{"id":241,"date":"2014-07-05T10:35:29","date_gmt":"2014-07-05T08:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=241"},"modified":"2020-10-14T14:40:56","modified_gmt":"2020-10-14T12:40:56","slug":"syrien-reporter-an-der-grenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/syrien-reporter-an-der-grenze\/","title":{"rendered":"Syrien: Reporter an der Grenze"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_23123\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23123\" class=\"wp-image-23123\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/Syrienberichten_WR_K1_B_164.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-23123\" class=\"wp-caption-text\">Panel \u201eSyrien: Berichten unter Lebensgefahr \u2013 Die Lage der Journalisten in Syrien\u201d mit Antonia Rados, Houssam Aldeen, Moderatorin Astrid Frohloff, Majid al-Bunni und Christoph Reuter (v.l.n.r., Foto: Wulf Rohwedder)<\/p><\/div>\n<p><strong>Kriegsberichterstattung im 21. Jahrhundert ist ebenso wichtig wie fordernd. Im Gespr\u00e4ch berichteten erfahrene Reporter von Problemen und Chancen der Berichterstattung aus Syrien und dem Irak.<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Wir sind gereist wie im 17. Jahrhundert, zu Zeiten des 30-j\u00e4hrigen Krieges. F\u00fcr die 300 Kilometer nach Hula haben wir 10 Tage gebraucht, es war ein kurviger Weg.&#8221; Ein Weg auf dem R\u00fccken von Eseln, vermummt, auf verschlungenen Pfaden, von Checkpoint zu Checkpoint \u2013 Spiegel-Korrespondent Christoph Reuter schildert seinen Weg nach Hula. Hier richtete der syrische Diktator Baschar Al-Assad vor mittlerweile zwei Jahren ein grausames Massaker mit chemischen Waffen an, mehr als tausend Menschen starben. Im Gespr\u00e4ch mit seiner Kollegin Antonia Rados (Kriegsreporterin RTL), dem politischen Aktivisten und Radiojournalisten Majid al-Bunni (Baladna FM) und dem Produzent und Stringer Houssam Aldeen (beide aus Syrien) diskutierte Reuter \u00fcber die Berichterstattung unter Lebensgefahr. Moderiert von Astrid Frohloff (Reporter ohne Grenzen) boten die vier JournalistInnen einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit von Kriegsberichterstattern.<!--more--><\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicherin Antonia Rados ist ebenso wie Christoph Reuter seit Jahren als Kriegsreporterin in Krisengebieten weltweit im Einsatz. Zuletzt war Rados im Irak und hatte entsprechend viel von den neuesten Entwicklungen seit dem Aufstand der ISIS-Aktivisten zu berichten: Die Zust\u00e4nde vor Ort sind chaotisch, verschiedene Allianzen k\u00e4mpfen um die Vorherrschaft, eine klar auszumachende Front existiert schon lange nicht mehr. &#8220;Wir verstehen die Situationen nicht besonders gut, selbst wenn wir vor Ort sind&#8221;, erschreckend ehrlich sprach Rados \u00fcber die\u00a0Lage im Irak und erhob Vorw\u00fcrfe gegen die unt\u00e4tigen Regierungen des Westens. Stringer Houssam Aldeen, der als Fl\u00fcchtling \u00fcber die T\u00fcrkei nach Deutschland gelangte und hier Politisches Asyl gefunden hat, klagte \u00fcber die mangelnde Bereitschaft westlicher Reporter, sich ein umfassendes Bild von den Verh\u00e4ltnissen in seiner syrischen Heimat zu machen.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Schwierigkeit stellen dabei die verschiedenen Konfliktparteien mit ihren je eigenen Darstellungen der Lage dar: Unparteiliche Berichterstattung ist laut Majid Al-Bunni, der aus Deutschland f\u00fcr ein syrisches Internet-Radio arbeitet, kaum m\u00f6glich. &#8220;Sieben Journalisten starben allein im Juni durch ISIS&#8221;, berichtete er und unterstrich damit die akute Gefahr in Syrien und dem Irak. Kritische Journalisten sind im Krisengebiet nicht gern gesehen.<\/p>\n<p>Der sensible Umgang mit Quellen geh\u00f6rt auch f\u00fcr Antonia Rados zu den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr moderne Kriegsreporter im Nahen Osten: &#8220;Die Zuverl\u00e4ssigkeit von Quellen kann nur mit viel Erfahrung eingesch\u00e4tzt werden&#8221;. Doch die G\u00fcltigkeit solcher Einsch\u00e4tzungen ist arg begrenzt. &#8220;Die Dinge k\u00f6nnen morgens so sein und abends ganz anders&#8221;, so Rados. Ein Stringer, der \u00fcber Jahre zuverl\u00e4ssig und diskret Informationen und Kontakte liefert, wird pl\u00f6tzlich zum Entf\u00fchrer, weil es lukrativ und opportun erscheint. Auch PR-Agenturen haben einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss, wie Rados berichtete: &#8220;Das Terrain ist konstant in Bewegung&#8221;.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung leidet unterdessen unentwegt unter den Zust\u00e4nden im sich ausweitenden Krisengebiet: &#8220;Die Menschen in Syrien haben im Westen keine Lobby&#8221;, erkl\u00e4rte Reuter, der vor einiger Zeit in einem offenen Brief um Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Einheimischen warb. F\u00fcr diesen &#8220;Weckruf&#8221; hat Reuter seine Position als unabh\u00e4ngiger Reporter verlassen, jedoch &#8220;f\u00fcr die gute Sache&#8221;, wie der Spiegel-Korrespondent unterstricht. Die sinkende Aufmerksamkeit f\u00fcr den Krisenherd Syrien erkl\u00e4rt er sich auch mit den zahlreichen falschen Informationen, die von einzelnen Gruppen gezielt gestreut w\u00fcrden. Von seiner Kollegin Antonia Rados erhielt der Nahost-Experte Zustimmung, erg\u00e4nzt um den Hinweis, in der westlichen Welt m\u00fcsse das &#8220;Schwarz-Wei\u00df-Denken&#8221; aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Bilder spielen in der Kriegsberichterstattung eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, sind aber ein heikles Thema: &#8220;Bilder sind schwierig&#8221;, bilanzierte Rados und verwies auf die M\u00f6glichkeit, mit Bildern Neugierde zu erzeugen bzw. zu erh\u00f6hen. Gleichzeitig h\u00e4tten viele Bilder aber auch abwehrende Reaktionen zur Folge, wenn sie den Krieg und seine Auswirkungen zu unverbl\u00fcmt pr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p>Abgeschlossen wurde die Debatte von beherzten Appellen der Diskussionsteilnehmer: Christoph Reuter forderte dazu auf, die Komfortzone h\u00e4ufiger zu verlassen. Auslands- und insbesondere Kriegsberichterstattung lebe davon, Kontakte zu kn\u00fcpfen, um Quellen wirklich pr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und vor Ort investigativ arbeiten zu k\u00f6nnen. Beispielhaft berichtete Reuter von der Arbeit des &#8220;Spiegel&#8221; in Syrien, dem Besuch von Krankenh\u00e4usern, Beerdigungen und Zeremonien, um die kolportierte Zahl von Toten bei Bombenanschl\u00e4gen zu pr\u00fcfen. Majid al-Bunni erinnerte an die M\u00f6glichkeiten der sozialen Netzwerke, auch im Fall der sich rasch verst\u00e4rkenden ISIS-Islamisten: &#8220;Wenn ihr alles \u00fcber ISIS wissen wollt, folgt ihnen auf Twitter. Sie twittern selbst wenn sie blo\u00df furzen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegsberichterstattung im 21. Jahrhundert ist ebenso wichtig wie fordernd. Im Gespr\u00e4ch berichteten erfahrene Reporter von Problemen und Chancen der Berichterstattung aus Syrien und dem Irak. &#8220;Wir sind gereist wie im 17. Jahrhundert, zu Zeiten des 30-j\u00e4hrigen Krieges. 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