{"id":36558,"date":"2024-07-10T21:27:30","date_gmt":"2024-07-10T19:27:30","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=36558"},"modified":"2024-07-17T15:35:38","modified_gmt":"2024-07-17T13:35:38","slug":"joeres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/joeres\/","title":{"rendered":"Die Perspektivenwechslerin"},"content":{"rendered":"<h4>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Annika Joeres<\/h4>\n<p>Annika Joeres unterteilt in ein fr\u00fcheres und jetziges Leben. Aufgewachsen im Ruhrgebiet, einem der \u00e4rmsten Regionen in Deutschland, hat sie fr\u00fch gelernt, den Blick f\u00fcr die Benachteiligten der Gesellschaft zu sch\u00e4rfen. F\u00fcr sie selbst, war die Zeit im Ruhrpott von mehreren beruflichen R\u00fcckschl\u00e4gen gepr\u00e4gt: die Einstellung der taz NRW, wo sie stellvertretende Redaktionsleiterin war, und das drastische Schrumpfen der Frankfurter Rundschau, bei der sie als NRW-Korrespondentin gearbeitet hat. Als dann auch noch die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz anmeldete, entschied sich Annika Joeres f\u00fcr einen Neuanfang in Frankreich &#8211; dem Land, in dem sie studierte und das sie wegen der franz\u00f6sischen Literatur, dem Essen und der Alpen schon immer liebte. Dort absolvierte sie eine Bergf\u00fchrer-Ausbildung, bevor es sie wieder in den Journalismus zog.<!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die meisten ihrer Kolleg*innen in Paris arbeiten, lebt Joeres mit ihrer Familie in einem kleinen Bergdorf. \u201eWenn man die Klimakrise verstehen will, ist es hier eine sehr beispielhafte Region\u201c, die Auswirkungen wie zum Beispiel der Anstieg des Meeresspiegels und die zunehmende Trockenheit sind gut zu erkennen. Ihr Wohnort erm\u00f6glicht es ihr, die Klimakrise aus einer anderen Perspektive zu betrachten, fernab von der urbanen Bubble in Paris. In ihrem Selbstversorger-Garten in S\u00fcdfrankreich kann sie die Auswirkungen der Klimakrise jeden Tag beobachten: \u201eWenn einem die Ernte wegbrennt, ist das schon existentiell.\u201c F\u00fcr Joeres geht es nicht nur um das Gem\u00fcse in ihrer Wahlheimat, es ist auch ein t\u00e4glicher Reminder an die Dringlichkeit ihrer Arbeit.<\/p>\n<p>Annika Joeres arbeitet in ihrem jetzigen Leben als Senior Reporterin zu Energie-und Klimathemen f\u00fcr die gemeinn\u00fctzige Investigativredaktion Correctiv und ist Korrespondentin f\u00fcr Zeit Online. Sie ist spezialisiert darauf, Lobbyismus zu enttarnen und falsche Versprechen von Parteien und Industrien zu entlarven. Daf\u00fcr hat sie etliche Preise gewonnen. Die Erfahrungen aus dem Ruhrpott und ihre tiefe Verbindung zur Natur haben sie zu den Klima- und Energiethemen gebracht &#8211; eine Berufung, die sie mit Leidenschaft verfolgt.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit ihrer Kollegin Susanne G\u00f6tze hat Joeres das Buch \u201eDie Klimaschmutzlobby\u201c geschrieben, das 2020 ver\u00f6ffentlicht wurde. Darin beschreiben die beiden ein Netzwerk, das ihrer Recherche nach den Fortschritt im Klimaschutz behindert. F\u00fcr das Medium Buch haben sie sich entschieden, weil sie dabei st\u00e4rker in die Tiefe gehen k\u00f6nnen. Aufwendige und zeitintensive Recherchen, die Joeres besonders gerne macht und sich daher selber als \u201eWorkaholic\u201c bezeichnet, finden dort den entsprechenden Platz.<\/p>\n<h4>Klimajournalismus als \u201eTeil von der Suche nach einem besseren Leben\u201c<\/h4>\n<p>Annika Joeres betrachtet Klimajournalismus nicht nur als Zugang zu einem dr\u00e4ngenden Problem, sie ist davon \u00fcberzeugt davon, dass \u201eder Klimajournalismus Teil von der Suche nach einem besseren Leben\u201c sein kann. F\u00fcr sie geht es nicht nur um die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels, sondern darum, wie nachhaltige Ma\u00dfnahmen das Leben jedes Einzelnen verbessern k\u00f6nnen. Sie ist \u00fcberzeugt, dass L\u00f6sungen wie gr\u00fcne St\u00e4dte und erneuerbare Energien nicht nur die Umwelt sch\u00fctzen, sondern auch die Lebensqualit\u00e4t steigern k\u00f6nnen. Und diese Perspektive w\u00fcnscht sie sich auch f\u00fcr den Klimajournalismus: Klimaschutz darf nicht als Bedrohung, sondern muss als Chance betrachtet werden.<\/p>\n<p>Annika Joeres m\u00f6chte sicherstellen, dass Berichte \u00fcber die Klimakrise, die Rolle von Lobbyisten und m\u00f6gliche L\u00f6sungen wieder den zentralen Platz im Journalismus erhalten, den sie angesichts der Dringlichkeit des Themas verdienen. Ihr Ziel ist es, die Menschen nicht nur zu informieren, sondern ihnen auch Lust zu machen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Freude daran zu finden, \u00fcber nachhaltige L\u00f6sungen zu lesen.<\/p>\n<h4><strong>Neuanfang in S\u00fcdfrankreich: Eine zweite Heimat und neue Perspektiven<\/strong><\/h4>\n<p>Frankreich hat sie gelehrt, dass das Thema Klima noch weitere Herausforderungen in sich birgt: Die Menschen in dem Dorf, in dem sie mit ihrer Familie lebt, haben ein ganz anderes Bewusstsein f\u00fcr den Klima- und Umweltschutz. \u201eEs scheint die Leute \u00fcberhaupt nicht zu interessieren, obwohl sie die katastrophalen Folgen des dr\u00e4ngenden Problems direkt vor der Haust\u00fcr sehen k\u00f6nnen.\u201c Joeres versucht ihre Nachbar*innen den Zusammenhang zwischen der Klimakrise und den Folgen zu erkl\u00e4ren: \u201eIch versuche immer noch pers\u00f6nliche zu \u00fcberzeugen, auch wenn man bei manchen F\u00e4llen wei\u00df, dass es verlorene M\u00fche ist.\u201c<\/p>\n<p>Deswegen wird ein zentrales Thema auf der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz 2024 in Hamburg der Aufstieg rechter Anti-Klimaschutzparolen sein. Joeres Meinung nach liegt das gr\u00f6\u00dfte Problem in der wachsenden sozialen Ungleichheit: \u201eDas Grund\u00fcbel ist die gr\u00f6\u00dfer werdende Kluft zwischen Armen und Reichen.\u201c Sie ist \u00fcberzeugt, dass diese Ungleichheit daf\u00fcr verantwortlich ist, dass Klimaschutzma\u00dfnahmen von vielen als Bedrohung wahrgenommen werden. Dar\u00fcber wird sie in der Session \u201e<a href=\"https:\/\/nr24.sched.com\/event\/1cFkr\/rechtsruck-und-fatigue-backlash-im-klimajournalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsruck und Fatigue \u2013 Backlash im Klimajournalismus<\/a>\u201c mit Barbara Junge, Christian St\u00f6cker und Alban Burster am Freitag den 19. Juli um 15:30 Uhr sprechen.<\/p>\n<p>Davor, um 12 Uhr, moderiert sie die Session \u201e<a href=\"https:\/\/nr24.sched.com\/event\/1cuWx\/grune-marchen-wie-wir-das-greenwashing-von-unternehmen-entlarven\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gr\u00fcne M\u00e4rchen &#8211; Wie wir das Greenwashing von Unternehmen entlarven<\/a>\u201c, in der Gesa Steeger und Felix Rohrbeck \u00fcber ihre Recherchen sprechen.<\/p>\n<p><em>Text: Jana Abel (TU Dortmund)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Annika Joeres Annika Joeres unterteilt in ein fr\u00fcheres und jetziges Leben. Aufgewachsen im Ruhrgebiet, einem der \u00e4rmsten Regionen in Deutschland, hat sie fr\u00fch gelernt, den Blick f\u00fcr die Benachteiligten der Gesellschaft zu sch\u00e4rfen. 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