{"id":21829,"date":"2014-09-03T08:46:20","date_gmt":"2014-09-03T06:46:20","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1308"},"modified":"2014-09-03T08:46:20","modified_gmt":"2014-09-03T06:46:20","slug":"der-programmierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-programmierer\/","title":{"rendered":"Der Interdisziplin\u00e4re"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\u201eIch bin Informatiker geworden, weil ich einfach faul bin\u201c, erz\u00e4hlt Kristian Kersting. Schon als Kind hat er sich gerne davor gedr\u00fcckt, sein Zimmer aufzur\u00e4umen. Und fand die Vorstellung toll, irgendjemandem oder irgendetwas beizubringen, die Arbeit f\u00fcr ihn zu erledigen. <\/p>\n<p>Was wie ein lustiger Kindheitstraum klingt, tut Kersting heute tats\u00e4chlich in gewisser Weise: Das Forschungsgebiet des Informatik-Professors ist das Data Mining, die Extraktion von Wissen aus gro\u00dfen und komplexen Datenmengen. 2006 hat Kersting auf diesem Gebiet in Freiburg promoviert, es folgte ein Aufenthalt am Massachusetts Institute of Technology (MIT), am Fraunhofer-Institut  in Sankt Augustin und an der Universit\u00e4t Bonn, bis er eine Professur an der Technischen Universit\u00e4t in Dortmund annahm. <\/p>\n<p>Dort kam er zum ersten Mal in direkten Kontakt mit dem Journalismus. Beim Antrittsbesuch im Rektorat lernte er Henrik M\u00fcller kennen, damals ebenfalls neu ernannter Professor am Lehrstuhl f\u00fcr wirtschaftspolitischen Journalismus. Man kam ins Gespr\u00e4ch und so wurde ein neues Projekt erdacht: Unter dem Namen \u201eECONIM\u201c (Economic Narratives in the Media) soll die internationale Berichterstattung um die Finanzkrise betrachtet werden. Dabei werden aus dem Repertoire von Online-Datenbanken mehrere Tausend Artikel unter die Lupe genommen, f\u00fcr einen Menschen ohne maschinelle Hilfe w\u00e4re in diesen Mengen ein \u201eAufr\u00e4umen\u201c unm\u00f6glich. Welche Themen dabei dominant sind und welche W\u00f6rter in Verbindung miteinander auftreten, l\u00e4sst sich mit Methoden aus dem Data Mining feststellen \u2013 und l\u00e4sst m\u00f6glicherweise R\u00fcckschl\u00fcsse auf Sichtweisen in den jeweiligen L\u00e4ndern zu. Aus der Entwicklung k\u00f6nnen auch Prognosen f\u00fcr den weiteren Verlauf der Kriseabgeleitet und m\u00f6gliche Ersch\u00fctterungen im Voraus erkannt werden, sagt Kersting. <\/p>\n<p>Aber egal wie viele Daten man aufr\u00e4umt und sortiert, l\u00e4sst sich die Zukunft \u00fcberhaupt sicher vorhersagen?\u201eKlar gibt es keine Sicherheiten, nur Wahrscheinlichkeiten. Irgendwann treffen Mensch und Maschine aber gemeinsam informierte Entscheidungen\u201c, sagt der 40-J\u00e4hrige. F\u00fcr Kersting erg\u00e4nzen sich die beiden kooperierenden Disziplinen aus Wissenschaft und Medien jedenfalls hervorragend: \u201eEs gibt eine ganz nat\u00fcrliche Beziehung zwischen Informatikern und Journalisten\u201c  \u2013 was die einen technisch besser finden k\u00f6nnten, verpackten die anderen in Worte. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnscht sich Kersting jedenfalls eine bessere Aufkl\u00e4rung zum Umgang mit Daten schon in der Schule \u2013 und das auch au\u00dferhalb des Informatikunterrichts. Jeder solle wissen, dass er digital Daten hinterl\u00e4sst. Aus den Vorteilen neuer Technologien kann n\u00e4mlich nur der sch\u00f6pfen, der auch mit den Risiken vertraut ist und diese umfassend im Blick beh\u00e4lt. Das muss auch ein Informatiker wie Kersting \u2013 bei aller sympathischen Faulheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin Informatiker geworden, weil ich einfach faul bin\u201c, erz\u00e4hlt Kristian Kersting. 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