bringen, hie\u00df es jetzt. Behilflich dabei war die B\u00fcrokratie, die in den USA anscheinend genauso ausgepr\u00e4gt ist wie in Deutschland. Jeder Auftrag im FPDS ist formularm\u00e4\u00dfig mit gewissen Pflichtfeldern versehen, zum Beispiel \u201eDate signed\u201c, \u201ePlace of Performance\u201c oder \u201eProduct or Service Code\u201c. Wer sich einmal in der Welt dieser Codes und Bezeichnungen zurecht gefunden hat (hilfreich dabei: \u201eCode Names\u201c von William M. Arkin), st\u00f6\u00dft schnell auf die 518 Geheimauftr\u00e4ge der US-Regierung an deutsche Unternehmen. Jetzt nur noch die Daten runterladen und mit Excel aufbereiten \u2013 \u201eScraping auf Kindergartenniveau\u201c laut Brinkmann.<br \/>\nMit Excel lassen sich leicht Zusammenh\u00e4nge zwischen den einzelnen, strukturierten Daten herstellen. Wertet man zum Beispiel \u201eGlobal Vendor\u201c (= Mutterfirma) und \u201eAction Obligation\u201c mittels Pivot Table zusammen aus, hat man ruckzuck die Ums\u00e4tze der einzelnen Firmen zusammengestellt. Solche Auflistungen waren dann der Ausgangspunkt f\u00fcr die weitere Recherche.<br \/>\nHerausgekommen ist eine Vielzahl an Geschichten: angefangen mit dem Fotomodell in Stuttgart, das f\u00fcnf Drohnen abfeuerte, \u00fcber die stuttgarter Zentrale \u201eAfricom\u201c f\u00fcr amerikanische Eins\u00e4tze in Afrika, weiter mit den Universit\u00e4ten in Marburg, Bayreuth oder M\u00fcnchen, die Grundlagenforschung f\u00fcr das Pentagon betreiben. So wird zum Beispiel an der Ludwigs-Maximilian-Universit\u00e4t M\u00fcnchen nach umweltvertr\u00e4glichem Sprengstoff geforscht.<br \/>\nAll das und noch viel mehr wurde multimedial aufbereitet und publiziert \u2013 in TV, Radio, Print und Online. Den circa halbst\u00fcndigen Film kann man sich bei <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PoKHbXiMAOo\">youtube<\/a> anschauen, die gro\u00dfen Hintergrundgeschichten dazu auf <a href=\"http:\/\/www.geheimerkrieg.de\">www.geheimerkrieg.de<\/a>.<\/p>\n<p>Um die globale Ausbreitung dieses geheimen Netzwerks zu veranschaulichen, sind alle \u201eSpielorte\u201c der Geschichten anschaulich mit einer Karte verkn\u00fcpft. Bei der Africom-Geschichte etwa geht es in Windeseile von Nairobi nach Stuttgart, wieder Nairobi, Wiesbaden, Dschibuti, Endstation ist in Guantanamo.<br \/>\nBlicken Jan Strozyk und Bastian Brinkmann auf die Arbeit an dem Projekt zur\u00fcck, h\u00e4tten sie vieles anders gemacht. \u201eAber so haben wir es nun mal gemacht,\u201c sagt Strozyk. \u201eWir hatten viel Gl\u00fcck, Snowden zum Beispiel hat die Thematik viel bekannter gemacht.\u201c<br \/>\nUnd hat sich das Ganze gelohnt? F\u00fcr den NDR ja, die SZ stelle zum Gl\u00fcck keine Kalkulationen dar\u00fcber aus, grinst Brinkmann. \u201eEs gab auch politische Reaktionen, so wurde zum Beispiel das Amt f\u00fcr Befragungswesen geschlossen\u201c, erz\u00e4hlt Strozyk weiter. Grundlegend \u00e4ndere sich von heute auf morgen nat\u00fcrlich nichts. \u201eAber wir sind die Gespr\u00e4chstreiber.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.geheimerkrieg.de\/#entry-25-7853-die-quelle-aus-somalia\">Mehr zum Amt f\u00fcr Befragungswesen <\/a>)<\/p>\n<p>F\u00fcr die EU gibt es \u00fcbrigens <a href=\"http:\/\/ted.europa.eu\">eine \u00e4hnliche Online-Datenbank wie FPDS f\u00fcr die USA<\/a>.\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Recherchekooperation von NDR und S\u00fcddeutscher Zeitung deckt Geheimdienstaktivit\u00e4ten der US-Regierung auf, die von deutschem Boden aus stattfinden. 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