{"id":21818,"date":"2014-07-25T20:32:43","date_gmt":"2014-07-25T18:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1077"},"modified":"2020-10-21T15:00:18","modified_gmt":"2020-10-21T13:00:18","slug":"ein-gefuehl-fuer-die-staerken-des-datenjournalismus-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/ein-gefuehl-fuer-die-staerken-des-datenjournalismus-entwickeln\/","title":{"rendered":"\u201eEin Gef\u00fchl f\u00fcr die St\u00e4rken des Datenjournalismus entwickeln\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vier Fragen an&#8230; Bj\u00f6rn Schwentker, freier Datenjournalist<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_949\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/freier_datenjournalismus_rh_s1_0900.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-949\" class=\"wp-image-949 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/freier_datenjournalismus_rh_s1_0900.jpg\" alt=\"Netzwerk Recherche e.V. Jahreskonferenz 2014\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-949\" class=\"wp-caption-text\">Bj\u00f6rn Schwentker (Foto: Raphael Hu\u0308nerfauth)<\/p><\/div>\n<p><em>1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich f\u00fcr Datenjournalisten in Deutschland?<\/em><br \/>\nDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr den Datenjournalismus ist, dass wir ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr entwickeln, was eigentlich guter Datenjournalismus ist und was wir damit wollen. Man kann das bei den Top-Leuten aus der Schweiz und aus den USA sehen, die schon ein weitergehendes Verst\u00e4ndnis davon haben, dass Datenjournalismus vor allem eine Recherchedisziplin ist. Es darf auch sein, dass richtig recherchiert wird und dann stirbt ein Thema, weil es nichts her gibt oder weil es die Daten nicht gibt. Wir m\u00fcssen ein Gef\u00fchl f\u00fcr die St\u00e4rken des Datenjournalismus entwickeln, aber auch seine Grenzen kennenlernen. Das ist die gro\u00dfe Herausforderung, die wir jetzt vor uns haben.<!--more--><\/p>\n<p><em>2. Wo k\u00f6nnten Datenjournalisten mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten?<\/em><br \/>\nDie Zusammenarbeit von Datenjournalisten und Wissenschaftlern ist ein sehr interessantes Feld, was leider noch nicht so richtig besetzt ist. Es k\u00f6nnte viel \u00f6fter gemacht werden, zum Beispiel wenn es um die Analyse von komplizierten Daten geht. Da h\u00f6rt es auch selbst bei guten Datenjournalisten irgendwann auf, weil sie einfach keine Statistiker sind. Da k\u00f6nnte man mit Statistikern kooperieren und sie einfach verschiedene Testverfahren vornehmen lassen, um dann zu sagen, ob man etwas gefunden hat. Oder man versucht es selbst und l\u00e4sst sich von ihnen beraten. Zudem sitzt die Wissenschaft selbst auf interessanten Daten, die so erst mal f\u00fcr Journalisten nicht zug\u00e4nglich sind. Die Wissenschaftler haben sie oft aber schon f\u00fcr ihre Zwecke erschlossen. Sie wissen, wo sie sind und haben sie als Grundlage f\u00fcr irgendein Paper. Da w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn man Standards erreichen k\u00f6nnte, dass Wissenschaftler auch die Daten ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen. Das w\u00e4re auch innerhalb der Wissenschaft eine Steigerung der Transparenz, also auch eine Nachvollziehbarkeit f\u00fcr konkurrierende Forschergruppen. Es w\u00fcrde also auch der Qualit\u00e4t der Wissenschaft durchaus nutzen.<\/p>\n<p><em>3. Wie sollte man den Datenjournalismus in Deutschland f\u00f6rdern?<\/em><br \/>\nSch\u00f6n w\u00e4ren Gesch\u00e4ftsmodelle, die daf\u00fcr sorgten, dass der Datenjournalismus als wichtiger Teil im Journalismus sich selber so tr\u00e4gt, wie sich fr\u00fcher in den alten Gesch\u00e4ftsmodellen eben Journalismus getragen hat. Solange das nicht geht, wird es alle m\u00f6glichen \u00dcbergangsformen geben. In Deutschland ist jetzt der stiftungsfinanzierte Journalismus im Kommen. Das k\u00f6nnte ich mir beim Datenjournalismus als Leuchtturmbereich des neuen Journalismus durchaus vorstellen. Was im gro\u00dfen Umfang auch noch gemacht wird, sind Schulungen, die von Stiftungen angeboten werden. Die Frage ist, ob es bei einem so komplizierten Gebiet, wie dem Datenjournalismus, eben ausreicht, die Leute mal eben zu schulen, oder ob man da viel komplexere Strukturen in den Redaktionen und auch in der Zusammenarbeit von Redaktionen, Agenturen und Freien etablieren muss.<\/p>\n<p><em>4. Wo sind die Grenzen des Datenjournalismus vor dem Hintergrund j\u00fcngster Datenschutz-Debatten?<\/em><br \/>\nDer Datenschutz begrenzt das, was Journalismus wissen darf &#8211; und zwar zum Teil gerechtfertigt: Es gibt halt eine Privatsph\u00e4re, die gesch\u00fctzt ist. Andererseits wird der Datenschutz auch als Deckmantel benutzt, zum Beispiel von der amtlichen Statistik, aber auch vom Gesundheitssektor, um Daten zur\u00fcckzuhalten und zu sagen: &#8220;Nein, es ist durch den Datenschutz nicht erlaubt, die Daten herauszugeben.&#8221; Das stimmt oft nicht. Die journalistische Handhabe dagegen ist sehr schwierig, weil man dann Informationsfreiheitsgesetze bem\u00fchen muss, die es nicht in jedem Land gibt und selbst da, wo es sie gibt, ist es unglaublich schwierig, diese Argumentation zu f\u00fchren und letztlich vor Gericht zu gewinnen. Das dauert lange, erfordert Expertise und kostet Geld. Und dadurch ist der Datenschutz, so wie er im Moment existiert und verstanden wird, ein Knockout-Kriterium f\u00fcr einige datenjournalistische Recherchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier Fragen an&#8230; Bj\u00f6rn Schwentker, freier Datenjournalist 1. 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