{"id":4840,"date":"2015-07-03T23:11:34","date_gmt":"2015-07-03T21:11:34","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=4840"},"modified":"2015-07-05T12:28:18","modified_gmt":"2015-07-05T10:28:18","slug":"sollen-verlage-googeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/sollen-verlage-googeln\/","title":{"rendered":"Sollen Verlage googeln?"},"content":{"rendered":"<address>Von Cordelia Marsch, JONA<\/address>\n<p>Ein Pakt mit dem Teufel, so sehen Kritiker die Zusammenarbeit von\u00a0Verlagen mit den amerikanischen Internet-Konzernen Facebook und Google. Doch sollte man deshalb die Finger davon lassen? Das Podium auf der nr-Jahreskonferenz war sich erstaunlich einig: Nein! \u201eWir wissen nicht, ob es funktioniert, aber wir m\u00fcssen eine Kooperation\u00a0ausprobieren\u201c, sagte Torsten Beeck, Leiter der Social-Media-Abteilung des Spiegel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jakob Augstein, Chefredakteur des Freitags, pflichtete ihm bei: Ja, es gebe Risiken, aber die Verlage h\u00e4tten keine Wahl \u2013 die Digitalisierung sei zu pr\u00e4sent, als dass man sich ihr versperren k\u00f6nne. Sicher, man k\u00f6nne die Zeitungen auch an den Kiosk liefern. Von dort k\u00e4men sie aber geb\u00fcndelt in die Redaktionen zur\u00fcck, denn die Leser warteten woanders. Vor allem erreiche man sie heute \u00fcber Facebook und Google.<\/p>\n<p>Schon immer habe der Journalismus zwei M\u00e4rkte bedient, so Augstein: den Leser- und den Anzeigenmarkt. Das Risiko der Korrumpierbarkeit sei also nichts Neues, sondern schon immer ein wunder Punkt im Journalismus.<\/p>\n<p>Die Anzeigenerl\u00f6se der Verlage brechen seit Jahren ein, viele geraten in finanzielle Not. Google und Facebook erscheinen vielen da als Retter.<\/p>\n<p>Seit Mai l\u00e4uft eine Testphase f\u00fcr die sogenannten \u201einstant articles\u201c auf Facebook, die bislang nur auf iPhones abrufbar sind. Das Prinzip: Artikel, die zum Beispiel von Spiegel Online stammen, m\u00fcssen nicht mehr extern aufgerufen werden, sondern sind in Facebook mit eingebettet. Der Artikel ist f\u00fcr den User laut Facebook bis zu zehn Mal schneller verf\u00fcgbar, also in weniger als einer Sekunde \u2013 das soll ihn auf Facebook halten, denn lange Ladezeiten vergraulen viele.<\/p>\n<p>Der Vorteil, der sich daraus f\u00fcr Facebook ergibt, ist klar: Facebook verliert seine Nutzer nicht mehr an eine Homepage, auf die ihn ein externer Link weiterleiten w\u00fcrde. Au\u00dferdem bekommt die Plattform qualitativ hochwertigen Content kostenlos von den Verlagen.<\/p>\n<p><strong>\u201eWir werden die Hoheit \u00fcber unsere Inhalte behalten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u00adSchon 2013 k\u00fcndigte Facebook-Gr\u00fcnder Mark Zuckerberg an, er wolle sein soziales Netzwerk zur besten personalisierten Zeitung der Welt machen \u2013 mit den instant articles ist er seinem Ziel ein St\u00fcckchen n\u00e4her gekommen.<\/p>\n<p>Und welchen Vorteil soll das f\u00fcr die Verlage haben? Torsten Beeck vom Spiegel nannte zwei Schlagworte: Reichweite und Monetarisierung. \u201eWir werden die Hoheit \u00fcber unsere Artikel behalten\u201c, versicherte er. Es gehe ihm und dem Spiegel darum, die Leser und Kunden gl\u00fccklich zu machen und sie da abzuholen, wo sie seien \u2013 das sind eben nicht mehr der Kiosk und auch nicht die Homepages. Die Zukunft liegt im mobilen Internet.<\/p>\n<p>Die Verlage wollen Googles und Facebooks Reichweite nutzen, um mehr Anzeigen generieren zu k\u00f6nnen, zum anderen werden sie bei den instant articles zus\u00e4tzlich von Facebook an den Werbeeinnahmen beteiligt.<\/p>\n<p>Doch was f\u00fcr Gefahren lauern in diesen Kooperationen? Beeck wei\u00df auch, dass die Markentreue abgenommen hat und mit Facebook und Google weiter abnehmen wird. Doch nicht nur das: Auch die Erkennbarkeit und die Identit\u00e4t einer Marke k\u00f6nnten unter den neuen Vermarktungsstrategien leiden, bef\u00fcrchtet Augstein. \u201eWir m\u00fcssen mitmachen, aber wir m\u00fcssen auch dar\u00fcber diskutieren, was diese Kooperation f\u00fcr die Verlage und die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit bedeutet.\u201c<\/p>\n<p>Facebook ver\u00e4ndert zwar nichts an den Inhalten, publiziert die Artikel aber sehr wohl nach den eigenen Richtlinien. Schafft es ein Artikel nicht in die instant articles, kann er aber nat\u00fcrlich wie bislang vom Medium selbst gepostet werden.<\/p>\n<p><strong>\u201eGet your shit together!\u201c<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_4880\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4880\" class=\"size-medium wp-image-4880\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VomFeindzumPartner_wr_18a-237x300.jpg\" alt=\"Gerrit Rabenstein von Google. 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Die Initiative will unter anderem Innovationen im digitalen Journalismus f\u00f6rdern, durch Funds, Trainings und Produktentwicklungen. Auch hier wird der Spiegel dabei sein.<\/p>\n<p>Der Spiegel sei eines der Bl\u00e4tter, das gro\u00dfen Spa\u00df am Ausprobieren habe, sagt Torsten Beeck. Er betont mehrmals, dass er nicht wisse, ob die instant articles und die Kooperation mit Google, vielleicht auch eine zuk\u00fcnftige mit Apple, gut f\u00fcr das Unternehmen seien. Es sei eben ein Lernprozess.<\/p>\n<p>Es gebe momentan viel Ratlosigkeit und Angst in der Medienbranche: Journalisten, \u201edie die Entwicklung umarmen und mitmachen wollen, und die, die im stillen K\u00e4mmerlein sitzen und warten, bis es vorbei ist\u201c. Beeck will zu Ersteren geh\u00f6ren. Er freut sich \u00fcber die Zusammenarbeit mit den Konzernen, weil man erkannt habe, dass es gute Inhalte auf den Plattformen brauche. Eine Win-Win-Situation also?<\/p>\n<p>Ob die W\u00fcnsche nach mehr Reichweite und einem st\u00e4rkeren Nutzungserlebnis erf\u00fcllt werden, wird man sehen. Beeck ist sich jedenfalls sicher, dass auch Facebook und Google gro\u00dfes Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Verlagen haben \u2013 und sch\u00e4tzt deshalb das Risiko als gering ein, dass die Konzerne ihre Rahmenbedingungen pl\u00f6tzlich \u00e4ndern, Inhalte ver\u00e4ndern oder gar streichen k\u00f6nnten. Und falls doch, so gebe es zu jedem Zeitpunkt die M\u00f6glichkeit, die Zusammenarbeit aufzuk\u00fcndigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Cordelia Marsch, JONA Ein Pakt mit dem Teufel, so sehen Kritiker die Zusammenarbeit von\u00a0Verlagen mit den amerikanischen Internet-Konzernen Facebook und Google. Doch sollte man deshalb die Finger davon lassen? 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