{"id":5522,"date":"2015-10-24T12:21:20","date_gmt":"2015-10-24T10:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=5522"},"modified":"2016-02-15T15:03:11","modified_gmt":"2016-02-15T14:03:11","slug":"fruchtbare-schnittstelle-oder-vermintes-gelaende-wie-datenjournalismus-und-wissenschaft-voneinander-profitieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/fruchtbare-schnittstelle-oder-vermintes-gelaende-wie-datenjournalismus-und-wissenschaft-voneinander-profitieren\/","title":{"rendered":"Fruchtbare Schnittstelle oder vermintes Gel\u00e4nde?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5515\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/MG_5362-flexslider.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5515\" class=\"wp-image-5515 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/MG_5362-flexslider-300x200.jpg\" alt=\"Foto: Franziska Senkel\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/MG_5362-flexslider-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/MG_5362-flexslider-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/MG_5362-flexslider.jpg 556w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5515\" class=\"wp-caption-text\">Auftaktdiskussion der Tagung: Wie Datenjournalismus und Wissenschaften voneinander profitieren. Foto: Franziska Senkel<\/p><\/div>\n<h3>Wie Datenjournalismus und Wissenschaft voneinander profitieren<\/h3>\n<p>Von Sophie Rotgeri<\/p>\n<p>Wie viele Menschen sterben bei dem Versuch, nach Europa zu fl\u00fcchten? Warum gibt es in manchen Regionen kaum noch \u00c4rzte? Und warum ergab der Zensus 2011, dass Deutschland viel weniger Einwohner hat als gedacht? Wenn Journalisten sich solchen Fragen mit Tabellen, Diagrammen und statistischen Methoden n\u00e4hern, kommt schnell die Frage auf: Ist das noch Journalismus oder schon Wissenschaft?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Datenjournalismus in Deutschland ist jung und noch in der Findungsphase. \u00c4lter ist dagegen die Debatte darum, wie wissenschaftlich Journalismus sein sollte: Der US-amerikanische Journalist Philip Meyer forderte bereits in den 1970er Jahren, dass Journalisten Daten erheben und zu Meinungsforschern werden. Nach wie vor erntet dieser Ansatz aber von vielen Wissenschaftlern Kritik. So auch auf der <a href=\"http:\/\/sched.co\/3xoe\" target=\"_blank\">Auftaktsdiskussion zur nr-Tagung \u201eDatenlabor\u201c <\/a>an der TU Dormund.<\/p>\n<p><strong>Journalisten d\u00fcrfen keine \u201eQuick-and-dirty-Wissenschaftler\u201c sein<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir haben keinen Mangel daran, dass sich Leute Daten angucken\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/hornbostel?iframe=no&amp;w=i:100;&amp;sidebar=yes&amp;bg=no#.VitRN-fg__4\" target=\"_blank\">Stefan Hornbostel<\/a>, Leiter des Instituts f\u00fcr Forschungsinformation und Qualit\u00e4tssicherung in Berlin. Statt selber Daten zu erheben oder zu analysieren, sollten Journalisten fundiert \u00fcber wissenschaftliche Analysen berichten \u2013 oder darauf hinweisen wenn Daten zu wichtigen Themen fehlen, so der Professor f\u00fcr Soziologie und Wissenschaftsforschung: \u201eSolche Dinge scheinen mir viel wichtiger zu sein, als dass wir noch ein paar Leute haben, die noch mehr Daten analysieren\u201c. Journalisten d\u00fcrften nicht zu \u201eQuick-and-dirty-Wissenschaftlern\u201c werden.<\/p>\n<p>Auch die Dortmunder Informatikprofessorin <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/katharina.morik#.VitRsefg__4\" target=\"_blank\">Katharina Morik<\/a> sieht die Aufgabe von Journalisten eher in der kompetenten Berichterstattung \u00fcber Daten als in der eigenen Datenanalyse. Aufgabe von Journalisten sei zum Beispiel, ein Bewusstsein \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Risiken von Big Data zu schaffen: \u201eSie m\u00fcssen den Wert der Daten kennen, sie m\u00fcssen den Umgang mit Daten kennen und sie m\u00fcssen eigene Erfahrungen haben. Um dann auch \u00fcber Dinge berichten zu k\u00f6nnen, die mit einer solchen F\u00fclle von Daten entstehen, dass sie kein Mensch Zuhause machen kann\u201c. Was etwa Google aus den riesigen Datenmengen seiner Nutzer lese, k\u00f6nne niemand nachvollziehen. Gerade deshalb sei es aber wichtig dar\u00fcber mit kritsichem Blick zu berichten. Schlie\u00dflich betreffe das Thema jeden Smartphone-Nutzer.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"de\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"de\">Wissenschaftler: Datenjournalisten sollten die Bedeutung von Big Data vermitteln, Datenjournalisten skeptisch <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/datenlabor15?src=hash\">#datenlabor15<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Stefan Baack (@tweetbaack) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tweetbaack\/status\/657494222740787200\">23. Oktober 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Sollten Journalisten also die Finger von der eigenen Datenanalyse lassen? <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/r.spiller#.VitSKufg__4\" target=\"_blank\">Ralf Spiller<\/a> von der Macromedia-Hochschule in K\u00f6ln, der in einer Studie zahlreiche Datenjournalisten befragt hat, sieht das nicht so: \u201eWir sind eine demokratische, offene Gesellschaft, die Tools stehen zur Verf\u00fcgung und wer sie benutzen will, soll sie benutzen\u201c, sagt er. Zudem w\u00fcrden Datenjournalisten meist ohnehin mit vergleichsweise kleinen Datens\u00e4tzen arbeiten: \u201eDatenjournalismus ist nicht, mit gigantischen Algorithmen gigantische Datens\u00e4tze zu berechnen. Es gibt auch keinen, der klinische Studien selber macht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Journalisten haben andere Fragen an Daten als Wissenschaftler<\/strong><\/p>\n<p>Wissenschaftsjournalist <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/volkerstollorz#.VitTZefg__4\" target=\"_blank\">Volker Stollorz<\/a> geht noch einen Schritt weiter: Journalisten d\u00fcrfen sich nicht nur mit Daten besch\u00e4ftigen \u2013 sie m\u00fcssen sogar, um weiterhin ihrer journalistischen Aufgabe gerecht zu werden: \u201eWenn die Wirklichkeit erkl\u00e4rt wird durch Daten, dann kann der Journalismus, meiner Meinung nach nicht ohne Datenjournalismus sein\u201c, sagt der Leiter des neuen\u00a0Science Media Center Germany. In einer immer komplexeren Welt sei Datenjournalismus notwendig. Da Journalisten sich am \u00f6ffentlichen Informationsinteresse orientierten, w\u00fcrden sie unter Umst\u00e4nden auch mit anderen Fragestellungen an einen Datensatz herangehen als Wissenschaftler. \u201eDatenjournalismus ist sozusagen ein Werkzeug im Journalismus\u201c, sagt Stollorz. \u201eDas ist eben Journalismus, unter Hinzuziehen von wissenschaftlichen Methoden, aber es ist keine Wissenschaft.\u201c<\/p>\n<p><strong>Redaktionelle Zw\u00e4nge versus wissenschaftliche Standards<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nne von Datenjournalisten auch keine wissenschaftlichen Standards erwarten, sagt Medienwissenschaftler Spiller: \u201eNur weil jemand mit Daten arbeitet und sich Datenjournalist nennt, kann man nicht von ihm erwarten, dass er wie ein Wissenschaftler arbeitet, er bleibt weiter Journalist und unter redaktionellen Zw\u00e4ngen\u201c. Trotzdem sei es wichtig selbstkritisch mit der eigenen Arbeit umzugehen. \u201eDie eigene Reflexion dar\u00fcber, wie unzureichend ist eigentlich mein Datensatz: von der Menge her, auch von der Aussagekraft der Daten. Das wird selten oder nie thematisiert. Da gibt es sicher Nachholbedarf, ganz klar\u201c, sagt Spiller.<\/p>\n<p><strong>Journalisten und Wissenschaftler sollten \u201eihre Spitzen zusammenf\u00fchren\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Informatikerin Morik hat bereits mehrfach mit Journalisten zusammengearbeitet. F\u00fcr sie w\u00e4re das Ziel, dass Journalisten und Wissenschaftler ihre Kompetenzen im Datenjournalismus vereinen und so \u201eihre Spitzen zusammenf\u00fchren\u201c.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"de\"><p>Na das w\u00e4rs doch: &#8220;Beide Spitzen zusammenf\u00fchren&#8221;, damit sich Wissenschaftler und Datenjournalisten erg\u00e4nzen. Frau Morik beim <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/datenlabor15?src=hash\">#datenlabor15<\/a> \u2014 Kira Schacht (@daten_drang) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/daten_drang\/status\/657495951469379584\">23. Oktober 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>An manchen Stellen geschieht das bereits mit Erfolg, etwa bei der Frage nach den verstorbenen Fl\u00fcchtlingen auf dem Weg nach Europa: Im Projekt <a href=\"http:\/\/www.themigrantsfiles.com\/\" target=\"_blank\">\u201eThe Migrants&#8217; Files\u201c<\/a> half ein Professor der Universit\u00e4t Bologna mit seinen Studierenden bei der Verifikation der Daten, die Journalisten in einem europaweiten Projekt zusammengetragen hatten.<\/p>\n<p>Dass Datenjournalisten ohnehin bereits h\u00e4ufig in interdisziplin\u00e4ren Teams arbeiten, ergab auch die <a href=\"http:\/\/www.wpk.org\/quarterly\/einzelartikel\/wie-wissenschaftlich-ist-datenjournalismus.html\" target=\"_blank\">Umfrage<\/a> von Medienwissenschaftler Spiller und seinem Kollegen Stefan Weihnacht. \u201eDer Datenjournalist arbeitet normalerweise nicht allein, weil er \u00fcber diese verschiedenen Kompetenzen nicht alle verf\u00fcgt\u201c, so Spiller. Stattdessen w\u00fcrden h\u00e4ufig Informatiker, Visualisierer und Journalisten ihre F\u00e4higkeiten vereinen. Und das Interesse der Wissenschaftler an Kooperationen scheint zu wachsen \u2013 wie auch die nr-Tagung \u201eDatenlabor\u201c zeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Datenjournalismus und Wissenschaft voneinander profitieren Von Sophie Rotgeri Wie viele Menschen sterben bei dem Versuch, nach Europa zu fl\u00fcchten? Warum gibt es in manchen Regionen kaum noch \u00c4rzte? Und warum ergab der Zensus 2011, dass Deutschland viel weniger Einwohner hat als gedacht? 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