{"id":36562,"date":"2024-07-10T22:50:24","date_gmt":"2024-07-10T20:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=36562"},"modified":"2024-07-17T15:36:14","modified_gmt":"2024-07-17T13:36:14","slug":"steeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/steeger\/","title":{"rendered":"Die Klima-Netzwerkerin"},"content":{"rendered":"<h4>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Gesa Steeger<\/h4>\n<p>Erst vor einigen Monaten sorgte ihre j\u00fcngste gro\u00dfe Recherche f\u00fcr Aufsehen: \u00dcber die im April bei Correctiv ver\u00f6ffentlichte \u201e\u00d6kogas-L\u00fcge\u201c wurde von zahlreichen deutschen Medien berichtet. Deutsche Energieversorger hatten mit \u201eklimaneutralem Erdgas\u201c geworben. Ein leeres Versprechen, wie Gesa Steeger aufdeckte.<\/p>\n<p>Rund sechs Monate hatte sie mit Kolleg*innen an der Geschichte gearbeitet. Unterst\u00fctzt von zwei Datenjournalisten w\u00fchlten sie sich gemeinsam durch die Daten von Verra und Gold Standard \u2013 zwei der weltweit gr\u00f6\u00dften Datenbanken f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-Kompensationen. Sie fanden heraus, dass 116 Unternehmen hunderttausende Kunden t\u00e4uschten. Das angebliche klimaneutrale \u00d6kogas war nichts anderes als Erdgas. Das Geld investierten die Anbieter stattdessen in Projekte, die die sch\u00e4dlichen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen lediglich ausgleichen sollten, etwa durch den Schutz von W\u00e4ldern in Brasilien oder den Bau von Wasserkraftwerken in Indien.<!--more--><\/p>\n<p>Die Recherche-Ergebnisse stellte das Autor*innen-Team dem Correctiv Lokalnetzwerk zur Verf\u00fcgung. \u00dcber das Netzwerk k\u00f6nnen Lokaljournalist*innen auf die Daten und Ergebnisse von Correctiv zugreifen und mit Bezug auf die eigene Stadt berichten. Denn im Fall der \u201e\u00d6kogas-L\u00fcge\u201c hatten auch viele Stadtwerke Gesch\u00e4fte mit den angeblichen klimaneutralen Zertifikaten gemacht.<\/p>\n<p>\u201eEs ist wichtig, die Leute vor ihrer eigenen Haust\u00fcr abzuholen\u201d, erkl\u00e4rt Gesa Steeger. Lokaljournalismus m\u00fcsse den Menschen aufzeigen, wie sich die \u201eKlimakrise\u201c in ihrer Stadt und ihrer Region auswirke. So k\u00f6nnten auch jene Leute erreicht werden, die sich \u00fcblicherweise nicht mit dem Thema besch\u00e4ftigen, meint die 40-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Seit 2022 ist Gesa Steeger Reporterin mit den Schwerpunkten Klima und Sustainable Finance und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen der Klimaredaktion und dem Lokalnetzwerk von Correctiv, um die beiden Bereiche st\u00e4rker zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Dass sie einmal als Journalistin arbeiten w\u00fcrde, hatte sie nicht geplant. Sie studierte an der Universit\u00e4t Potsdam Germanistik, Anglistik und Kulturwissenschaften. Nebenbei arbeitete sie in einer Galerie in Berlin und war zust\u00e4ndig f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit. \u201eDabei habe ich dann festgestellt, dass eigentlich ich diejenige sein will, die die Leute anruft und Sachen fragt\u201c, erz\u00e4hlt sie. Kurz vor Studienabschluss bewarb sich Steeger auf ein Praktikum bei der taz im Berliner Lokalteil. Dort gefiel es ihr so gut, dass sie ihr Praktikum verl\u00e4ngerte und anschlie\u00dfend als freie Mitarbeiterin f\u00fcr die Tageszeitung schrieb.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Neugierde brachte sie zu ihrem Beruf. \u201eAusschlaggebend war sicherlich mein Gerechtigkeitssinn.\u201c Die hochpolitische Aufgabe der Berichterstattung und die Presse als vierte Gewalt w\u00fcrden besonders aktuell immer wichtiger werden, meint Steeger. F\u00fcr sie ist es elementar, Verantwortlichkeiten herauszuarbeiten \u2013 sagen, was ist. Wie eben bei der Recherche zur \u201e\u00d6kogas-L\u00fcge\u201c. Einen anderen Beruf k\u00f6nne sie sich heute nicht mehr vorstellen.<\/p>\n<p>\u201eAm meisten interessiert mich die Schnittstelle zwischen Klima und Wirtschaft\u201c, sagt Gesa Steeger. Sie glaubt, dass die Wirtschaft \u2013 wie auch die Gesellschaft \u2013 aufgrund des Klimawandels vor einer gro\u00dfen Transformation steht. Die Klimakrise versteht sie dabei nicht als ein Thema, sondern als Dimension. Auf viele Lebensbereiche wirke sich die Erderw\u00e4rmung aus. Viele Menschen seien von der komplizierten Thematik \u00fcberfordert. Umso wichtiger sei es deshalb aufzukl\u00e4ren, damit sich die Menschen der Folgen des Klimawandels bewusst werden.<\/p>\n<p>Die \u201eKlimakrise\u201c bewegt Gesa Steeger auch pers\u00f6nlich. \u201eIch mache mir Sorgen, wie die Welt Ende des Jahrhunderts aussieht\u201c, sagt sie. Besonders die H\u00e4ufigkeit von Extremwetterereignissen oder die Sicherheit der Lebensmittelversorgung treiben sie um. \u201eIch bef\u00fcrchte, es wird Regionen geben, in denen Menschen dann nicht mehr leben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Sie selbst versuche daher, klimafreundlich zu leben\u00ad\u00ad, verzichtet aber nicht darauf, ihre Verwandtschaft im Ausland zu besuchen, wenn Reisen mit der Bahn aufgrund der hohen Preise alternativlos sind. \u201eDen Klimaschutz habe ich aber immer im Hinterkopf\u201c, sagt Steeger. Statt Auto f\u00e4hrt die 40-J\u00e4hrige mit dem Fahrrad oder nutzt \u00f6ffentliche Verkehrsmittel.<\/p>\n<p>Dass Aufkl\u00e4rung im Lokaljournalismus manchmal zu kurz kommt, wei\u00df Steeger. \u201eDie Klimakrise, die uns als Dauerthema begleitet, ger\u00e4t medial manchmal in den Hintergrund\u201c. Andere Themen wie der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der Israel-Gaza-Konflikt oder die Debatte \u00fcber den Bundeshaushalt stehen in Konkurrenz zur Klimakrise. Deswegen h\u00e4lt sie gemeinn\u00fctzige und unabh\u00e4ngige Redaktionen wie Correctiv mit einer eigenen Klimaredaktion f\u00fcr wichtig. Diese Fokussierung helfe, Klimathemen im Bewusstsein der Rezipierenden zu halten \u2013 auch auf lokaler Ebene.<\/p>\n<p>Auf der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz spricht Gesa Steeger \u00fcber ihre Recherche zur \u201e\u00d6kogas-L\u00fcge\u201c. Sie ist eine von zwei Speaker*innen in der Session \u201e<a href=\"https:\/\/nr24.sched.com\/event\/1cuWx\/grune-marchen-wie-wir-das-greenwashing-von-unternehmen-entlarven\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gr\u00fcne M\u00e4rchen. Wie wir das Greenwashing von Unternehmen entlarven<\/a>\u201c am Freitag, dem 19. Juli um 12 Uhr. Gemeinsam mit Felix Rohrbeck nimmt sie die Versprechen von Unternehmen in den Blick, klima- und umweltfreundliche Produkte anzubieten. Annika Joeres moderiert die Session.<\/p>\n<p><em>von Julien M\u00e4rz (TU Dortmund)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Gesa Steeger Erst vor einigen Monaten sorgte ihre j\u00fcngste gro\u00dfe Recherche f\u00fcr Aufsehen: \u00dcber die im April bei Correctiv ver\u00f6ffentlichte \u201e\u00d6kogas-L\u00fcge\u201c wurde von zahlreichen deutschen Medien berichtet. Deutsche Energieversorger hatten mit \u201eklimaneutralem Erdgas\u201c geworben. Ein leeres Versprechen, wie Gesa Steeger aufdeckte. 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