{"id":5075,"date":"2015-07-06T22:28:24","date_gmt":"2015-07-06T20:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=5075"},"modified":"2015-07-08T11:44:30","modified_gmt":"2015-07-08T09:44:30","slug":"alles-luegen-oder-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/alles-luegen-oder-was\/","title":{"rendered":"Alles L\u00fcgen, oder was?"},"content":{"rendered":"<p>Von Martha Dudzinski, JONA<\/p>\n<p>\u201eL\u00fcgenpresse\u201c ist noch eines der harmloseren Schimpfworte, mit denen sich der Journalismus zuletzt auseinandersetzen musste. Die nr-Jahreskonferenz bot Gelegenheiten genug, sich der Glaubw\u00fcrdigkeitskrise der Medien ehrlich zu stellen. Eine Chance, die leider mehrfach verpasst wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_5098\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5098\" class=\"wp-image-5098 size-large\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39-1024x683.jpg\" alt=\"nr-Jahreskonferenz Panel \u201e\u201eL\u00fcgenpresse\u201c und Co. \u2014 Medie\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_LuegenpresseundCo_wr_39.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5098\" class=\"wp-caption-text\">v.l.n.r.: Hans Leyendecker (SZ), Julia Stein (NDR), Moderatorin Anna Marohn (NDR), Jakob Augstein (Freitag), Carolin Emcke (Publizistin); Foto: W. Rohwedder<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnungsdiskussion unter dem Titel \u201eL\u00fcgenpresse und Co.\u201c drehte sich um unsachliche Leserkritik im Netz. W\u00e4hrend SZ-Journalist Hans Leyendecker mit seinem Desinteresse an digitaler Feedbackkultur kokettierte, verteidigte Jakob Augstein, Herausgeber des Freitag, seine zum Teil pers\u00f6nlich werdende Leserschaft. \u201eAuch die ausfallenden Kommentare richten meist thematische Kritik an mich. Die kann man nicht als pers\u00f6nliche Beleidigungen pauschalisieren.\u201c<\/p>\n<p>Aus einer angenehm-unangenehmen Spannung heraus garnierten Augstein und Leyendecker die Diskussion immer wieder mit charmanten Seitenhieben und machten sie zur Generationenfrage. Julia Stein, stellvertretende Leiterin des Investigativressorts beim NDR und neue Vorsitzende des Netzwerk Recherche, betonte noch einmal den Wert der Kritikf\u00e4higkeit f\u00fcr die eigene Glaubw\u00fcrdigkeit und gab selbstkritisch zu: \u201eJetzt f\u00e4llt uns auf die F\u00fc\u00dfe, dass wir gerne selber ordentlich austeilen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_5099\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VisierderMeute_wr_09.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5099\" class=\"wp-image-5099 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VisierderMeute_wr_09-200x300.jpg\" alt=\"nr-Jahreskonferenz Panel \u201eIm Visier der Meute \u2014 Wie Betroffe\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VisierderMeute_wr_09-200x300.jpg 200w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VisierderMeute_wr_09-683x1024.jpg 683w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/07\/150703_K1_VisierderMeute_wr_09.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5099\" class=\"wp-caption-text\">Foto: W. Rohwedder<\/p><\/div>\n<p>Bei der Diskussionsrunde \u201eIm Visier der Meute\u201c sagte GDL-Chef Claus Weselsky, dass er w\u00e4hrend der kritischsten Phase der Berichterstattung st\u00e4ndig von B\u00fcrgern angesprochen und best\u00e4rkt worden sei. Medienanwalt Christian Schertz sprang ihm beiseite, seine prominenten Mandanten erlebten dasselbe. Die L\u00fccke zwischen dem, was Medien verbreiteten und Empf\u00e4nger erwarteten sei besonders beim Germanwings-Absturz un\u00fcbersehbar gewesen: \u201eDa hat sich zum ersten Mal das Blatt gewendet. Die Leser sagten klar: Lasst die Sensationsgier. Wir wollen das nicht.\u201c<\/p>\n<p>Konkrete Selbstkritik von Journalisten gab es bei der Konferenz so gut wie keine. Ausnahme: die Griechenland-Diskussion, in der FAS-Wirtschaftsjournalist Rainer Hank zeitweise vor Wut sch\u00e4umend zusehen musste, wie sich seine Mitstreiter auf dem Podium seelenruhig \u00fcber tendenzi\u00f6se Berichterstattung unterhielten. Norbert H\u00e4ring vom Handelsblatt brachte das Publikum zum Lachen, aber auch zum Gr\u00fcbeln: \u201eWenn die Griechen das deutsche Presserecht kennen w\u00fcrden, k\u00f6nnte die Tagesschau jeden Tag drei Minuten lang Gegendarstellungen bringen.\u201c<\/p>\n<p>Symptomatisch f\u00fcr die mangelnde Kritikfreudigkeit war das NSU-Panel: Elke Grittmann, Professorin der Universit\u00e4t L\u00fcneburg, pr\u00e4sentierte eine Studie, die sich mit der rassistischen Berichterstattung \u00fcber die Taten des NSU vor seiner Aufdeckung besch\u00e4ftigte. Die anschlie\u00dfende Diskussion verlief sich jedoch in der Emp\u00f6rung \u00fcber das Generalisieren \u201eder Medien\u201c, anstatt sich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum sich Journalisten nach dem bekannt gewordenen Beh\u00f6rdenversagen auf die Zsch\u00e4pe-fixierte Strategie der Ermittler beschr\u00e4nkten, statt weitere Spuren in der rechten Szene zu verfolgen. Eine entsprechende Frage aus dem Publikum kanzelte SZ-Gerichtskorrespondentin Annette Ramelsberger vom Podium mit dem Hinweis ab, dass verdeckte Arbeit \u201eetwas f\u00fcr Wallraff\u201c sei.<\/p>\n<p>Auch im Panel zur Ukraine-Krise beschr\u00e4nkte sich die Medienkritik der drei aktiven oder ehemaligen Russland-Korrespondentinnen auf die Romantisierung der Maidan-Proteste. Dass es erst vergangenes Jahr eine R\u00fcge des ARD-Programmrats gegeben hat, wurde in der Harmonie allgemeiner Aufrufe zu transparenter Fehlerpolitik ausgelassen. Ein konkreter kritischer Punkt immerhin kam auf: Bis heute gibt es keine Korrespondenten in Kiew. Die Berichterstattung \u00fcber die Ukraine erledigen die Korrespondentenb\u00fcros in Warschau und Moskau.<\/p>\n<p>Bei der Abschlussdiskussion mit dem vielsagenden Titel \u201eDie (Un-)Fehlbaren\u201c stellte Moderator Kuno Haberbusch dann endlich die entscheidende Frage: \u201eTransparenz und Fehlerkultur sind doch Konsens. Warum passiert trotzdem nichts?\u201c Und genau dann passierte doch etwas: Carolin Emcke, Publizistin, und Georg Mascolo, Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und SZ, beschlossen auf dem Podium, im kommenden Jahr mit gutem Beispiel voranzugehen und bei der #nr16 von eigenen journalistischen Irrt\u00fcmern zu berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Martha Dudzinski, JONA \u201eL\u00fcgenpresse\u201c ist noch eines der harmloseren Schimpfworte, mit denen sich der Journalismus zuletzt auseinandersetzen musste. Die nr-Jahreskonferenz bot Gelegenheiten genug, sich der Glaubw\u00fcrdigkeitskrise der Medien ehrlich zu stellen. 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