{"id":21826,"date":"2014-08-29T08:59:44","date_gmt":"2014-08-29T06:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1299"},"modified":"2014-08-29T08:59:44","modified_gmt":"2014-08-29T06:59:44","slug":"der-architekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-architekt\/","title":{"rendered":"Der Vermittler"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tMillionen von Datenpunkten mit tausenden Variablen, das ist die Welt von Claus Weihs. Er erforscht Methoden zur Analyse gewaltiger Datenmengen, eben jener, die Suchmaschinen, Beh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen sammeln und speichern \u2013 von uns allen. <\/p>\n<p>Auf dem Campus der TU Dortmund ragt ein architektonisch nicht gerade anziehender Turm aus Beton und Glas in den Himmel. Claus Weihs\u2018 B\u00fcro in der Fakult\u00e4t Statistik liegt im 7. Stock. Sein blasses, etwas aus der Mode gekommenes Sakko ist stimmig: So stellt man sich einen Statistikprofessor vor. Doch Weihs ist alles andere als der blutleere Hochschullehrer, den man dem Klischee nach vielleicht erwarten w\u00fcrde. Seine Studenten kennen ihn als immer lustigen Professor, der gerne Geschichten erz\u00e4hlt. Zum Beispiel von seiner Arbeit in der Industrie, vor seiner wissenschaftlichen Karriere. Denn als Professor f\u00fcr Statistik ist er Quereinsteiger.<\/p>\n<p>Auch seine vorherige Arbeitsumgebung war weniger grau als der Turm auf dem Campus. Frisch in Mathematik promoviert, entschied sich Claus Weihs zun\u00e4chst gegen eine Karriere in der Wissenschaft und nahm eine Stelle in der Schweizer Vorzeigestadt Basel an, beim Chemie- und Pharma-Konzern Ciba. Von  1985 an arbeitete er dort als Statistikberater mit Naturwissenschaftlern, Medizinern und Ingenieuren zusammen. Nat\u00fcrlich spielten Datenbanken schon damals eine wichtige Rolle, gerade bei einem Wirtschaftsunternehmen. Von Big Data redete aber noch niemand. \u201eFr\u00fcher hatte man Papierordner \u2013 die standen alle in einer Reihe. Die Daten waren da, aber man konnte nicht so leicht damit arbeiten\u201c, erinnert sich Weihs. Hinreichend leistungsf\u00e4hige Rechner, um aus gro\u00dfen Datenmengen sinnvolle Informationen ziehen zu k\u00f6nnen, standen noch nicht zur Verf\u00fcgung. <\/p>\n<p>Bei Ciba faszinierte ihn die interdisziplin\u00e4re Arbeit an praxisrelevanten Problemen. Dass er seinen Posten im idyllischen Basel neun Jahre sp\u00e4ter dennoch gegen ein B\u00fcro im 7. Stock auf dem Dortmunder Universit\u00e4tscampus tauschte, ist seiner Neugier geschuldet \u2013 und seiner Lust, noch einmal etwas ganz Neues zu machen. Schweren Herzens verlie\u00df er seine Wirkungsst\u00e4tte.  Als die TU einen Professor f\u00fcr Computergest\u00fctzte Statistik suchte, lockte ihn die M\u00f6glichkeit, sich noch grundlegender mit statistischen Problemen besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen, als es bei Ciba m\u00f6glich war. <\/p>\n<p>Aktuell forscht Claus Weihs an L\u00f6sungen zur Analyse komplexer Datenstrukturen. Diese Gebilde entstehen, wenn man unterschiedliche Datenbanken miteinander verkn\u00fcpft. Dann werden die Daten zu inhomogen und meist zu sperrig f\u00fcr die statistischen Standardmethoden. Weihs treibt nun die Frage um, wie man die klassischen Methoden \u00e4ndern kann, damit sie sich auf solche komplexen Datenbanken anwenden lassen. Ihm geht es, wie er es nennt, um die Anpassung der Methoden der Mathematik an die Wirklichkeit. <\/p>\n<p>Derlei mathematische Probleme \u00fcberdehnen allerdings leicht die Wirklichkeit und Vorstellungskraft von Laien. Aber Claus Weihs ermutigt, gedanklich dran zu bleiben, am Thema Statistik und Big Data: \u201eAlles was sich an Computersystemen und Software auf diesem Gebiet durchsetzt, ist nicht kompliziert \u2013 sonst werden die Leute ungeduldig und wollen etwas anderes\u201c, beruhigt er. <\/p>\n<p>Zwar ist Big Data derzeit vor allem noch ein schillernder Begriff, die Auswertung gro\u00dfer Datenmengen wird jedoch an Bedeutung gewinnen \u2013 nicht zuletzt im Datenjournalismus. Dort fehle es aber h\u00e4ufig an Sachkenntnis; Weihs bem\u00e4ngelt, dass bei der Jagd nach Storys die fundierte Datenanalyse allzu oft auf der Strecke bleibe. Dem Datenjournalismus fehle in vielen F\u00e4llen die statistisch-methodische Seite, sagt er, weil sie bei Journalisten im Normalfall nicht auf dem Lehrplan stehe.<\/p>\n<p>Claus Weihs ist dabei, das zu \u00e4ndern. Seit Jahren arbeitet er eng mit dem Institut f\u00fcr Journalistik in Dortmund zusammen. Er vermittelt dem journalistischen Nachwuchs die F\u00e4higkeit, Qualit\u00e4t und Aussagekraft von Datenbanken und statistischen Kennzahlen richtig einzusch\u00e4tzen. Vom Wintersemester 2014 an wird es an der TU Dortmund im Studiengang Wissenschaftsjournalismus zudem einen Schwerpunkt Datenjournalismus geben. Weihs ist einer der Architekten davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Millionen von Datenpunkten mit tausenden Variablen, das ist die Welt von Claus Weihs. Er erforscht Methoden zur Analyse gewaltiger Datenmengen, eben jener, die Suchmaschinen, Beh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen sammeln und speichern \u2013 von uns allen. Auf dem Campus der TU Dortmund ragt ein architektonisch nicht gerade anziehender Turm aus Beton und Glas in den Himmel. 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