{"id":3866,"date":"2010-07-09T15:58:32","date_gmt":"2010-07-09T13:58:32","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=3866"},"modified":"2015-01-19T16:02:58","modified_gmt":"2015-01-19T15:02:58","slug":"grusswort-von-lutz-marmor-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/grusswort-von-lutz-marmor-2010\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort von Lutz Marmor (2010)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gru\u00dfwort des NDR-Intendanten Lutz Marmor auf der Jahrestagung 2010: \u201eFakten f\u00fcr Fiktionen. Wenn Experten die Wirklichkeit dran glauben lassen\u201c,<br \/>\n9.\/ 10.Juli 2010 in Hamburg<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>auch von mir: Herzlich Willkommen zur Jahrestagung von Netzwerk Recherche! Wir sind zum neunten Mal in Folge Gastgeber der Konferenz. Das freut mich, denn ich sch\u00e4tze diese Veranstaltung. Sie passt gut zum NDR.<\/p>\n<p>Der NDR hat in diesem Jahr sein Engagement noch einmal verst\u00e4rkt. Wir freuen uns, Ihr Gastgeber zu sein!<\/p>\n<p>Vielerorts wird mit gro\u00dfem Aufwand versucht, Medienkongresse zu initiieren, ich nenne nur den Internationalen Mediendialog in Hamburg. Die Jahrestagung von Netzwerk Recherche &#8211; eine Veranstaltung von Journalisten f\u00fcr Journalisten in den R\u00e4umen des NDR &#8211; ist fest etabliert. Darauf k\u00f6nnen Sie stolz sein. Ein Blick auf das Programm zeigt, dass es auch in diesem Jahr wieder gelungen ist, interessante Themen zu finden und hochkar\u00e4tige Referenten zu gewinnen.<\/p>\n<p>Je schwieriger die Zeiten werden, desto wichtiger ist es, in die Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit zu investieren. Recherche &#8211; jedenfalls dann, wenn Sie \u00fcber den zweiten Telefonanruf hinausgeht &#8211; macht Arbeit und sie kostet Geld. Doch die Investition lohnt sich &#8211; Ihnen brauche ich das nicht n\u00e4her zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Mit dem Reporterpool von NDR Info haben wir ein Modell zur Verbesserung von Recherche gefunden, das inzwischen andere Unternehmen &#8211; zum Beispiel die WAZ Mediengruppe &#8211; kopieren. Damit verlieren wir vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal, aber wir sind dennoch froh \u00fcber diese Entwicklung. Guter Journalismus n\u00fctzt allen und ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je.<\/p>\n<p>Er bleibt, das gebe ich gerne zu, eine st\u00e4ndige Herausforderung. Sie brauchen die richtigen Leute, einen langen Atem, die n\u00f6tigen finanziellen Mittel &#8211; und &#8211; das wird immer wichtiger &#8211; eine gute Rechtsabteilung. Je mehr Sie recherchieren, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Anzahl an juristischen Verfahren. Immer \u00f6fter versuchen Firmen oder Privatpersonen mit juristischen Mitteln unliebsame Berichterstattung zu verhindern. Oft geht es dabei nicht um den Kern der Sache, sondern um Nebens\u00e4chlichkeiten. Wird ein Teilerfolg errungen, wird das \u00f6ffentlichkeitswirksam per Pressemitteilung verk\u00fcndet, obwohl der Kern der Berichterstattung davon unber\u00fchrt bleibt.<\/p>\n<p>Solche F\u00e4lle erleben wir h\u00e4ufig. Deshalb m\u00f6chte ich an Sie appellieren: \u00dcbernehmen Sie diese Pressemitteilungen von Unternehmen nicht ungepr\u00fcft! Nat\u00fcrlich auch nicht die des Senders. Fragen Sie zumindest beide Seiten und bilden Sie sich ein eigenes Urteil!<br \/>\nAllzu oft feiern Unternehmen einen Sieg, den sie gar nicht errungen haben. Das geschieht mit Hilfe von Journalistinnen und Journalisten, die sich ihre Arbeit zu einfach machen &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen: sich gar keine Arbeit machen.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigen Klagen zeigen auch: Die Anforderungen an die Journalistinnen und Journalisten, bis in die Details sorgf\u00e4ltig zu arbeiten, steigen.<\/p>\n<p>Wir verlangen von unseren Leuten korrekte und sorgf\u00e4ltige Arbeit. Wenn etwas Falsches behauptet wurde, muss das im Programm richtig gestellt werden. Auch das geh\u00f6rt zur journalistischen Sorgfaltsplicht. Der Druck finanzstarker Lobbyisten darf umgekehrt aber nicht dazu f\u00fchren, Berichterstattung zu verhindern!<\/p>\n<p>In Anlehnung an das Zitat von Wilhelm Busch auf Ihrem Programmheft k\u00f6nnte man auch sagen: \u201eManche Prozesse sollen nicht, manche brauchen nicht, manche m\u00fcssen gef\u00fchrt werden.&#8221;<\/p>\n<p>Die Entwicklung, mit juristischen Mitteln gegen Journalistinnen und Journalisten vorzugehen, ist nicht neu &#8211; bei mir weckt sie den Kampfgeist. Auch das geh\u00f6rt zur journalistischen Ehre: Wenn wir Recht haben, werden wir auch daf\u00fcr streiten, Recht zu bekommen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass nicht jedes Medium die finanziellen und personellen Kapazit\u00e4ten hat, sich so zu wehren wie der NDR. Ein gro\u00dfer Verlag darf aber genau so wenig wie ein \u00f6ffentlich rechtlicher Sender klein beigegeben, wenn versucht wird, mit juristischen Mitteln Journalismus zu verhindern.<\/p>\n<p>Wir werden das Verhalten von Unternehmen auch in unseren Sendungen thematisieren &#8211; in der Hoffnung, damit die H\u00fcrde f\u00fcr Klagen auch gegen andere zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Abmahnungen und einstweiligen Verf\u00fcgungen sind immer wieder auch Thema der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche. Vielleicht bietet es sich an, im n\u00e4chsten einen Blick darauf zu werfen, was aus den zahlreichen Verfahren in diesem Jahr geworden ist.<br \/>\nIch biete Ihnen gerne an, auch im n\u00e4chsten Jahr die Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Jetzt w\u00fcnsche ich Ihnen gute Gespr\u00e4che, interessante Diskussionen und vor allem auch viel Spa\u00df hier in Hamburg!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gru\u00dfwort des NDR-Intendanten Lutz Marmor auf der Jahrestagung 2010: \u201eFakten f\u00fcr Fiktionen. Wenn Experten die Wirklichkeit dran glauben lassen\u201c, 9.\/ 10.Juli 2010 in Hamburg &nbsp; Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch von mir: Herzlich Willkommen zur Jahrestagung von Netzwerk Recherche! Wir sind zum neunten Mal in Folge Gastgeber der Konferenz. 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