{"id":21789,"date":"2014-07-04T20:16:29","date_gmt":"2014-07-04T18:16:29","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=509"},"modified":"2020-10-14T17:02:21","modified_gmt":"2020-10-14T15:02:21","slug":"seien-sie-laestig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/seien-sie-laestig\/","title":{"rendered":"\u201eSeien Sie l\u00e4stig!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es gibt zu wenige fest angestellte Auslandskorrespondentinnen. Doch sind daf\u00fcr verkrustete, m\u00e4nnliche Machtstrukturen verantwortlich? Oder m\u00fcssen die Frauen lauter Wort ergreifen, wenn sie ins Ausland m\u00f6chten?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Unter den leitenden Auslandsreportern der ARD sind nur 20 Prozent Frauen, beim ZDF ist es gerade mal jede Sechste. Das ist problematisch, findet Spiegel-Redakteurin und ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns, w\u00fcrden doch gerade im Ausland \u201eKarrieren gestartet und gemacht\u201c. Antonia Rados kann das best\u00e4tigen. Als sie in den 1970er-Jahren beim ORF einstieg, seien f\u00fcr Frauen in den Medien Karrieren nicht vorgesehen gewesen. \u201eAls ich jung war, musste man sich als Frau L\u00fccken schaffen, seinen eigenen Job kreieren.\u201c Rados ging auf eigene Faust ins Ausland, wurde Korrespondentin in S\u00fcdamerika, Afrika und im Nahen Osten. Dort wurde sie zur preisgekr\u00f6nten Kriegsreporterin. Dass die Auslandspositionen im Journalismus auch heute noch eine M\u00e4nnerdom\u00e4ne sind, hat f\u00fcr Rados eine klare Ursache: \u201eIm Kreis der Macht\u201c, wo Personalentscheidungen getroffen werden, seien noch immer haupts\u00e4chlich M\u00e4nner vertreten. \u201eSeilschaften spielen eine gro\u00dfe Rolle\u201c, sagt Rados.<!--more--><\/p>\n<p>Joachim Knuth, H\u00f6rfunkdirektor des NDR, beteuert, dass die Machtstrukturen beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr \u201eso maskulin gepr\u00e4gt sind\u201c wie noch vor Jahren. Es gebe viele Chefredakteurinnen und die Entscheidung, welche KollegInnen ins Ausland entsandt werden, liege mehrheitlich bei Frauen. Trotzdem sei man noch nicht da, wo man hinwolle. \u201eFrauen springen nicht als erste auf, wenn ein Posten frei wird\u201c, stellt Knuth fest. Auch wollten sie sich oft nicht f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre festlegen. Einige Frauen h\u00e4tten ein halbes Jahr vor Amtsantritt wieder abgesagt.<\/p>\n<p>Antonia Rados wird w\u00fctend, wenn sie das h\u00f6rt: \u201e&#8217;Wir bem\u00fchen uns so sehr, aber die Frauen wollen nicht\u2018, das h\u00f6re ich seit 20 Jahren\u201c, sagt sie. Die Medienunternehmen m\u00fcssten \u00fcber ihren eigenen Schatten springen und Jobs schaffen, die zu Frauen passen. Knuth ist beim NDR zuletzt einen Schritt in diese Richtung gegangen und versucht, neue Arbeitsmodelle zu etablieren. Vor kurzem ging ein Ehepaar gemeinsam als Korrespondenten ins Ausland. Au\u00dferdem will er m\u00f6glich machen, dass sich zwei Frauen mit kleinen Kindern eine Stelle teilen. Und: Er frage gezielt zuerst Kolleginnen bei freien Stellen in Auslandsstudios, bevor sie ausgeschrieben werden.<\/p>\n<p>Frauen, die als Auslandskorrespondentinnen arbeiten wollen, empfiehlt Spiegel-Reporter Christoph Reuter, f\u00fcr die Quote zu k\u00e4mpfen. Ein anderer Weg k\u00f6nne es sein, nicht zuerst bei Medienunternehmen\u00a0anzuheuern, sondern sich auf eine Region zu spezialisieren und dort als freie Journalistin auf eigene Faust hinzugehen. Diesen Weg ist Susanne Knaul gegangen, die f\u00fcr verschiedene Printmedien aus Israel berichtet. Es erfordere allerdings Mut, das soziale Netz zuhause hinter sich zu lassen. Au\u00dferdem\u00a0sei es sehr arbeitsintensiv, ohne festen Arbeitgeber finanziell \u00fcber die Runden zu kommen. Wer deshalb doch lieber als feste Mitarbeiterin im Ausland Karriere machen will, sollte gegen\u00fcber der Chefetage fr\u00fchzeitig Interesse bekunden, r\u00e4t NDR-Mann Knuth.<\/p>\n<p>Einig sind sich alle: Frauen haben es noch immer schwer, als Auslandskorrespondentin Fu\u00df zu fassen. \u201eMachen Sie sich klar, was Sie wollen und wohin Sie wollen. Seien Sie l\u00e4stig und arbeiten Sie sehr, sehr viel\u201c, fasst Antonia Rados zusammen.<\/p>\n<p>nr14-Panelbeschreibung hier: \u201e<span class=\"event ev_4\"><a id=\"c3752e5429880642daa498d8135efc31\" class=\"name\" href=\"https:\/\/sched.co\/RI0afl\">Auslandsreporter \u2013 Wo sind die Frauen?<\/a>\u201c<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt zu wenige fest angestellte Auslandskorrespondentinnen. Doch sind daf\u00fcr verkrustete, m\u00e4nnliche Machtstrukturen verantwortlich? Oder m\u00fcssen die Frauen lauter Wort ergreifen, wenn sie ins Ausland m\u00f6chten?\u00a0 Unter den leitenden Auslandsreportern der ARD sind nur 20 Prozent Frauen, beim ZDF ist es gerade mal jede Sechste. 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