{"id":541,"date":"2014-07-05T17:00:51","date_gmt":"2014-07-05T15:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wordpress\/blog14\/?p=541"},"modified":"2020-10-13T15:24:25","modified_gmt":"2020-10-13T13:24:25","slug":"die-undankbare-arbeit-der-stringer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/die-undankbare-arbeit-der-stringer\/","title":{"rendered":"Die undankbare Arbeit der Stringer"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_22301\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-22301\" class=\"wp-image-22301\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374-768x512.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2020\/10\/handlanger_und_rh_r2_1374.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-22301\" class=\"wp-caption-text\">Panel \u201eHandlanger und Lebensretter \u2013 \u00dcber die gef\u00e4hrliche Arbeit von Stringern in Krisengebieten\u201c mit Ahmed Jimale, Moderator Lutz M\u00fckke und Joanna Itzek (v.l.n.r., Foto: Raphael H\u00fcnerfauth)<\/p><\/div>\n<p><strong>Mogadischu, 1992 &#8211; In Somalia herrscht Ausnahmezustand: Ein Gro\u00dfteilteil der Bev\u00f6lkerung ist vom Hungertod bedroht, w\u00e4hrend sich die verfeindeten Clans erbitterte K\u00e4mpfe liefern und sich das Scheitern der UN-Mission abzeichnet. In einem solchen Chaos kann sich ein ausl\u00e4ndischer Journalist nur mit der Unterst\u00fctzung eines Einheimischen zurecht finden \u2013 den Stringern. Ahmed Jimale war einer von ihnen.<\/strong><\/p>\n<p>Sein erster Kontakt zur westlichen Medienwelt kam durch einen Zufall zustande: Albrecht Reinhardt, damaliger Leiter des ARD-Studios Nairobi war vor Ort und auf der Suche nach Mietwagen f\u00fcr sich und sein Filmteam. Ein Freund Jimales war Autovermieter, sprach allerdings kein Englisch. Also bat er Jimale, f\u00fcr ihn als Dolmetscher in den Verhandlungen mit den ARD-Journalisten auszuhelfen. Nach Abschluss des Autogesch\u00e4fts fragte ihn Reinhardt, ob er nicht noch bleiben und f\u00fcr ihn arbeiten wolle. Nachdem sich Jimale als vertrauensw\u00fcrdiger Ortskundiger erwiesen hatte, wollte er\u00a0 selbst filmen \u2013 und bekam spontan eine Kamera in die Hand gedr\u00fcckt. \u201eDabei wusste ich leider \u00fcberhaupt nicht, wie man so ein Ding bedient\u201c, sagt er und lacht. Nur Wochen sp\u00e4ter sollte sein Filmmaterial von den K\u00e4mpfen in\u00a0Mogadischu um die Welt gehen.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr seine Arbeit bekam Jimale 600 Dollar, was ihn in Somalia zu einem reichen, angesehenen Mann machte. Damit wurde er aber auch zur Zielscheibe der rivalisierenden Clans. Mehrmals floh er deswegen nach Nairobi oder versteckte sich tagelang an geheimen Orten in Mogadischu. Als er gerade wieder einmal in Nairobi Unterschlupf gesucht hatte, bemerkte er, dass sein Gehalt seit Monaten \u00fcberf\u00e4llig war. Er rief im ARD-Studio an. Die knappe Antwort der Sekret\u00e4rin: \u201eDu arbeitest nicht mehr f\u00fcr uns, also gibt es auch kein Gehalt\u201c. \u201eDas war einer meiner schlimmsten Tage\u201c, sagt er heute. Er hatte sich gerade erhofft, in Nairobi ein neues, friedlicheres Leben aufzubauen. Familie und Freunde hatten ihm aus Angst um sein und ihr eigenes Leben geraten, Somalia f\u00fcr immer zu verlassen.<\/p>\n<p>Die vollkommen ungeregelten Arbeitsverh\u00e4ltnisse der Stringer sind nicht nur in Somalia ein Problem. Auch in anderen L\u00e4ndern sind die Stringer willkommene Helfer auf Zeit, ohne Arbeitsvertrag oder gewerkschaftliche Absicherung, wie die taz-Korrespondentin Joanna Itzek zu berichten wei\u00df. Wie k\u00f6nnte sich ihre Lage verbessern? \u201eDurch Transparenz\u201c, sagt Itzek. \u201eWenn jemand 50 Prozent einer Story mitmacht, muss er auch erw\u00e4hnt werden. Au\u00dferdem ist\u00a0 eine anst\u00e4ndige Ausbildung wichtig, damit die Stringer in die internationale Journalistencommunity aufgenommen werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mogadischu, 1992 &#8211; In Somalia herrscht Ausnahmezustand: Ein Gro\u00dfteilteil der Bev\u00f6lkerung ist vom Hungertod bedroht, w\u00e4hrend sich die verfeindeten Clans erbitterte K\u00e4mpfe liefern und sich das Scheitern der UN-Mission abzeichnet. In einem solchen Chaos kann sich ein ausl\u00e4ndischer Journalist nur mit der Unterst\u00fctzung eines Einheimischen zurecht finden \u2013 den Stringern. 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