{"id":36605,"date":"2024-07-10T11:58:20","date_gmt":"2024-07-10T09:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=36605"},"modified":"2024-07-19T10:01:33","modified_gmt":"2024-07-19T08:01:33","slug":"friedrichs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/friedrichs\/","title":{"rendered":"Die Eliten-Expertin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Julia Friedrichs<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Begonnen hat alles 2005. Julia Friedrichs war damals 25 Jahre alt und arbeitete nach ihrem Studium der Journalistik an der TU Dortmund als freie Mitarbeiterin f\u00fcr verschiedene Medien. F\u00fcr eine Geschichte f\u00fcr <em>Die Zeit<\/em> fuhr sie Undercover zu einem Recruiting-Prozess von McKinsey &amp; Company, einer weltweit agierenden Unternehmensberatung mit rund 45.000 Mitarbeiter*innen. Sie wollte herausfinden, wer diese M\u00e4chtigen sind, die gro\u00dfe Unternehmen und die Politik beraten.<\/p>\n<p>Friedrichs nahm dazu an einem Gruppenauswahlverfahren in Griechenland teil. Dort waren alle Teilnehmenden jung, von sich \u00fcberzeugt, hungrig nach Erfolg. Die McKinsey-Berater versuchten, ihnen die Welt der Reichen schmackhaft zu machen. Neben Workshops und Vortr\u00e4gen zu dem, was einen idealen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Manager ausmacht, wurden die Anw\u00e4rter*innen mit Partys und Yacht-Ausfl\u00fcgen verw\u00f6hnt.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eWas ich vor allem gesp\u00fcrt habe, ist, wie mit dem Begriff Elite damals gearbeitet wurde\u201c, sagt Friedrichs heute. \u201eEs wurde uns gesagt, ihr k\u00f6nnt die Elite sein. Ihr k\u00f6nnt zu denen geh\u00f6ren, die Europa lenken und leiten.\u201c Was Friedrichs an dem Fall reizte, war die psychologische Komponente. \u201eWas macht das gerade mit jungen Leuten? Wenn sie das gesagt bekommen, f\u00fchlen sie sich dann erhaben? Wie verhalten sie sich? Und ist das ein guter Weg, um sp\u00e4ter Entscheidungen \u00fcber andere zu treffen, wenn man schon so fr\u00fch mit diesem Gedanken gro\u00df wird?\u201c<\/p>\n<p>Diese Recherche war f\u00fcr Julia Friedrichs ein Schl\u00fcsselmoment, der sie dazu bewegte, sich verst\u00e4rkt mit der Elite und den Superreichen auseinanderzusetzen. \u201eDa bin ich zum ersten Mal mit einer Welt in Verbindung gekommen, in der sich Geld mit Macht koppelt\u201c, sagt sie. Bei einem Verm\u00f6gen von hunderten oder tausenden Millionen Euro geht es um Gestaltungsmacht, die dem Besitzer dient und anderen schadet. \u201eDeshalb ist das ein Feld, was mich wirklich wahnsinnig interessiert\u201c.<\/p>\n<p>Ihre Recherchen hat sie in dem Buch \u201eGestatten: Elite. Auf den Spuren der M\u00e4chtigen von morgen\u201c (erschienen 2008) verarbeitet. Es folgten weitere Sachb\u00fccher. \u201eWir Erben: Was Geld mit Menschen macht\u201c (2015) erforscht die Auswirkungen von Erbschaften auf Menschen und die Gesellschaft. In \u201eWorking Class: Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben k\u00f6nnen\u201c (2021) geht es um die Lebensrealit\u00e4t der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, die trotz harter Arbeit oft nur schwer \u00fcber die Runden kommt.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass gerade Verm\u00f6gen ein Punkt ist, der lange in Deutschland viel zu wenig beachtet wurde. Wenn wir \u00fcber Arm und Reich sprechen, haben wir immer auf Einkommen geachtet, aber Verm\u00f6gen sind in Deutschland viel, viel relevanter\u201c, sagt Friedrichs. Deutschland ist, was Verm\u00f6gen angeht, ein sehr ungleiches Land. Der Unterschied zwischen den sehr Reichen und dem Rest der Bev\u00f6lkerung ist gr\u00f6\u00dfer als in den meisten anderen L\u00e4ndern. \u201eIch halte das f\u00fcr ein Problem, wenn sich auf Dauer sehr gro\u00dfe Verm\u00f6gen bei Wenigen ballen. Wir sollten dar\u00fcber sprechen, welche Folgen das hat.\u201c<\/p>\n<p>Heute setzt sich die Autorin, Journalistin und Gr\u00fcnderin auch mit den sozialen Folgen des Klimawandels auseinander: Wenn die Superreichen so viele klimasch\u00e4dliche Treibhausgase produzieren, wie die \u00e4rmsten zwei Drittel der Welt, was genau bedeutet der Klimawandel dann f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung? Ist die Diskussion, den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df \u00fcber den Preis zu regeln, der richtige Weg? F\u00fchren Verzichtsforderungen von Langfl\u00fcgen nicht eher dazu, dass die Armen sich noch weniger leisten k\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Reichen ihren Lebensstil fortsetzen, weil sie andere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sich finden? \u201eWenn wir nur eine endliche Summe an CO<sub>2 <\/sub>aussto\u00dfen d\u00fcrfen und die Erde nicht mehr vertr\u00e4gt, k\u00f6nnen wir dann erlauben, dass die Superreichen das Recht bekommen, so wahnsinnig viel auszusto\u00dfen, w\u00e4hrend wir verzichten?\u201c Diese Fragen treiben Julia Friedrichs an, deswegen denkt sie die sozialen Folgen bei all ihren Klima-Recherchen mit: \u201eIch glaube, dass die Superreichen uns beim Thema Klima an die wunden Punkte bringen, \u00fcber die wir nachdenken m\u00fcssen, die aber total schwer zu beantworten sind.\u201c<\/p>\n<p>Einer Antwort versucht sie in ihrem neuen Buch n\u00e4herzukommen: \u201eCrazy Rich: Die geheime Welt der Superreichen\u201c, das im August 2024 ver\u00f6ffentlicht wird. Daf\u00fcr hat sich Friedrichs monatelang mit einem Superreichen aus einer Milliard\u00e4rsfamilie getroffen, der Einblicke in sein Leben liefert. \u201eNehmen die Superreichen Einfluss auf Politik und Wirtschaft? Wie ist es mit dem Klimatreiben?\u201c Und wie schafft er es, nur sehr wenig Steuern zu zahlen? Damit ist Friedrichs dem Milliard\u00e4r n\u00e4hergekommen wie kaum jemand sonst, denn Superreiche ziehen es normalerweise vor, \u00fcber ihr Verm\u00f6gen zu schweigen.<\/p>\n<p>Von ihren Erkenntnissen wird Friedrichs auf der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz 2024 berichten. In der Session \u201e<a href=\"https:\/\/nr24.sched.com\/event\/1c6Lr\/die-superreichen-und-das-klima-geschichten-der-ungleichheit\">Die Superreichen und das Klima &#8211; Geschichten der Ungleichheit<\/a>\u201c spricht sie neben Oda Lambrecht und Ajit Niranjan am Freitag, den 19. Juli um 10:45 Uhr. In der Session \u201e<a href=\"https:\/\/nr24.sched.com\/event\/1bPpL\/blackbox-superreiche-wie-ein-datensammler-fur-die-reichenlisten-recherchiert\">Blackbox Superreiche: Wie ein Datensammler f\u00fcr die Reichenlisten recherchiert<\/a>\u201c spricht sie als Moderatorin mit Andreas Bornefeld \u00fcber die Datenlage zu Superreichen und Unternehmerfamilien, am Samstag, den 20. Juli um 16:45 Uhr.<\/p>\n<p><em>von Mariana B\u00fcter (TU Dortmund)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistik-Studierende der TU Dortmund stellen ausgew\u00e4hlte Referent:innen der NR24 vor: Julia Friedrichs Begonnen hat alles 2005. Julia Friedrichs war damals 25 Jahre alt und arbeitete nach ihrem Studium der Journalistik an der TU Dortmund als freie Mitarbeiterin f\u00fcr verschiedene Medien. 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