{"id":21833,"date":"2014-09-08T19:02:42","date_gmt":"2014-09-08T17:02:42","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=1332"},"modified":"2021-02-02T13:13:13","modified_gmt":"2021-02-02T12:13:13","slug":"der-daten-ueberflieger-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-daten-ueberflieger-2\/","title":{"rendered":"Der Daten-\u00dcberflieger"},"content":{"rendered":"<p>Skepsis im Blick und immer auf der Hut, seine Augen sehen m\u00fcde aus: Lorenz Matzat hat an diesem Tag schon einen Vortrag und einige Fachgespr\u00e4che hinter sich Nur noch einige Minuten, dann hat er schon den n\u00e4chsten Termin. Und doch redet er ruhig und mit Bedacht. Und w\u00e4hrend seine Zuh\u00f6rer noch vor einigen Jahren eher ungl\u00e4ubig \u00fcber seine Ideen staunten, kommt heute eher die Frage nach der Vorgehensweise. 2012 wurde Lorentz Matzat vom medium magazin als einer der journalistischen Newcomer des Jahres ausgezeichnet. Doch wie wird man eigentlich zu einem Vorreiter des Datenjournalismus?<\/p>\n<p>Am Anfang stand f\u00fcr Lorentz Matzat zun\u00e4chst ein Studium zum Diplom-Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt der Drogenpolitik. Daneben esch\u00e4ftigte er sich mit Computerlernen \u2013 also damit, wie Computerprogramme dem Menschen beim lernen helfen k\u00f6nnen. Erstmals mit solcher Technik in Ber\u00fchrung gekommen, war Matzat begeistert von dem Potential und den M\u00f6glichkeiten der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.<\/p>\n<p>Als Matzat, immer noch begeistert von den M\u00f6glichkeiten moderner Technik, aufmerksam die Datenjournalismus-Szene in Amerika studierte, musste er erstaunt feststellen, dass in Deutschland noch kaum Datenjournalismus betrieben wird. Stattdessen herrschte in den Redaktionen eine Angst vor dem Unbekannten, den Kosten, der eigenen Unf\u00e4higkeit mit solch neuen Methoden umzugehen.<\/p>\n<p>Nach einem Volontariat begann Matzat zun\u00e4chst als freier Journalist und Medienp\u00e4dagoge t\u00e4tig zu werden. Wie aber wird ein Geisteswissenschaftler zum Experten in einer journalistischen Disziplin, die auf technischem Fachwissen basiert? Entsprechende Kurse gab es in Deutschland noch nicht. . Die einzige Chance: Der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten. Zusammen mit Marco Maas gr\u00fcndet Matzat die Datenjournalismus-Agentur \u201eOpenDataCity\u201c. Als Plattform f\u00fcr Fachkollegen und als Beratungsstelle f\u00fcr Redaktionen in Sachen Datenjournalismus gestartet, ist die Agentur zu einer echten Gr\u00f6\u00dfe in der Szene geworden. Ihr erster gro\u00dfer Coup: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/datenschutz\/malte-spitz-vorratsdaten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Geschichte Verr\u00e4terisches Handy f\u00fcr Zeit Online zur Vorratsdatenspeicherung<\/a>. Durch die, von dem Gr\u00fcnenpolitiker Malte Spitz eingeklagten Verbindungsdaten der Telekom lie\u00df sich ein ziemlich genaues Bewegungsprofil samt ein- und ausgehender SMS und Telefonate erstellen \u2013 und das abstrakte Problem der Vorratsdatenspeicherung wurde f\u00fcr jedermann im Netz anschaulich begreifbar.<\/p>\n<p>Doch das Projekt warf auch neue Fragen auf: Wie darf und soll Datenjournalismus mit privaten und gesch\u00fctzten Daten umgehen? F\u00fcr Matzat ist dies eine Abw\u00e4gungsfrage. Dient es dem gesellschaftlichen Wohl, Erkenntnisse zu erlangen, die anders nicht einsehbar sind, sei es im Einzelfall legitim, Missst\u00e4nde aufzudecken, indem man formale und juristische Grauzonen nutzt \u2013 \u00e4hnlich wie es schon bisher im investigativen Journalismus \u00fcblich ist. Dennoch gelte der Grundsatz: \u201ePrivate Daten sch\u00fctzen, \u00f6ffentliche Daten nutzen.\u201c<\/p>\n<p>Die Entwicklungen im Journalismus schreiten dank Leuten wir Matzat voran, doch noch schneller ist die Entwicklung in der Technik. Gesellschaft, Gesetzgebung oder Journalismus k\u00f6nnen nicht so schnell verarbeiten, was an Technik regelm\u00e4\u00dfig erscheint. Dazu passt es, dass Pionier Matzat sich zus\u00e4tzlich auch mit dem Einsatz von Drohnen im Journalismus besch\u00e4ftigt. Bekanntlich haben Drohnen keinen guten Ruf. Doch Daten-\u00dcberflieger Matzat sieht darin mehr als unbemannte Flugobjekte, die in die Privatsph\u00e4re eindringen k\u00f6nnen und zum Werkzeug skrupelloser Morde werden. Mit sensiblen Sensoren ausgestattet, w\u00e4re es etwa m\u00f6glich, damit Umweltdaten zu sammeln und so Missst\u00e4nde aufzudecken. So k\u00f6nnte eine U-Boot \u00e4hnliche Drohne genutzt werden, um die Wasserqualit\u00e4t an Abflussrohren zu messen.<\/p>\n<p>Die Technikaffinit\u00e4t im Journalismus erscheint aber vielerorts noch unterentwickelt. Lorenz Matzat hingegen sieht die Zukunft in der Nutzung von Hightech im Journalismus. OpenDataCity hat er inzwischen verlassen, um sein eigenes <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20141221121209\/https:\/\/www.lokaler.de\/\">Projekt lokaler.de<\/a> zu starten \u2013 ein Service, der Datens\u00e4tze in Relation zu Geokarten setzten kann.<\/p>\n<p>Doch noch ist sein Ziel, den Datenjournalismus im deutschsprachigen Raum fest zu verankern, nicht erreicht. Also wird er weiter regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Datenjournalismus referieren, Medienh\u00e4user beraten und von einem Termin zum n\u00e4chsten eilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skepsis im Blick und immer auf der Hut, seine Augen sehen m\u00fcde aus: Lorenz Matzat hat an diesem Tag schon einen Vortrag und einige Fachgespr\u00e4che hinter sich Nur noch einige Minuten, dann hat er schon den n\u00e4chsten Termin. Und doch redet er ruhig und mit Bedacht. 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