{"id":21813,"date":"2014-07-16T10:44:14","date_gmt":"2014-07-16T08:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1017"},"modified":"2020-10-12T17:54:31","modified_gmt":"2020-10-12T15:54:31","slug":"datenschutz-mit-zweierlei-mass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/datenschutz-mit-zweierlei-mass\/","title":{"rendered":"Datenschutz mit zweierlei Ma\u00df"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vier Fragen an&#8230; Gregor Aisch<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_22102\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-22102\" class=\"wp-image-22102 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/datenfeuerwerke_br_R3_b_02_aisch.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-22102\" class=\"wp-caption-text\">Gregor Aisch (Foto: Benjamin Richter)<\/p><\/div>\n<p><em>Welche besonderen Herausforderungen stellen sich f\u00fcr Datenjournalisten in Deutschland?<\/em><br \/>\nZun\u00e4chst gibt es in Deutschland noch einen gro\u00dfen Erkl\u00e4rungsbedarf bei den Redaktionen. Es geht um die Bedeutung des Datenjournalismus und der Datenvisualisierung. In USA ist dies seit langem keine Frage mehr. Jede Zeitung hat eine \u201eData-Driven-Journalism\u201c-Abteilung. Dazu m\u00fcssen die Redaktionen Mittel f\u00fcr den Datenjournalismus zur Verf\u00fcgung stellen und Weiterbildungen f\u00fcr Journalisten erm\u00f6glichen. Journalisten brauchen auch eine Selbstmotivation, um sich mit Daten zu besch\u00e4ftigen. Eine weitere Herausforderung ist es in Deutschland, dass die Anzahl von datenaffinen Journalisten zu niedrig ist. Sie sind nur 20 oder 30 im ganzen Land. Das reicht nicht f\u00fcr alle Zeitungen und Zeitschriften. Allein bei der New York Times sind wir mehr als 40. Zum Schluss ist die Datenverf\u00fcgbarkeit in Europa noch nicht zufriedenstellend, wenn gleich dieser Prozess auf einem guten Weg ist. <!--more--><br \/>\n<em>Wo k\u00f6nnten Datenjournalisten mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten?<\/em><br \/>\nDas Feedback von Wissenschaftlern ist entscheidend, um die Recherche und die Daten zu pr\u00fcfen. Als ich zum Beispiel im Jahr 2012 eine Visualisierung des Flugl\u00e4rms in der Umgebung der Flugh\u00e4fen in Berlin programmiert habe, habe ich die Ergebnisse von Experten verifizieren lassen. Im Prinzip ist es auch m\u00f6glich, dass Wissenschaftler bei der statistischen Analyse der Daten mitwirken. Was Forscher untersuchen, stimmt aber oft nicht mit den Anforderungen der Journalisten \u00fcberein. Die tiefen statistischen Analysen sind manchmal zu kompliziert und nicht selbsterkl\u00e4rend. Man kann sie nicht in einem Artikel einsetzen. Bei der New York Times haben wir zwei Statistiker: Amanda Cox und Josh Katz. Sie pr\u00fcfen die Beitr\u00e4ge und manchmal machen sie weiter, wo Datenjournalisten aufh\u00f6ren. Bei der Entwicklung mancher Geschichten \u2013 zum Beispiel \u00fcber Prognosen f\u00fcr die Pr\u00e4sidentenwahl in den USA oder f\u00fcr die Fu\u00dfballweltmeisterschaft \u2013 brauchen Datenjournalisten solche Hilfe, weil sie in gewissen F\u00e4llen die komplexen und vielf\u00e4ltigen Daten nicht allein anordnen und betrachten k\u00f6nnen.<br \/>\n<em><br \/>\nWie sollte man den Datenjournalismus f\u00f6rdern?<\/em><br \/>\nDie entscheidende Frage lautet eher: Wer sollte Datenjournalismus f\u00f6rdern? Die F\u00f6rderung liegt zum Beispiel in den H\u00e4nden der Redaktion. Sie sollte die Motivation unter den Journalisten f\u00f6rdern und Mittel zur Verf\u00fcgung stellen. Weiterbildungen sollten innerhalb der Arbeitszeit organisiert werden und nicht davor oder danach. Ich moderiere oft Workshops und nach acht anstrengenden Stunden m\u00fcssen manche Teilnehmer dann noch an ihren Storys weiterarbeiten.<\/p>\n<p><em>Wo sind die Grenzen des Datenjournalismus vor dem Hintergrund j\u00fcngster Datenschutzdebatten?<\/em><br \/>\nDie Grenzen des Datenjournalismus sind dort, wo sie f\u00fcr andere Formen der Berichterstattung liegen. Es ist immer eine Sache der Abw\u00e4gung mit der Privatsph\u00e4re. Verglichen mit Deutschland gibt es in den USA ganz andere Regeln. Die so genannten &#8220;Public Records&#8221; also Akten, die \u00f6ffentliche \u00c4mter erzeugen \u2013 werden auch genau so behandelt: \u00f6ffentlich, d.h. f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich. Zum Beispiel kann man Strafakten einsehen, und findet darin Namen des Straft\u00e4ters, Adresse, Strafbestand usw. Journalisten k\u00f6nnen diese Daten verantwortungsvoll oder verantwortungslos nutzen. In Deutschland gibt es diese Daten auch, aber nur, weil sie vor der \u00d6ffentlichkeit gesch\u00fctzt werden, hei\u00dft es nicht, dass niemand Zugriff auf diese Daten hat. Ein Beispiel sind etwa die Daten aus dem Melderegister, auf die, sofern man dem nicht explizit widerspricht, zum Beispiel auch Parteien \u2013 f\u00fcr Wahlwerbung \u2013 und \u00f6ffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften Zugriff haben. Und man muss kein Verschw\u00f6rungstheoretiker sein, um einzusehen, dass auch einige private Unternehmen Zugang zu Melderegister-\u00e4hnlichen Adressbest\u00e4nden haben. Es gibt ein Messen mit zweierlei Ma\u00df. In diesem Punkt bleibt Deutschland weniger fair als die Vereinigten Staaten; Daten, die Journalisten wegen der Datenschutzgesetze nicht erhalten k\u00f6nnen, werden von Firmen oder Beh\u00f6rden eingesetzt \u2013 und dies ohne R\u00fccksicht f\u00fcr den Schutz der Privatsph\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier Fragen an&#8230; Gregor Aisch Welche besonderen Herausforderungen stellen sich f\u00fcr Datenjournalisten in Deutschland? Zun\u00e4chst gibt es in Deutschland noch einen gro\u00dfen Erkl\u00e4rungsbedarf bei den Redaktionen. Es geht um die Bedeutung des Datenjournalismus und der Datenvisualisierung. In USA ist dies seit langem keine Frage mehr. Jede Zeitung hat eine \u201eData-Driven-Journalism\u201c-Abteilung. 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