{"id":18783,"date":"2020-01-27T16:00:23","date_gmt":"2020-01-27T15:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=18783"},"modified":"2020-01-28T10:02:41","modified_gmt":"2020-01-28T09:02:41","slug":"demut-transparenz-fehlerkultur-aufraeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/demut-transparenz-fehlerkultur-aufraeumen\/","title":{"rendered":"Demut, Transparenz, Fehlerkultur, Aufr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Es gibt viel zu tun, auch nach Relotius<\/strong><\/h4>\n<p><em>Von Stefan Babuliack<\/em><\/p>\n<p>Bericht von der Tagung: <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/termine\/konferenzen\/fachkonferenzen\/nr-fachkonferenz-jetzt-mal-ehrlich-was-journalismus-aus-den-taeuschungsfaellen-lernen-muss\/\">Jetzt mal ehrlich! Was Journalismus aus den T\u00e4uschungsf\u00e4llen lernen muss<\/a> (29.\/30.11.2019, Tutzing)<\/p>\n<p>Panels:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00e4lschen und Verf\u00e4lschen \u2013 Was die F\u00e4lle unterscheidet und was sie gemeinsam haben<\/li>\n<li>Gute Vors\u00e4tze nach dem gro\u00dfen Knall \u2013 Hat sich wirklich was ge\u00e4ndert?<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"attachment_18340\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18340\" class=\"wp-image-18340\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-1380x920.jpg 1380w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_Niggemeier.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18340\" class=\"wp-caption-text\">Keynote \u201eF\u00e4lschen und Verf\u00e4lschen \u2013 Was die F\u00e4lle unterscheidet und was sie gemeinsam haben\u201c von Stefan Niggemeier. Foto: Senkel<\/p><\/div>\n<p>\u00dcber ein Jahr ist vergangen, seit die F\u00e4lschungen des Spiegel-Reporters Relotius offen gelegt wurden. Seitdem gab es unter anderem Aufregung um Ungereimtheiten bei der WDR-Sendereihe \u201eMenschen hautnah\u201c, manipulierte Berichte bei RTL und einen Fall unsauberen journalistischen Arbeitens bei der <em>Zeit<\/em>. Diese Vorf\u00e4lle nahmen Netzwerk Recherche und die Akademie f\u00fcr politische Bildung in Tutzingen zum Anlass, eine Fachtagung zu veranstalten: Unter dem Titel \u201eJetzt mal ehrlich: Was Journalismus aus den T\u00e4uschungsf\u00e4llen lernen muss\u201c riefen sie Journalist*innen zu Selbstreflexion auf. Zu der zweit\u00e4gigen Fachtagung am Starnberger See kamen mehr als 20 Referent*innen aus Print, Radio und TV in insgesamt sechs Panels zusammen, um kritischen Fragen zu journalistischer Ausbildung, dem ethischen Selbstverst\u00e4ndnis, Arbeitsmethoden sowie dem Verh\u00e4ltnis von Verantwortung, Freiheit und Kontrolle nachzugehen. Hat die Branche aus dem gro\u00dfen Betrugsfall gelernt? Eine einfache Antwort darauf hatte niemand versprochen, und die gab es auch nicht. Vielschichtigkeit und regen Austausch daf\u00fcr schon.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Demut, Demut, Demut \u2013 oder: \u201eK\u00f6nnen wir vielleicht nicht anders?!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Zum Einstieg in die Veranstaltung pr\u00e4sentierte Medienjournalist Stefan Niggemeier eine Keynote, die auf zwei klare Empfehlungen hinauslief: Einerseits verlangte der Gr\u00fcnder des Medienkritik-Magazins \u00dcbermedien klarere Regeln f\u00fcr das journalistische Arbeiten, damit deutlicher wird, \u201ewas geht eigentlich und was nicht mehr\u201c. Andererseits, und hier liegt f\u00fcr ihn der entscheidendere Knackpunkt f\u00fcr die Branche, m\u00fcsse sich die \u201ejournalistische Kultur\u201c an den Schreibtischen ver\u00e4ndern. Eine Kultur, die \u201eGenauigkeit vor Sch\u00f6nheit, Transparenz vor Perfektion und Widerspr\u00fcchlichkeit vor Eindeutigkeit\u201c setzt. Vorangestellt hatte er eine Unterscheidung vom selteneren \u201eF\u00e4lschen\u201c (bewusstes und absichtliches Erfinden) und h\u00e4ufigeren \u201eVerf\u00e4lschen\u201c (ungenaues, nachl\u00e4ssiges Justieren, passend machen). Diese Differenzierung zwischen F\u00e4lschen und Verf\u00e4lschen helfe zu ergr\u00fcnden, was \u201eSystem\u201c sei und grobe Nachl\u00e4ssigkeiten im Journalismus erm\u00f6gliche \u2013 was also dazu f\u00fchre, dass ausgestaltet, dramatisiert und drehbuchartig angepasst wird. Als Gegenmittel empfahl er, dem Grau in der Berichterstattung mehr Raum zu schenken und \u201eden Leser mitzunehmen zum Suchen, und gar nicht unbedingt nur zum Finden und Pr\u00e4sentieren\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eWahrhaftiger werden\u201c<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_18330\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18330\" class=\"wp-image-18330 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-1380x920.jpg 1380w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2019\/12\/ehrlich19_guteVorsaetze.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-18330\" class=\"wp-caption-text\">Panel \u201eGute Vors\u00e4tze nach dem gro\u00dfen Knall \u2013 Hat sich wirklich was ge\u00e4ndert?\u201c mit Moderatorin Laura Hertreiter, Stefan Weigel (Mitglied der Aufkl\u00e4-rungskommission, Der Spiegel), Dr. Stefan Willeke (DIE ZEIT), Britta Windhoff (WDR) und Stefan Niggemeier. Foto: Senkel<\/p><\/div>\n<p>Im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch \u201eGute Vors\u00e4tze nach dem gro\u00dfen Knall \u2013 Hat sich wirklich was ver\u00e4ndert?\u201c diskutierte Moderatorin Laura Hertreiter (SZ) mit Stefan Weigel (Der Spiegel), Stefan Willeke (Die Zeit) und Britta Windhoff (WDR) und Stefan Niggemeier \u00fcber Aufarbeitungen in Redaktionen und deren Konsequenzen. Dabei kam das Gespr\u00e4ch auf die Frage, wer denn nun und wie genauer gepr\u00fcft werden sollte. F\u00fcr Stefan Weigel sind weniger die \u201eHardcore-F\u00e4lscher\u201c das zentrale Problem. \u201eDer Mittelbau sollte uns Sorgen machen\u201c, so Weigel.<\/p>\n<p>Dem widersprach Stefan Willeke, jedenfalls bezogen auf seine Erfahrungen bei der <em>Zeit<\/em>: \u201eIch glaube immer noch daran, dass wir es mit Ausnahmenerscheinungen zu tun haben, auch beim Ver-F\u00e4lschen. In der Regel haben wir es mit Fehlern zu tun, die unabsichtlich passieren: aus Zeitnot, aus Schludrigkeit oder weil man nicht so genau hingeh\u00f6rt oder nachgefragt hat. Insofern finde ich die Lage nicht beunruhigend.\u201c<\/p>\n<p>Verf\u00e4lschungs-Vorw\u00fcrfe gab es 2019 gegen\u00fcber Dokus in der WDR-Reihe \u201eMenschen hautnah\u201c \u2013 die schlie\u00dflich dazu f\u00fchrten, dass sich der Sender von der Autorin der Filme trennte. Redaktionsleiterin Britta Windhoff betonte, dass \u2013 auch seitens der Redaktion \u2013 unsauber gearbeitet wurde, es aber keine betr\u00fcgerische Absicht gegeben habe. In der Folge habe man aber Standards wie das Vieraugen-Prinzip und Faktenchecks eingef\u00fchrt. Dass die Redaktion seitdem bei scheinbaren Petitessen noch gr\u00f6\u00dferen Wert auf Faktentreue und eine transparente Erz\u00e4hlweise lege, sei schon allein deshalb notwendig, weil heute jeder Internetnutzer durch die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit der Filme in Mediatheken und bei Youtube Fehler entdecken kann.<\/p>\n<p>Das Ausarbeiten von Leitf\u00e4den f\u00fcr die journalistische Arbeit stellt f\u00fcr mehrere Medienh\u00e4user eine Ma\u00dfnahme dar, um (Ver-)F\u00e4lschungen in Zukunft zu verhindern. W\u00e4hrend beim <em>Spiegel<\/em> zum Zeitpunkt der Tagung noch daran gearbeitet wurde, konnte Willeke f\u00fcr die <em>Zeit<\/em> das entstandene Regelwerk (<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/glashaus\/2019\/05\/21\/was-ist-in-unseren-journalistischen-beitraegen-erlaubt-was-nicht\/\">erschienen im Glashaus-Blog im Mai 2019<\/a>) bereits erl\u00e4utern. Vieles darin sei eigentlich selbstverst\u00e4ndlich, so Willeke. Als ein Akt der Selbstvergewisserung schien es aber ihm und allen auf dem Podium ein wichtiger Schritt zu sein. \u201eManche Regeln sind steinalt im Journalismus, zum Beispiel die Zwei-Quellen-Regel\u201c, so Stefan Weigel. \u201eAber wahrscheinlich gib es keine Regel im Journalismus, die so oft verletzt wird, wie die Zwei-Quellen-Regel.\u201c<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eDie Geschichte muss stimmen\u2026\u201c \u2013 Regelwerke sind gefordert<\/strong><\/p>\n<p>Einig waren sich die Diskutant*innen, dass damit gegen bewusstes und absichtliches F\u00e4lschen kein Allheimittel gefunden sei \u2013 man w\u00fcrde lediglich die H\u00fcrden erh\u00f6hen. Denn auch Relotius hatte fotografische Nachweise vorgelegt und \u2013 wie in Juan Morenos Buch erw\u00e4hnt \u2013 falsche Mailaccounts zur Verschleierung seiner F\u00e4lschungen erstellt.<\/p>\n<p>Die Diskutant*innen sprachen sich f\u00fcr die Einrichtung von Ombudsstellen aus. Aus Weigels Sicht sei es aber noch wichtiger, dass sich Redaktionen ernsthaft mit Leser-Kritik auseinandersetzen \u2013 auch wenn es keinen Spa\u00df mache: \u201eWer pr\u00fcft das nach, wer recherchiert Leuten hinterher? Kein Mensch hat dazu Lust, aber es ist sinnvoll.\u201c<\/p>\n<p>Britta Windhorst pl\u00e4dierte daf\u00fcr, sich \u2013 bei aller Selbstkritik \u2013 den \u201eL\u00fcgenpresse\u201c- und \u201eFake News\u201c-Angriffen wieder breitkreuziger entgegenzustellen. \u201eWir k\u00f6nnen besser werden, wir sind nicht perfekt \u2013 aber wir sind keine L\u00fcgner.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viel zu tun, auch nach Relotius Von Stefan Babuliack Bericht von der Tagung: Jetzt mal ehrlich! Was Journalismus aus den T\u00e4uschungsf\u00e4llen lernen muss (29.\/30.11.2019, Tutzing) Panels: F\u00e4lschen und Verf\u00e4lschen \u2013 Was die F\u00e4lle unterscheidet und was sie gemeinsam haben Gute Vors\u00e4tze nach dem gro\u00dfen Knall \u2013 Hat sich wirklich was ge\u00e4ndert? \u00dcber ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":18340,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[156],"tags":[],"class_list":["post-18783","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jetzt-mal-ehrlich"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18783"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18872,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18783\/revisions\/18872"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}