{"id":461,"date":"2014-07-05T12:58:33","date_gmt":"2014-07-05T10:58:33","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=461"},"modified":"2020-10-14T12:14:25","modified_gmt":"2020-10-14T10:14:25","slug":"dienstleister-oder-newsmaker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/dienstleister-oder-newsmaker\/","title":{"rendered":"Dienstleister oder Newsmaker"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_22643\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-22643\" class=\"wp-image-22643\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/komplett_br_z_49_.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-22643\" class=\"wp-caption-text\">Panel \u201eDatenfeuerwerke: So gelingen Weltklasse-Visualisierungen\u201c mit Gregor Aisch, Moritz Stefaner, Sylke Gruhnwald und Benjamin Wiederkehr (v.l.n.r., Foto: Benjamin Richter)<\/p><\/div>\n<p>Geht es nach Gregor Aisch, sind Grafiker nicht l\u00e4nger Dienstleister: Fr\u00fcher lie\u00dfen sich Redakteure Infografiken f\u00fcr ihre fertigen Geschichten bauen, heute entstehen aus Infografiken Geschichten. \u201eDas ist anders als bei einem Fotografen, der vielleicht doch prim\u00e4r die Aufgabe hat, ein Foto zum Text zu liefern\u201c, sagt Aisch. Grafikredakteure wie Gregor Aisch sind selbstst\u00e4ndiger und kreieren eigene Stories. Anders als der klassische Journalist starten sie nicht immer mit einer Recherchehypothese: Sie finden ihre Geschichten in den Daten.<!--more--><\/p>\n<p>Gregor Aisch hatte beispielsweise die vage Idee, zu untersuchen, wie Spieler, Vereine und die Nationalmannschaften bei der Fu\u00dfballweltmeisterschaft zusammenh\u00e4ngen. Also suchte er im Internet nach Informationen zu den Spielern, wurde bei der Fifa f\u00fcndig und erstellte so schnell wie m\u00f6glich viele verschiedene Visualisierungen. Ausgereift waren die noch nicht. Aber darum ging es auch nicht. Es sollte vielmehr die z\u00fcndende Idee kommen, was man denn tats\u00e4chlich aus den Daten machen kann. Im Fu\u00dfball-Fall war es der Gedanke, wie eng die unterschiedlichen Nationen durch ihre Spieler miteinander verbunden sind. Sozusagen in Personalunion \u2013 Journalist und Grafiker \u2013 hatte Aisch eine Geschichte gefunden.<\/p>\n<p>Doch auch bei ihm gilt ein wichtiger Grundsatz: Wenn sich nichts Interessantes findet, muss das Thema zu den Akten gelegt werden, wie es auch beim hypothesengeleiteten Vorgehen der Fall ist.<br \/>\nUnter den Profi-Visualisierern ist das ein wichtiger Punkt. \u201eKlar ist es schwer, mit dem abgelegten Thema zum Chefredakteur zu gehen und zu sagen, dass es nichts gibt. Doch eine erzwungene Geschichte ist nie wirklich gut\u201c, sagt Sylke Gruhnwald von der Neuen Z\u00fcricher Zeitung (NZZ). Dort verfolgt man ein etwas anderes Konzept als bei der New York Times. Obwohl Sylke Gruhnwald auch selbst Erfahrung mit Grafiken hat, arbeitet sie mit der Kreativ-Agentur Interactive Things unter dem Namen NZZ Data zusammen und produziert so ihre Beitr\u00e4ge. Die Visualisierung wird dabei, \u00e4hnlich wie bei Aisch, nicht blo\u00df als Ergebnis, sondern ebenfalls schon als Werkzeug zur Recherche f\u00fcr die Journalisten betrachtet. Und erst wenn die wirklich abgeschlossen ist, machen sich die Profis daran, die Grafik \u2013 und damit die Geschichte &#8211; publizierbar zu machen.<\/p>\n<p>Ganz umkrempeln will man den Journalismus allerdings nicht: \u201eDie Journalisten arbeiten genauso investigativ wie fr\u00fcher auch schon. Es kommt nur eine neue Darstellungsweise dazu\u201c, sagt Benjamin Wiederkehr, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Interactive Things. Das sieht der selbstst\u00e4ndige Grafiker Moritz Stefaner ein wenig anders. Auch er arbeitet immer wieder mit und f\u00fcr Journalisten. Und obgleich er noch mehr Dienstleister als Gregor Aisch ist, h\u00e4lt auch er fest: \u201eIch w\u00fcrde nicht zusagen, eine Grafik zu erstellen, bevor ich die Daten nicht genau betrachtet habe.\u201c Au\u00dferdem weist er daraufhin, dass sich direkt aus den Infografiken weitere Recherchem\u00f6glichkeiten ergeben. \u201eIch kann beispielsweise auswerten, welche Bev\u00f6lkerungsgruppen meine Grafik wie nutzen und daraus wieder neue Schl\u00fcsse ziehen.\u201c<\/p>\n<p>Ob sich der Trend zum Grafikredakteur verstetigt, ist heute also noch offen: Kooperationsmodelle wie bei der NZZ wird es wohl auch in Zukunft geben. Und ob man seine Geschichten \u00fcber eine Recherchehypothese findet oder so wie Gregor Aisch vorgeht, f\u00e4llt am Ende weniger ins Gewicht &#8211; letztlich z\u00e4hlt allein die Qualit\u00e4t der Story.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geht es nach Gregor Aisch, sind Grafiker nicht l\u00e4nger Dienstleister: Fr\u00fcher lie\u00dfen sich Redakteure Infografiken f\u00fcr ihre fertigen Geschichten bauen, heute entstehen aus Infografiken Geschichten. \u201eDas ist anders als bei einem Fotografen, der vielleicht doch prim\u00e4r die Aufgabe hat, ein Foto zum Text zu liefern\u201c, sagt Aisch. 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