{"id":1324,"date":"2014-09-03T08:53:02","date_gmt":"2014-09-03T06:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1324"},"modified":"2021-02-02T12:21:26","modified_gmt":"2021-02-02T11:21:26","slug":"die-strukturierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/die-strukturierte\/","title":{"rendered":"Die Strukturierte"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tStrahlenbelastung in Fukushima, halsbrecherische Snowboardstunts, Fl\u00fcchtlingstote vor den Toren Europas \u2013 das sind Geschichten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Sylke Gruhnwald ist die Frau, die die Verbindung schafft, denn in ihrer Hand laufen alle F\u00e4den zusammen.<br \/>\nSylke Gruhnwald ist Datenjournalistin mit Leib und Seele; sie sucht, findet, analysiert Daten, mischt Daten, erhebt eigene Daten. Folgt man etwa dem einen Faden in ihrer Hand, landet man bei dem Portr\u00e4t \u00fcber Iouri Podladtchikov, einem weltber\u00fchmten Schweizer Snowboarder. Um seinen bekanntesten Trick f\u00fcr die Leser zu veranschaulichen, haben Sylke Gruhnwald und ihr Team von der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung den Sprung \u201eeinfach\u201c unter Laborbedingungen nachgestellt \u2013 mit einem IPhone. Das Ergebnis: die multimediale Visualisierung des \u201eYolo-Flips\u201c, sp\u00e4ter <a href=\"http:\/\/iouri-in-sotschi.nzz.ch\/1-star\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award 2014<\/a>. <\/p>\n<p>F\u00fcr Sylke Gruhnwald k\u00f6nnte man das auch einen Aufstieg in die K\u00f6nigsklasse des Datenjournalismus nennen. Sie selbst versteht unter \u201eK\u00f6nigsklasse\u201c allerdings etwas v\u00f6llig anderes. Eine eigene Datenbank zu erstellen, also \u201eSource Data\u201c \u2013 das sei k\u00f6niglich und kr\u00f6ne die \u201eVier Level des Datenjournalismus\u201c.<\/p>\n<p>Level 1: Show Data \u2013Datenvisualisierungen.<br \/>\nLevel 2: Mashup Data \u2013 das Mischen von Datens\u00e4tzen.<br \/>\nLevel 3: Analyze Data \u2013 saubere Datenanalyse.<br \/>\nLevel 4: Source Data \u2013 eine eigene Datenbank aufbauen. <\/p>\n<p>Alle datenjournalistischen Projekte lie\u00dfen sich nach diesem Schema gliedern, sagt sie. So auch das Projekt <a href=\"https:\/\/www.themigrantsfiles.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">The Migrant Files<\/a>, eine Dokumentation der Fl\u00fcchtlingstoten vor den Toren Europas. Eine Gruppe europ\u00e4ischer Journalisten (darunter auch das Team um Sylke Gruhnwald von NZZ-Data) begab sich auf die Spuren der Fl\u00fcchtlinge und stellte die Ergebnisse in einer gro\u00dfen Datenbank zusammen \u2013 Source Data, K\u00f6nigsklasse. <\/p>\n<p>Als Teamleiterin von NZZ Data ist Sylke Gruhnwald in der Welt der Daten zuhause, die Daten sind ihr t\u00e4gliches Brot. Vorgezeichnet war dieser Weg nicht, vom Sinologie- und BWL-Studium hin zum Datenjournalismus. Noch w\u00e4hrend sie ihr Diplom machte, begann sie, f\u00fcr den Economist in Wien zu arbeiten, danach ging sie als Wirtschaftsredakteurin zu NZZ-Online. Dort kam sie nach und nach in den Bereich des Datenjournalismus\u2018, erst mit 40 Prozent ihrer Stelle, dann zu 100 Prozent. Sie k\u00e4mpfte daf\u00fcr, ein eigenes Team zu bekommen, denn sie sah in den Daten mehr als Zahlen \u2013 eigene Geschichten und die Chance, neue Felder des Online-Journalismus zu erschlie\u00dfen. Ihr Bem\u00fchen hatte Erfolg. <\/p>\n<p>Seit nunmehr fast zwei Jahren ist NZZ Data fester Bestandteil der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung und l\u00e4ngst aus den Kinderschuhen raus: bereits zwei Nominierungen f\u00fcr den Grimme Online Award, einmal f\u00fcr das preisgekr\u00f6nte Snowboarder-Portr\u00e4t, einmal f\u00fcr eine multimediale Webdoku zur Situation in Fukushima, zwei Jahre nach der Katastrophe. <\/p>\n<p>Bei solchen Projekten reize besonders die Recherche, sagt Sylke Gruhnwald. Recherchieren, das ist ihre Kernkompetenz. Dabei sei \u201eTrial and Error\u201c das wichtigste \u2013 der m\u00f6gliche Fehler ist n\u00e4mlich vor der Recherche nicht sichtbar. So k\u00f6nne man mit einer spannenden These in die Datensuche starten und dann merken: Die Recherche gibt nichts her! \u201eMan muss auch den Mut haben, eine Geschichte nicht zu machen.\u201c <\/p>\n<p>Anderen Problemen, die dem Journalisten-Dasein h\u00e4ufiger Steine im Weg sind, begegnet Sylke Gruhnwald mit Hartn\u00e4ckigkeit. \u201eWenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe und es wirklich will, erstreite ich es mir auch schon mal\u201c. Und damit hat sie Erfolg \u2013 so wie damals bei der Etablierung von NZZ Data. <\/p>\n<p>Was sie dort aufgebaut hat, gibt sie nun jedoch in die H\u00e4nde ihrer Kollegen ab. Im August 2014 verl\u00e4sst sie die NZZ und beginnt neu beim Schweizer Radio und Fernsehen. \u201eMein Chef sagt, Leute wechseln nur, wenn es ihnen im B\u00fcro nicht mehr gef\u00e4llt\u201c, lacht sie. Doch das sei nicht der Grund f\u00fcr den Wechsel. Beim SRF wird sie f\u00fcr den Aufbau von \u201eSRF Data\u201c verantwortlich sein, die F\u00e4den des Datenjournalismus im Haus werden bei ihr zusammenlaufen, \u00e4hnlich wie zuvor bei der NZZ. Was anders sein wird, ist die Medienvielfalt. Datenjournalismus in Radio und Fernsehen bringt viele Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten, die es so im rein Digitalen nicht gibt. Das reizt, findet Sylke Gruhnwald. <\/p>\n<p>Positiv blickt sie in die Zukunft. Nicht nur in ihre eigene, auch in die des Journalismus im Allgemeinen. Zurzeit w\u00fcrden viele neue Felder erschlossen, das seien immer wieder auch neue Chancen f\u00fcr den Journalismus. \u201eWir haben die M\u00f6glichkeit, alles anders zu gestalten.\u201c Was dabei hilft, ist Biss. Den hat sie. Und was noch? \u201eEine positive Grundeinstellung!\u201c\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strahlenbelastung in Fukushima, halsbrecherische Snowboardstunts, Fl\u00fcchtlingstote vor den Toren Europas \u2013 das sind Geschichten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Sylke Gruhnwald ist die Frau, die die Verbindung schafft, denn in ihrer Hand laufen alle F\u00e4den zusammen. 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