{"id":21792,"date":"2014-07-05T12:37:40","date_gmt":"2014-07-05T10:37:40","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=455"},"modified":"2020-10-14T12:19:11","modified_gmt":"2020-10-14T10:19:11","slug":"datenjournalismus-was-ist-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/datenjournalismus-was-ist-das\/","title":{"rendered":"Datenjournalismus &#8211; was ist das?"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDatenjournalist? \u2013 Soso.\u201c Wer sich mit diesem Beruf vorstellt, erntet leicht eine Mischung aus Skepsis und Bewunderung. \u201eDie, die mit den Zahlen sprechen\u201c sind nicht nur manchen Feuilletonisten suspekt. Andere Kollegen wittern ein teures Modethema, das die letzten freien Ressourcen aus der Redaktion abziehen und sich dann von selbst erledigen k\u00f6nnte: Internetblase, Finanzblase \u2013 und nun die Datenblase?<\/strong><\/p>\n<p>Es spricht viel daf\u00fcr, dass sich das Outing-Gef\u00fchl f\u00fcr Datenjournalisten tats\u00e4chlich bald erledigen wird, allerdings in einem anderen Sinne. Nicht, dass bald ein Heer von Gleichgesinnten an ihre Seite treten wird, die echte Liebe zum Zerlegen von Datens\u00e4tzen f\u00fcr sich entdeckt haben. Sondern viel mehr, weil zumindest datenjournalistische Grundkenntnisse zur normalen Journalistenausbildung geh\u00f6ren werden.<!--more--><\/p>\n<p>Als Informationen vorwiegend in Druckerpressen veredelt wurden, waren Journalisten mit Kladde, Kugelschreiber und klugen Fragen gut ger\u00fcstet. Noch um die Jahrtausendwende gab es Edelfedern, die nur auf der Schreibmaschine schreiben wollten \u2013 ein guter Journalist braucht doch keinen Computer! Heute leben wir endg\u00fcltig in einer digitalen Welt, in der Daten zugleich Rohstoff und Transportsystem sind. Institutionen machen ihre Arbeit in digitaler Form zug\u00e4nglich \u2013 manche freiwillig, andere unter juristischem Druck.<\/p>\n<p>Doch die vielen Datenberge, die offen im Netz herumliegen, geben nicht von sich aus ihre Sch\u00e4tze Preis. Beh\u00f6rden oder Unternehmen werten oft nur jenes aus, was ihnen gef\u00e4llt oder gar n\u00fctzt. Gleichzeitig schrumpft f\u00fcr konventionelle Informationen der Vorsprung professioneller Journalisten: Seitdem auch Laien in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken publizieren, muss man einen Recherche-Mehrwert liefern zu dem, was alle haben. Guter Datenjournalismus kann tiefere Einblicke, exklusive und relevante Geschichten liefern, die sich nicht ohnehin schon viral verbreiten. Und im Idealfall lassen sich die recherchierten Daten und ihre Geschichte gleich interaktiv an die Lebenswirklichkeit des Publikums anbinden.<\/p>\n<p>Trotzdem mobilisiert das Buzzword vom Datenjournalismus (zuvor \u201eComputer Assisted Reporting\u201c) l\u00e4ngst nicht jeden Chefredakteur. Erst in wenigen Redaktionen arbeiten Vollzeit-Datenjournalisten, noch seltener sind Teams mit Grafikern und Programmierern. Wer mit Daten arbeitet, verbraucht viel Zeit und Arbeitskraft \u2013 Ressourcen, die in Medienh\u00e4usern knapp sind. Und ins klassische Berufsbild vom Journalisten passen die seltsamen Gesellen mit ihren Tabellen eben auch nicht. Noch immer sitzen weit mehr Edelfedern in den Redaktionen als Bastler und Zahlenf\u00fcchse. \u201eDatenjournalist? \u2013 Soso.\u201c<\/p>\n<p>Wer sich den Aufwand trotzdem leistet, steht vor weiteren Herausforderungen: Opulente Visualisierungen wirken auf gro\u00dfen Bildschirmen, sind aber nat\u00fcrliche Feinde des Smartphone-Daumens. Es mangelt an Konzepten, um komplexe Rechercheprojekte f\u00fcr diverse Endger\u00e4te zu verpacken. Hier muss der Datenjournalismus selbst st\u00e4rker mitgestalten und das Verhalten der Nutzer im Blick behalten. Ohne noch mehr Kooperationen mit Designern, Programmierern oder sogar Wissenschaftlern werden sich Datenjournalisten weiterhin schwer tun.<\/p>\n<p>Um einfaches datenjournalistisches Handwerkszeug kommt umgekehrt auf Dauer kein Journalist herum: Wer als Arzt neue Behandlungsm\u00f6glichkeiten ignoriert, muss sich den Vorwurf des Kunstfehlers gefallen lassen. Wer als Journalist Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beleuchten will, das neue digitale Handwerkszeug dazu aber links liegen l\u00e4sst, begeht einen journalistischen Kunstfehler. Und wenn die klassischen Medienh\u00e4user das Thema einfach platzen lassen, werden es andere besetzen. Das war schon bei den Internet- und Finanzblasen so.<\/p>\n<p><em>Christina<\/em> <em>Elmer<\/em> <em>&amp;<\/em> <em>Holger<\/em> <em>Wormer<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDatenjournalist? \u2013 Soso.\u201c Wer sich mit diesem Beruf vorstellt, erntet leicht eine Mischung aus Skepsis und Bewunderung. \u201eDie, die mit den Zahlen sprechen\u201c sind nicht nur manchen Feuilletonisten suspekt. 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