{"id":21831,"date":"2014-09-03T00:08:53","date_gmt":"2014-09-02T22:08:53","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1316"},"modified":"2014-09-03T00:08:53","modified_gmt":"2014-09-02T22:08:53","slug":"der-journalist-als-programmierer-von-zaubertoepfen-und-netzverstehern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-journalist-als-programmierer-von-zaubertoepfen-und-netzverstehern\/","title":{"rendered":"Der Journalist als Programmierer? \u2013 Von Zaubert\u00f6pfen und Netzverstehern"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tAls Sebastian Vollnhals auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche von \u201eKlicki-Bunti-Seiten\u201cspricht, deren maschinenlesbare Informationen sich mit eigens programmierter Software aus dem Internet fischen l\u00e4sst, blickt er in die ratlosen Gesichter vieler Journalisten. Denn wenn Vollnhals von diesen Scraping-Programmen  redet, dann redet er auch viel von Quellcodes und von Formaten wie html, csv, xml, json, rss und atom. Als Journalist komme man darum aber eben nicht herum \u2013 zumindest nicht, wenn man Daten f\u00fcr Geschichten sucht, die sonst keiner hat.<\/p>\n<p>Ein bisschen \u201ewonky\u201c sei es ja schon, so viel gesteht Sebastian Vollnhals den Journalisten noch zu. Trotzdem ist Programmieren f\u00fcr ihn etwas, das jeder einfach lernen kann \u2013  jeder, der es wirklich versucht. \u201eDas ist alles eine Frage des Selbstbewusstseins\u201c, sagt Vollnhals. Er habe sich alles, was er \u00fcber Programmierung wei\u00df, selbst beigebracht, mithilfe von B\u00fcchern. Kein Studium \u2013 nur eine abgebrochene Ausbildung zum Fachinformatiker.<\/p>\n<p>Sebastian Vollnhals ist der Typ Mensch, den man anhand von Klischees schnell in die Kategorie Nerd oder Geek steckt. Das scheint er zu wissen und irgendwie scheint es ihm sogar zu gefallen. \u201eIch bin wohl in den Zaubertopf gefallen\u201c, erkl\u00e4rt er sein schnelles Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Daten und Programmiertechniken. Doch was tun, wenn besagter Zaubertopf nicht auffindbar ist? Muss der normale Journalist dann tats\u00e4chlich m\u00fchsam programmieren lernen, um mit Daten zu arbeiten? <\/p>\n<p>Marco Maas glaubt das nicht: \u201eJournalisten sind Storyteller\u201c, erkl\u00e4rt der Datenjournalist. Dinge wie das Scrapen l\u00e4gen nicht in ihrem Aufgabenbereich. Nicht umsonst m\u00fcssten Programmierer ihren Job in der Regel f\u00fcnf bis sechs Jahre lernen, bevor sie wirklich gut seien\u2013 ebenso wie Journalisten. \u201eDas zu vermengen ist gar nicht unbedingt sinnvoll oder gewinnbringend\u201c, sagt Maas. Vollnhals ist da anderer Meinung: \u201eEs sollte mittlerweile zum Handwerkszeug eines Journalisten geh\u00f6ren, zumindest ansatzweise programmieren zu lernen.\u201c Informationen k\u00f6nne man heutzutage nicht mehr in einem Aktenschrank finden, auch reiche es nicht mehr aus, irgendwelche Leute zu interviewen. \u201eEs kommen immer mehr Informationen aus dem Netz\u201c, sagt er. <\/p>\n<p>Auf den ersten Blick sind die beiden Datenjournalisten ein ungleiches Paar: Vollnhals ist der Exzentriker mit blau lackierten Fingern\u00e4geln und pinken Haaren, Maas eher der etwas ruhigere Anzugtr\u00e4ger. Trotzdem geh\u00f6ren die beiden zum Kernteam von Open Data City, einer Datenjournalismus-Agentur. Zwar kennt sich auch Marco Maas mit Daten aus und wei\u00df, wie man sie beschafft und visualisiert. F\u00fcr ihn gibt es aber eine Grenze von dem, was ein Journalist wirklich lernen muss. Er selbst w\u00fcrde sich Hilfe holen, wenn er nicht mehr weiter wei\u00df \u2013 zum Beispiel bei Vollnhals. \u201eEs gibt Experten auf jedem Gebiet, die dann zusammenkommen, um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten\u201c, sagt Maas. \u201eDatenjournalismus wird immer mehr zur Teamarbeit.\u201c<\/p>\n<p>So oder so: Der Journalismus wird technischer, da sind sich die beiden einig. Vollnhals geht sogar noch einen Schritt weiter: \u201eEs wird bald keinen Datenjournalismus mehr geben, weil es keinen Journalismus ohne Daten mehr geben wird\u201c, sagt er. \u201eUnd wenn du selbst kein Nerd bist, such dir einen\u201c, r\u00e4t er denen, die sich so gar nicht damit anfreunden k\u00f6nnen. Finden kann man einen Nerd \u2013 das sollte ausreichend deutlich geworden sein\u2013 eben zum  Beispiel bei Open Data City. Die Agentur hilft dabei, Technik-Freaks und Journalisten an einen Tisch zu bringen und so ganz neue Ideen umzusetzen.<\/p>\n<p>Trotzdem sei es nicht verkehrt, sich mit manchen Dingen selbst auszukennen, findet auch Marco Maas: \u201eJe mehr man selbst machen kann, desto besser kann man auch Geschichten umsetzen\u201c, erkl\u00e4rt er. Dabei muss jeder selbst entscheiden, wie weit diese Eigenst\u00e4ndigkeit gehen soll. \u201eIch glaube, es wird immer eine Teilung zwischen Hardcore-Codern und Journalisten geben, die ein bisschen verstehen, wie diese Leute ticken und vielleicht Einstiegssachen selbst machen k\u00f6nnen\u201c, sagt Maas.Und dabei denkt er wohl auch an seinen Kollegen Vollnhals und sich selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Sebastian Vollnhals auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche von \u201eKlicki-Bunti-Seiten\u201cspricht, deren maschinenlesbare Informationen sich mit eigens programmierter Software aus dem Internet fischen l\u00e4sst, blickt er in die ratlosen Gesichter vieler Journalisten. 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