{"id":21832,"date":"2014-09-03T22:49:38","date_gmt":"2014-09-03T20:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1327"},"modified":"2014-09-03T22:49:38","modified_gmt":"2014-09-03T20:49:38","slug":"krankenhausstatistik-unter-der-lupe-der-operationsexplorer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/krankenhausstatistik-unter-der-lupe-der-operationsexplorer\/","title":{"rendered":"Krankenhausstatistik unter der Lupe: der Operationsexplorer"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tHerzinfarkte, H\u00fcftgelenke, HIV: Jede Woche werden neue medizinische Studien \u00fcber die Deutschen und ihre Krankheiten vorgestellt. Wer deren Aussagen unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen will, st\u00f6\u00dft h\u00e4ufig auf Hindernisse: Zwar sind viele Daten beispielsweise beim Statistischen Bundesamt gegen Geb\u00fchr erh\u00e4ltlich, aber ohne gute Statistikkenntnisse und Spezialsoftware kommt man in den ewig langen Tabellen nicht sehr weit.<\/p>\n<p>Vor \u00e4hnlichen Problemen stand auch Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz.<\/p>\n<p>\u201eWir bekamen einen regelrechten \u201eExcel-Krampf\u201c bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Datens\u00e4tzen \u00fcber Hysterektomien\u201c, berichtet er \u00fcber ein Rechercheprojekt zu der Frage, wie h\u00e4ufig und warum Frauen die Geb\u00e4rmutter entfernt wird. Das Projekt aus dem Jahr 2011 wurde im Rahmen der an der TU Dortmund angesiedelten Initiative Wissenschaftsjournalismus gef\u00f6rdert. Schon damals hatte er das Gef\u00fchl, so etwas m\u00fcsse einfacher werden, um an der Geschichte zu arbeiten. Sein Gl\u00fcck: Als \u201eJournalist in Residence\u201c beim Heidelberger Institut f\u00fcr theoretische Studien (HITS) und mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Robert Bosch Stiftung entwickelte Journalist Stollorz gemeinsam mit dem Programmierer Meik Bittkowski den <a href=\"http:\/\/www.wissenswerte-bremen.de\/userfiles\/file\/BITTKOSWSKI_opsexpl-wissenswerte-nov2013.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OperationsExplorer<\/a>. Der OperationsExplorer ist ein medizin-journalistisches Analysetool. Er soll einen vereinfachten \u00dcberblick \u00fcber 18 Millionen Datens\u00e4tze zu Diagnosen und Behandlungen in deutschen Krankenh\u00e4usern bieten und noch im Jahr 2014 starten.<\/p>\n<p>Hinter den Datens\u00e4tzen verbergen sich die Diagnosen, Operationen und Prozeduren nahezu aller Klinikpatienten in Deutschland, klassifiziert nach ICD-10- (International Classification of Diseases) und OPS-Codes (Operationen- und Prozedurenschl\u00fcssel). Au\u00dferdem lassen sich die vorhandenen Datens\u00e4tze aus knapp 2000 deutschen Krankenh\u00e4usern nach Wohnort des Patienten, Geschlecht und 18 Altersgruppen aufgeschl\u00fcsselt betrachten. Damit die Daten trotz unterschiedlicher Altersstrukturen in unterschiedlichen Regionen  vergleichbar werden, normiert der OperationsExplorer die Fallzahlen auf F\u00e4lle pro 100.000 Einwohner und <a href=\"http:\/\/www.gbe-bund.de\/gbe10\/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gasts&amp;p_aid=&amp;p_knoten=FID&amp;p_sprache=D&amp;p_suchstring=10215::altersstandardisierung].\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sorgt auf Knopfdruck f\u00fcr eine Altersstandardisierung<\/a>.<\/p>\n<p>Gut f\u00fcr den Nicht-Statistiker, der zum Beispiel nach Daten \u00fcber eine bestimmte Krankheit in verschiedenen Regionen sucht: Man spart viel Zeit und zus\u00e4tzlich werden Fehler durch das Nicht-Beherrschen eines statistischen Handwerks vermieden.<\/p>\n<p>Nutzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Explorer sind zum Beispiel Analysen \u00fcber medizinische Trends und Entwicklungen. Egal, ob es um die Verbreitung von Masern-Epidemien oder die nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfe Nutzung von \u00fcberholten Behandlungen geht \u2013 mit dem passenden Code lassen sich die Daten schnell ausw\u00e4hlen und auf einer Deutschlandkarte darstellen.<\/p>\n<p>Volker Stollorz weist allerdings darauf hin, dass diese Analysen nur so gut sein k\u00f6nnen \u201ewie die Daten halt sind\u201c. Denn diese werden von den Kodierern der Kliniken ins Abrechnungssystem der Krankenkassen eingetragen.  Und es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass dieser Vorgang fehlerhaft ist oder sogar manipuliert wird \u2013 etwa um den Ertrag einer Klinik zu erh\u00f6hen. Das gefl\u00fcgelte Wort \u201eTraue keiner Statistik, die du nicht selbst gef\u00e4lscht hast\u201c hat also auch hier eine gewisse Berechtigung. Andererseits gilt: Es gibt eben keine besseren Daten. Auch die Krankenkassen mit ihren Studien nehmen die Abrechnungsstatistik als Grundlage f\u00fcr ihre Darstellungen, wie gut die Krankenversorgungslage in verschiedenen Regionen Deutschlands ist.<\/p>\n<p>Und manche Daten k\u00f6nnen oder d\u00fcrfen auch gar nicht genauer erfasst werden. So wird immer nur die einzelne Behandlung und nicht der Patient als solcher kodiert. Dadurch steigt die Gesamtzahl der Datens\u00e4tze. Erreicht jemand mit einer Grippe das Krankenhaus und verl\u00e4sst es zus\u00e4tzlich nach einer Lungenentz\u00fcndung, taucht er somit zweimal in der Statistik auf.<\/p>\n<p>Das aber hat bereits mit dem Datenschutz f\u00fcr den einzelnen Patienten zu tun. Wenn man \u00fcber das Zusammenlegen verschiedener Informationen einen bestimmten Patienten de-anonymisieren k\u00f6nnte, w\u00e4re f\u00fcr Volker Stollorz eine ethische Grenze erreicht. Aus diesem Grund sind die Daten im OperationsExplorer auch nur dann angegeben, wenn Diagnosen oder Operationen in mindestens drei F\u00e4llen vorhanden sind. So soll der direkte Bezug auf einen Patienten erschwert werden. Um zus\u00e4tzlich den verantwortungsvollen Umgang mit den Daten zu st\u00e4rken, ist das Projekt nicht als OpenData-Projekt gedacht. Stattdessen muss man sich innerhalb eines Clubmodells registrieren und die Nutzungsbedingungen akzeptieren.<\/p>\n<p>\u201eZiel meiner Berichterstattung ist die Qualit\u00e4t der Behandlung und der generellen medizinischen Qualit\u00e4t in Deutschland transparent zu machen und zu verbessern.\u201c, sagt Volker Stollorz. Zun\u00e4chst aber befindet sich der Explorer in einer Test-Phase, um den Umgang damit zu \u00fcben, sp\u00e4ter soll er dann \u00fcber das  Registrierungsmodell mehr Leuten zug\u00e4nglich gemacht werden. Bisher sind im auch nur die Daten von station\u00e4ren Behandlungen aufgef\u00fchrt, eine Erweiterung um Daten aus dem ambulanten Versorgungsbereich ist noch Zukunftsmusik. Und es gibt weitere Pl\u00e4ne: Die Datenbank soll um ein weiteres Thema, eine regional aufgeschl\u00fcsselte Todesursachenstatistik, erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>Ebenso hoffen die Entwickler auf eine zuk\u00fcnftig schnellere Einspeisung der Daten. Da bisher nur die Daten bis 2012 eingepflegt sind, entsteht eine Zeitdifferenz, in der manche Trends l\u00e4ngst nicht mehr aktuell sind. Aber trotzdem gibt Volker Stollorz sich zuversichtlich, mit dem neuen Tool so manchen k\u00fcnftigen Excel-Krampf l\u00f6sen zu k\u00f6nnen: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, dass da recht coole Geschichten zu finden sind.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzinfarkte, H\u00fcftgelenke, HIV: Jede Woche werden neue medizinische Studien \u00fcber die Deutschen und ihre Krankheiten vorgestellt. 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