{"id":18387,"date":"2019-12-19T15:30:56","date_gmt":"2019-12-19T14:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=18387"},"modified":"2023-01-11T10:05:47","modified_gmt":"2023-01-11T09:05:47","slug":"nonprofit-biotop-fuer-investigative-recherche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/nonprofit-biotop-fuer-investigative-recherche\/","title":{"rendered":"Nonprofit: Biotop f\u00fcr investigative Recherche"},"content":{"rendered":"<address><em>Ein R\u00fcckblick auf die GIJC19 von Tanja van Bergen<\/em><\/address>\n<p>Vor nicht allzu langer Zeit war das Arbeitsleben eines investigativen Journalisten eigentlich ganz einfach. Als Angestellter oder Freiberufler arbeitete man f\u00fcr ein professionell gef\u00fchrtes Medienunternehmen und wurde f\u00fcr seine Recherchen ziemlich gut bezahlt.<\/p>\n<div id=\"attachment_18388\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/making-news-outlet-raphael-huenerfauth-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18388\" class=\"size-medium wp-image-18388\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/making-news-outlet-raphael-huenerfauth-1-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/making-news-outlet-raphael-huenerfauth-1-300x199.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/making-news-outlet-raphael-huenerfauth-1-768x508.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/making-news-outlet-raphael-huenerfauth-1.jpg 979w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18388\" class=\"wp-caption-text\">Die Frage, wie eine nachhaltige Finanzierung von investigativer Recherche gelingen kann, war ein Schwerpunktthema der GIJC. Foto: Raphael H\u00fcnerfauth<\/p><\/div>\n<p>Den Verkauf dieser Geschichten \u00fcbernahmen andere Leute mit anderen Berufen: Herausgeber, Verlagsmanager, Marketing-Menschen. Als Journalisten hatte man mit diesen &#8216;kommerziellen Typen&#8217; nichts zu tun &#8211; h\u00f6chstens auf Firmenfeiern.<\/p>\n<p>Dann aber st\u00fcrzte das traditionelle Gesch\u00e4ftsmodell in sich zusammen. Den sinkenden Auflagen begegnete die Branche mit einem immer schriller gef\u00fchrten Kampf um Aufmerksamkeit. In diesem &#8220;24\/7 Clickbait Race&#8221; geriet auch der investigative Journalismus unter Druck. Ein Scoop alle drei Monate? F\u00fcr die Aufmerksamkeits\u00f6konomie zu wenig.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck scheint sich die Panik in letzter Zeit etwas zu legen. Medienh\u00e4user lernen wieder, ihrer journalistischen Qualit\u00e4t zu vertrauen. Das liegt auch an Ph\u00e4nomenen wie dem Trump Bump, womit die steigenden Auflagen und Nutzerzahlen seri\u00f6ser US-Medien als Folge von Trumps Wahl zum Pr\u00e4sidenten gemeint ist, und die allgemeine Sorge um gezielte Desinformation, die sich etwa \u00fcber soziale Medien verbreitet. Gleichzeitig gew\u00f6hnen wir uns durch die Etablierung von Streaming-Anbietern daran, f\u00fcr Online-Dienste zu bezahlen. Das k\u00f6nnte f\u00fcr den \u00dcbergang zu kosteng\u00fcnstigen, digitalen Publishing-Modellen hilfreich sein.\u00a0Noch hat die Branche die Talsohle nicht durchschritten, aber sie ist bestimmt auf dem Weg nach oben.<\/p>\n<h4><strong>Neue Aufgaben: Fundraising, Projektmanagement, Reporting<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>In dieser relativ kurzen Zeit hat sich das Biotop des investigativen Journalisten jedoch bereits grundlegend ver\u00e4ndert. Neben den etablierten Medienh\u00e4usern hat sich eine neue Organisationsform herausgebildet &#8211; der Nonprofitjournalismus, der gr\u00f6\u00dftenteils aus Beitr\u00e4gen institutioneller und privater Geldgeber finanziert wird. In den USA hat die Philanthropie eine viel l\u00e4ngere Tradition, aber auch in Europa haben zuletzt immer mehr Stiftungen den Journalismus als F\u00f6rderbereich entdeckt.<\/p>\n<p>Eine eigentlich gro\u00dfartige Entwicklung. Doch der Aufbau einer Nonprofit-Organisation geht weit \u00fcber die berufliche Praxis klassischer Journalisten hinaus.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich muss man sich um Dinge k\u00fcmmern, f\u00fcr die die einst prosperierenden Verlage eigene Abteilungen aufgebaut hatten: Gesch\u00e4ftspl\u00e4ne, Zielgruppenforschung, Projektmanagement, Buchhaltung, Fundraising, Vertrieb etc. Und das alles neben dem eigentlichen Kerngesch\u00e4ft, der Recherche. Bei Stiftungsfinanzierung kommt noch ein mitunter erheblicher Aufwand f\u00fcr Rechenschaftsberichte hinzu. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hatten Netzwerk Recherche und das Global Investigative Journalism Network \u2013 unterst\u00fctzt von der <a href=\"https:\/\/www.schoepflin-stiftung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sch\u00f6pflin Stiftung<\/a> \u2013 im Programm der <a href=\"https:\/\/gijc2019.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Global Investigative Journalism Conference<\/a> einen ganzen Track zum Nonprofitjournalismus und zu Fragen der nachhaltigen Finanzierung eingebaut. <!--more--><\/p>\n<h4><strong>GIJC19 &#8211; Highlights<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_18389\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18389\" class=\"size-medium wp-image-18389\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz-300x199.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz-768x509.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/bridget-gallagher-0001-nina-weymann-schulz.jpg 1119w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18389\" class=\"wp-caption-text\">Bridget Gallagher war eine gefragte Gespr\u00e4chspartnerin auf der Konferenz. Sie ber\u00e4t Redaktionen zum Umgang mit Stiftungen.\u00a0 Foto: Nina Weymann-Schulz<\/p><\/div>\n<p>Was bei den Veranstaltungen bei der Konferenz in Hamburg auffiel: der Informationshunger der Kollegen. Es wurde mit \u00fcberdurchschnittlicher Aufmerksamkeit zugeh\u00f6rt und mitgeschrieben. Die Smartphone-Kameras klickten bei jeder neuen Powerpoint-Folie. Zu Recht, denn die Referenten hatten es in sich.\u00a0Insbesondere beim Panel <strong>&#8220;Fundraising Tips &amp; Tools&#8221;<\/strong> gab es eine Flut praktischer Tipps und Tricks von drei Schwergewichten aus der Fundraising-Welt: Bridget Gallagher von der <a href=\"https:\/\/gallaghergroup.nyc\/\">Gallagher Group LLC<\/a>, Caroline Jarboe, Entwicklungsdirektorin beim <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20211129061830\/https:\/\/gijn.org\/about\/staff-member\/caroline-langston-jarboe\/\">Global Investigative Journalism Network (GIJN)<\/a> und Christine Liehr von der <a href=\"http:\/\/www.thomsonfoundation.org\/about\/\">Thomson Foundation<\/a>.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u00a0<strong>1. Suche nach dem passenden F\u00f6rderer<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Alle drei betonten, dass wichtige Aspekte beim Einwerben von Stiftungsgeldern der journalistischen Arbeit \u00fcberraschend \u00e4hnlich sind. So kommt es zu Beginn auf eine gr\u00fcndliche Recherche an: Welcher F\u00f6rderer passt zum eigenen Projekt, zur eigenen Nonprofit-Organisation? Und fast noch wichtiger: Welchen Nutzen hat der Spender, eben jenes Projekt zu unterst\u00fctzen? Philanthropen werfen ihr Geld nicht einfach so zum Fenster raus, sie suchen nach Projekten, die zu ihrer Vision und Mission passen. In der Fr\u00fchphase ist es daher entscheidend, die Agenda des Spenders zu verstehen. Nur so l\u00e4sst sich \u00fcbrigens auch herauszufinden, ob die eigene journalistische Freiheit in der Zusammenarbeit garantiert ist.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Es macht keinen Sinn, wenn alle bei <a href=\"https:\/\/www.gatesfoundation.org\/\">Bill und Melinda Gates<\/a> oder der <a href=\"https:\/\/www.opensocietyfoundations.org\/\">Open Society Foundations<\/a> die T\u00fcren einrennen. Bessere Aussicht auf Erfolg hat man bei kleineren Stiftungen. Vor allem bei solchen, die aus der Region kommen. Vielleicht kennt man sogar jemanden aus dem pers\u00f6nlichen Umfeld, der einen ersten Kontakt herstellen kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>2. Verf\u00fchre den potenziellen Spender mit einem ma\u00dfgeschneiderten Pitch<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Um den Spender von eurer Idee zu \u00fcberzeugen, sollte der Pitch maximal einen Absatz lang sein, damit er auf den Bildschirm eines Smartphones passt. Viel l\u00e4nger d\u00fcrfte die Aufmerksamkeitsspanne des Spenders nicht sein. Der Pitch sollte sich lesen wie der Teaser eines journalistischen Artikels. Wer sein Projekt nicht in zwei eing\u00e4ngigen S\u00e4tzen zusammenfassen kann, sollte sich nochmal genau \u00fcberlegen, was den Kern der eigenen Arbeit ausmacht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Weil Emotionen in der Philanthropie eine gro\u00dfe Rolle spielen, mag es der investigative Journalismus schwerer haben als ein Projekt zur Rettung verwaister Pandababys. Deshalb ist es f\u00fcr den Pitch ratsam, neben der Bedeutung des Journalismus f\u00fcr eine freie Gesellschaft auch immer die menschlichen Aspekte des Projektes zu betonen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u00a0<strong>3. In Erinnerung bleiben<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Hat ein Stifter angebissen, ist es nach dem &#8220;Match&#8221; wichtig, die Aufmerksamkeit des F\u00f6rderers zu behalten. So wie guter Journalismus nicht nur in den Scoop investiert, sondern auch sp\u00e4ter an einem Thema dranbleibt, sollte eine gute Nonprofit-Organisation in die Beziehung zum F\u00f6rderer investieren. Der Rat von Bridget Gallagher lautet deshalb: &#8220;Lass alle vier bis sechs Wochen von dir h\u00f6ren. Stell sicher, dass die Spender die Herausforderungen deiner Arbeit begreifen.&#8221;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Zum Beziehungsmanagement geh\u00f6rt auch, dass man die Spender durchaus um Rat fragen kann, wenn etwas schiefgeht. Sie nicht nur als Geldquelle zu betrachten, sondern auch ihre betriebswirtschaftliche Expertise zu nutzen, kann hilfreich sein.<\/p>\n<p>\u00a0Die Finanzierung durch engagierte Stiftungen ist das eine. In der Veranstaltung <strong>&#8220;<\/strong><strong>Nonprofits: building a membership&#8221;<\/strong> gab es Tipps, wie die Finanzierung auf andere (ob erg\u00e4nzende oder alleinige) Weise gelingen kann: durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Macht es Sinn, das Publikum, also Leser, Zuh\u00f6rer und Zuschauer, als Mitglieder in das eigene Medienunternehmen einzubeziehen? Pauschal l\u00e4sst sich diese Frage nicht beantworten. Denn es kommt darauf an, wonach man sucht.<\/p>\n<p>Anders als bei klassischen Abonnenten, die f\u00fcr ihre Abo-Geb\u00fchren schlicht eine Gegenleistung verlangen (in diesem Fall: Journalismus), ist die Beziehung und Interaktion zwischen Mitgliedern und der Redaktion enger. Mitglieder m\u00f6chten einen sinnvollen Beitrag leisten oder sich an wichtigen redaktionellen \u00dcberlegungen beteiligen, sie m\u00f6chten auf jeden Fall wahrgenommen und geh\u00f6rt werden. Dies erfordert Zeit und Aufmerksamkeit von Seiten der Journalisten. Eine Garantie, dass Mitglieder treuer sind als Abonnenten und mehr oder l\u00e4nger Beitr\u00e4ge zahlen, gibt es nicht. Umgekehrt bedeuten sie aber mehr Arbeit.<\/p>\n<p>Wann und warum sich ein Mitgliedermodell trotzdem rechnen kann, zeigt das Beispiel <strong>The Bristol Cable<\/strong>. Die Redaktion bezieht inzwischen rund 35 Prozent ihres Einkommens aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen. Die zus\u00e4tzliche Arbeit bis hin zur Jahreshauptversammlung nehmen die Macher gerne in Kauf. Denn die Beweggr\u00fcnde, mit den Mitgliedern zusammenarbeiten zu wollen, sind nicht in erster Linie finanzieller Natur. <a href=\"https:\/\/thebristolcable.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">The Bristol Cable<\/a> m\u00f6chte das gesellschaftliche Miteinander in Bristol st\u00e4rken. Mitbegr\u00fcnder Alon Aviram verwies auf dem Podium auf \u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/pilhofer\/status\/1159587728494923779\">einen Tweet des amerikanischen Journalismus-Professors Aron Pilhofer<\/a>: &#8216;Reden wir nicht mehr dar\u00fcber, wie wir die Leute dazu bringen k\u00f6nnen, f\u00fcr lokale Nachrichten zu bezahlen. In unserem Gespr\u00e4ch sollte es darum gehen, wie wir lokale Nachrichtenprodukte herstellen k\u00f6nnen, f\u00fcr die die Leute bezahlen m\u00f6chten.&#8217;<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"en\">I know what people mean when they say this, but I think we should stop talking about &#8220;how to get people to pay\u201d for local news, and start talking about \u201chow we can make local news products people want to pay for.\u201d<\/p>\n<p>\u2014 Aron Pilhofer (@pilhofer) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/pilhofer\/status\/1159587728494923779?ref_src=twsrc%5Etfw\">August 8, 2019<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Neue Modelle<\/strong><\/h4>\n<p>Darauf konterte einen Tag sp\u00e4ter im Panel \u00a0&#8220;<strong>Nonprofits &amp; New Models: Best Practices<\/strong>&#8221; \u00a0<a href=\"https:\/\/www.mdif.org\/\">Mohamed Nanabhay vom Media Development Investment Fund<\/a>: &#8220;Jedes Jahr sind wir auf Konferenzen wie dieser im Bann neuer Einnahmemodelle. Jetzt haben wir alle Augen auf das Mitgliedermodell gerichtet. N\u00e4chstes Jahr k\u00f6nnte es genauso gut der Podcast sein.&#8221; Nanabhay sieht nur eine Konstante: &#8220;Die \u00fcberwiegende Mehrheit der scheinbar so vielversprechenden innovativen Entwicklungen schmilzt dahin.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sipa.columbia.edu\/faculty-research\/faculty-directory\/anya-schiffrin\">Anya Schiffrin von der Columbia University<\/a> stimmte ihm zu: In der Welt der investigativen Nonprofit-Organisationen garantieren selbst Erfolgsgeschichten keine finanzielle Stabilit\u00e4t. &#8220;Du brauchst dich nicht schlecht f\u00fchlen, wenn du dich nach f\u00fcnf Jahren entscheiden musst, das Projekt aufzugeben. Viele Muckraker haben genau das getan: Sie sind weitergezogen.&#8221; F\u00fcr zwei B\u00fccher, die Shiffrin \u00fcber die Geschichte des investigativen Journalismus schrieb, Global Muckraking (2014) und African Muckraking (2017), interviewte sie Dutzende von Kollegen: &#8220;Keiner sagte: &#8216;Ich mache diese Arbeit, um reich zu werden&#8217;. Es ging allen darum, etablierte M\u00e4chte zur Rechenschaft zu ziehen.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Scheitern &#8211; keine Schande, aber auch keine Auszeichnung<\/strong><\/p>\n<p>Ross Settles, Experte f\u00fcr Medieninnovationen am <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/rsettles\/?originalSubdomain=hk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Journalismus- und Medienforschungszentrum der Universit\u00e4t von Hongkong<\/a> stellte fest, dass es einen intrinsischen Konflikt gibt: &#8220;Die Dinge, die man tun muss, um ein Unternehmen aufzubauen, sind normalerweise nicht die Dinge, die Journalisten tun m\u00f6chten.&#8221; Und was es noch schwieriger macht: &#8220;Sicherlich ist nicht jede Innovation eine Verbesserung. Ohne ausreichendes Wissen kann man sich ganz leicht in den Bankrott innovieren.&#8221;<\/p>\n<p>Oder zu einem Burnout. Denn das war ein weitverbreitetes Gef\u00fchl im Publikum: Ja, es gibt wunderbare Beispiele f\u00fcr nachhaltige Nonprofit-Organisationen im investigativen Journalismus, aber f\u00fcr den durchschnittlichen Freiberufler ist die Gr\u00fcndung einer Organisation vor allem wegen der unsicheren Finanzierung mit viel Ungewissheit und Frustration verbunden. Zumal es vor allem im Bereich des spendenfinanzierten Journalismus sicherlich noch Aufkl\u00e4rungsbedarf auf beiden Seiten gibt.<\/p>\n<p>Das wirft die Frage auf, ob die ja eigentlich begr\u00fc\u00dfenswerte Entwicklung von philanthropischem Engagement im Journalismus nicht auch strukturelle Probleme mit sich bringt. Denn welcher Teil der F\u00f6rdermittel, die derzeit ausgesch\u00fcttet werden, tr\u00e4gt wirklich zu einer nachhaltigen Stabilisierung des Journalismus bei? Wie viel Geld versandet in gut gemeinten, aber schlecht geplanten, kaum zu realisierenden oder auch gar nicht nachgefragten Projekten und Produkten?<\/p>\n<p>Scheitern ist keine Schande, aber auch keine Auszeichnung. Sollten Geldgeber bei der F\u00f6rderung k\u00fcnftig vielleicht verst\u00e4rkt auch auf unternehmerisches Denken in journalistischen Startups achten? Besseres Projektmanagement, besseres Controlling?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/correctiv.org\/team\/oliver-schroem\/\">Oliver Schr\u00f6m, ehemaliger Chefredakteur von Correctiv<\/a>, unterstrich im Panel &#8220;<strong>Innovative Nonprofits: What we Can Learn From Eachother<\/strong>&#8220;: &#8220;Wir sind keine Gesch\u00e4ftsleute. Wenn Sie ein journalistisches Unternehmen gr\u00fcnden, brauchen Sie einen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Wir haben dieses Fachwissen nicht, es ist ein Beruf f\u00fcr sich.&#8221;<\/p>\n<p>Eine im Rahmen der GIJC vorgestellte Studie der DW Akademie der Deutschen Welle (<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/downloads\/50303188\/dwa-investigative-journalism-web.pdf\">How to fund Investigative journalism \u2013 Insights from the field and its key donors<\/a>) nimmt deshalb auch die F\u00f6rderer in die Pflicht. Zwei wichtige Empfehlungen, die aus Gespr\u00e4chen mit erfahrenen Spendern abgeleitet wurden:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8216;Stellen Sie nach M\u00f6glichkeit eine Grundfinanzierung bereit und zwar f\u00fcr mehrere Jahre. Dies sch\u00fctzt die Unabh\u00e4ngigkeit von investigativem Journalismus, bietet maximale betriebliche Flexibilit\u00e4t und schlie\u00dft auch die M\u00f6glichkeit ein zu experimentieren. Widerstehen Sie der Versuchung, einzelne Inhalte oder bestimmte Recherchen zu finanzieren.&#8217;<\/li>\n<li>&#8216;Seien Sie bereit, auch &#8220;unsexy stuff&#8221; zu finanzieren, von denen Stipendiaten m\u00f6glicherweise nicht einmal wissen, dass sie Teil der F\u00f6rderung sein k\u00f6nnen &#8211; etwa einen Finanzmanager. Die Professionalisierung der Organisationsstruktur ist f\u00fcr die Entwicklung von Unternehmen\/Organisationen unglaublich wertvoll.&#8217;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist es also, wor\u00fcber wir sprechen m\u00fcssen, wenn wir dieses neue investigativ-journalistische Biotop nachhaltig machen wollen: eine Unterst\u00fctzung der Infrastruktur. Das gilt insbesondere f\u00fcr die wachsende Zahl grenz\u00fcberschreitend agierender investigativer Netzwerke. W\u00e4re deren nachhaltige Finanzierung nicht ein hervorragendes Thema f\u00fcr eine separate internationale Konferenz f\u00fcr Spender?<\/p>\n<p><em>Die Autorin ist freiberufliche Journalistin in Amsterdam. Bis April 2019 war sie Direktorin der Niederl\u00e4ndisch-Fl\u00e4mischen Assoziation der investigativen Journalisten | <\/em><a href=\"http:\/\/www.vvoj.org\/\"><em>VVOJ<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein R\u00fcckblick auf die GIJC19 von Tanja van Bergen Vor nicht allzu langer Zeit war das Arbeitsleben eines investigativen Journalisten eigentlich ganz einfach. Als Angestellter oder Freiberufler arbeitete man f\u00fcr ein professionell gef\u00fchrtes Medienunternehmen und wurde f\u00fcr seine Recherchen ziemlich gut bezahlt. Den Verkauf dieser Geschichten \u00fcbernahmen andere Leute mit anderen Berufen: Herausgeber, Verlagsmanager, Marketing-Menschen. 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