{"id":21819,"date":"2014-08-07T08:49:27","date_gmt":"2014-08-07T06:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1254"},"modified":"2014-08-07T08:49:27","modified_gmt":"2014-08-07T06:49:27","slug":"ein-langer-weg-datenjournalismus-im-lokalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/ein-langer-weg-datenjournalismus-im-lokalen\/","title":{"rendered":"Ein langer Weg &#8211; Datenjournalismus im Lokalen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tFeste Arbeitszeiten und ausreichend Budget \u2013 der Alltag von Lokalredakteuren sieht anders aus. Gearbeitet wird solange, bis die Seiten voll sind, schlie\u00dflich muss am n\u00e4chsten Morgen etwas im Blatt stehen. Geschrieben wird f\u00fcr die unmittelbare Ver\u00f6ffentlichung. Die Integration von datenjournalistischen Projekten auf lokaler Ebene scheint da hinsichtlich Zeit, Geld und Kompetenz schwer m\u00f6glich. Wie kann sie trotzdem gelingen?<!--more--><\/p>\n<p>Mit drei Kollegen sitzt Vanessa Wormer in der Online-Redaktion der Lokalzeitung Heilbronner Stimme. \u201eWir arbeiten in Schichten. Besonders wenn man Sp\u00e4tdienst bis 22 Uhr hat, bleibt wenig Zeit und Nerv f\u00fcr die Datenanalyse. Das Tagesgesch\u00e4ft geht vor\u201c, sagt die Redakteurin. Seit Ende 2013 versucht Wormer zusammen mit ihrem Team, Datenjournalismus bei der Heilbronner Stimme \u201enebenbei\u201c zu etablieren. Ein Projekt ist die interaktive Grafik <a href=\"http:\/\/www.stimme.de\/themen\/live\/Was-steckt-in-meinem-Leitungswasser;art131328,3047346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Was steckt in meinem Leitungswasser?<\/a>: Leser k\u00f6nnen ihren Wohnort eingeben und sehen, wie sich ihr Trinkwasser zusammensetzt. \u201eDas ist ein B\u00fcrgertool. Mit mehr Zeit k\u00f6nnte man die Daten im Hinblick auf die Qualit\u00e4t noch weiter analysieren\u201c, so Wormer. Datenjournalist Lorentz Matzat sieht hier noch ungenutzte M\u00f6glichkeiten. \u201eMit Datenjournalismus k\u00f6nnen wir etwas sichtbar machen, was nur sichtbar wird, wenn man Daten hat.\u201c <\/p>\n<p>Viele Lokalredaktionen kommen aber nur schwer an Datens\u00e4tze. Die Skepsis der \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden ist gro\u00df. Hinzu kommt, dass f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder noch kein eigenes Informationsfreiheitsgesetz haben. Das betrifft auch die Arbeit der Heilbronner Stimme. \u201eWir m\u00fcssen uns bei den Beh\u00f6rden pers\u00f6nlich vorstellen und zeigen, was wir mit den Daten machen wollen. Das ist ein langer Weg, aber es lohnt sich\u201c, sagt Wormer. Hat die Redaktion einmal die Rohdaten, wird oft abgewogen. \u201eDie meisten Geschichten sind es wert, Geld in die Hand zu nehmen. Das bei lokalen Zeitung durchzusetzen, ist schwierig. Die finanziellen Grenzen sind auf jeden Fall da\u201c, sagt Wormer. Ihre Redaktion arbeitet mit einem externen Programmierer zusammen, um datenjournalistische Projekte zu realisieren. Ein Kostenpunkt, der immer wieder mit dem Verlag verhandelt wird. <\/p>\n<p>Dabei wird vor allem in Zukunft spezialisiertes Personal entscheidend sein, um die Lokalzeitungen gut zu positionieren. \u201e\u00d6konomisch w\u00fcrde ich jeder Redaktion raten, einen Programmierer und einen Grafiker zu besch\u00e4ftigen. Der Journalist \u00fcbernimmt eine Schnittstellenfunktion. Er ist ein Produzent, der wei\u00df, wie Webtechnologie funktioniert und was im Datenjournalismus m\u00f6glich ist\u201c, sagt Matzat. In der Online-Redaktion der Dortmunder Ruhr Nachrichten ist man \u00e4hnlicher Ansicht. Bislang arbeitet die Zeitung ohne Programmierer. \u201eWir experimentieren viel mit Daten, aber sind auch an unseren Grenzen. Es ist nur logisch, dass irgendwann Programmierer kommen werden. Das kostet aber Geld und Zeit\u201c, sagt Redakteur Thomas Thiel. Auch das Projekt \u201eDatenspezial-Schule\u201c war f\u00fcr die Ruhr Nachrichten arbeits- und kostenintensiv. \u00dcber zwei Wochen wurden Daten \u00fcber das Dortmunder Schulsystem analysiert, die im Anschluss aber mehrfach verwertet werden konnten. \u201eWir haben eine Sonderseite zum Thema Schule gedruckt. Datenjournalismus online macht auch Print besser\u201c, sagt der Dortmunder Redaktionsleiter Philipp Ostrop in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=noRxXLVrBl8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview<\/a>.<\/p>\n<p>Datenjournalismus im Lokalen, wie wir ihn bis jetzt erleben, ist noch ausbauf\u00e4hig. Dennoch l\u00e4sst sich die Arbeit von Lokalredakteuren mit datenjournalistischen Ans\u00e4tzen vereinen. \u201eMan kann auch aus kleineren Projekten und mit kleineren Mitteln interessante Geschichte machen. Wenn man sich mit den Programmen auskennt, schafft man viele Visualisierungen oft in einer Stunde\u201c, so Wormer von der Heilbronner Stimme. Eine \u201eDialekt-Map\u201c hat ihr Team zum Beispiel erstellt: Auf der Karte kann man Tonaufnahmen von Lesern aus verschiedenen Regionen anklicken, die alle das Wort Eimer in ihrem Dialekt aussprechen. Eine innovative Idee, die die Leser miteinbezieht. \u201eSo etwas wird gut angenommen und viel geklickt\u201c, sagt Wormer. Im Datenjournalismus sieht sie eine M\u00f6glichkeit, den Bedeutungsverlust der Lokalmedien abzuwenden. \u201eMit der Offenlegung valider Daten k\u00f6nnen wir wieder Vertrauen aufbauen und Transparenz signalisieren.\u201c Davon ist auch Matzat \u00fcberzeugt. \u201eDie Lokalzeitungen k\u00f6nnen mit Datenjournalismus punkten. Auf lokaler Ebene gibt es so viele Daten, die man so vielf\u00e4ltig und gewinnbringend umsetzten kann. Das Potenzial ist riesig.\u201c <\/p>\n<p>Wer sich traut, den Datenjournalismus aufzubauen, hat gute Chancen auf ein Alleinstellungsmerkmal. Denn Geschichten dieser Art kann die Konkurrenz nicht so leicht kopieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feste Arbeitszeiten und ausreichend Budget \u2013 der Alltag von Lokalredakteuren sieht anders aus. Gearbeitet wird solange, bis die Seiten voll sind, schlie\u00dflich muss am n\u00e4chsten Morgen etwas im Blatt stehen. Geschrieben wird f\u00fcr die unmittelbare Ver\u00f6ffentlichung. Die Integration von datenjournalistischen Projekten auf lokaler Ebene scheint da hinsichtlich Zeit, Geld und Kompetenz schwer m\u00f6glich. 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