{"id":5707,"date":"2015-11-05T17:13:57","date_gmt":"2015-11-05T16:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=5707"},"modified":"2015-11-09T12:17:06","modified_gmt":"2015-11-09T11:17:06","slug":"der-visualisierungskuenstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-visualisierungskuenstler\/","title":{"rendered":"Der Visualisierungsk\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5662\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5662\" class=\"wp-image-5662 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435-300x200.jpg\" alt=\"Till Nagel, Designer und Wissenschaftler am &quot;Urban Complexity Lab&quot; der FH Potsdam. Foto: Franziska Senkel\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435-300x200.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Till_Nagel_5435.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5662\" class=\"wp-caption-text\">Till Nagel, Designer und Wissenschaftler am &#8220;Urban Complexity Lab&#8221; der FH Potsdam. Foto: Franziska Senkel<\/p><\/div>\n<p>Von Katharina Schmitz<\/p>\n<p>Damit seine Mutter seine Arbeit versteht, hat <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/tillnagel#.Vjt_n6QpOyw\" target=\"_blank\">Till Nagel<\/a> eins seiner Projekte auf Postkarten gedruckt. Ein Jahr lang hat er seine t\u00e4glichen Fahrradstrecken mit einer Smartphone-App getrackt und die Daten anschlie\u00dfend auf eine digitale Karte \u00fcbertragen. Die Erkenntnis: Till Nagel f\u00e4hrt viel Fahrrad. Doch seine Mutter sa\u00df mehrere Stunden vor dem Computer und versuchte herauszufinden, wo ihr Sohn sich herumtreibt. So kam der Designer auf die Idee, <a href=\"http:\/\/tillnagel.com\/2013\/08\/one-year-of-biking\/\" target=\"_blank\">zw\u00f6lf Postkarten<\/a> zu drucken, f\u00fcr jeden Monat eine. Nun kann seine Mutter eine Karte in die Hand nehmen, zwei Monate miteinander vergleichen oder erkennen, dass ihr Sohn im Winter wohl nicht so gerne Fahrrad f\u00e4hrt.<!--more--><\/p>\n<p>Er hat eine moderne Datenvisualisierung zur\u00fcck aufs Papier gebracht. Ist das nicht ein R\u00fcckschritt? Nein, f\u00fcr Till Nagel ist das Medium egal, solange die Geschichte beim Nutzer ankommt. Daf\u00fcr sei \u00c4sthetik wichtig, dann nehme der Betrachter eine Geschichte eher an. Deshalb ist Till Nagel Gestalter, ihm ist wichtig, dass seine Arbeit einen Mehrwert f\u00fcr Laien hat.<\/p>\n<p>Obwohl er Daten erhebt, aufbereitet, analysiert, visualisiert, mit seinen Nutzern kommuniziert und ihm das Wichtigste ist, dass die Ergebnisse die \u00d6ffentlichkeit erreichen, bezeichnet Nagel sich nicht als Datenjournalist. Er stellt sich als Forscher, Gestalter und Informatiker vor. Als Dozent an der FH Potsdam, bringt er jedoch auch angehenden Datenjournalisten bei, wie man Daten analysiert und visualisiert.<\/p>\n<p><strong>Vom Chaos zur aussagekr\u00e4ftigen Darstellung<\/strong><\/p>\n<p>Er beschreibt die Motivation f\u00fcr seine Arbeit etwas philosophisch: Er m\u00f6chte verstehen, wie und wo er sich durch die Welt bewegt, konkret physisch: Wann geht er wie von A nach B, wo war er im Urlaub, wo auf Konferenzen, welche R\u00e4ume hat er beschritten? Als Kind lag er noch vor Atlanten, heute arbeitet er viel mit Daten mit geor\u00e4umlichen Bezug, zum Beispiel Verkehrsdaten in St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Er erforscht Daten, indem er sie visualisiert. Wie er das angeht, hat er in seinem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=n5B0wThCxIw&amp;index=5&amp;list=PLr8RTcS5UiniN1S9Ohws3P5NyUasnz9ix\" target=\"_blank\">Vortrag auf der netzwerk-recherche-Fachkonferenz Datenlabor<\/a> erz\u00e4hlt. Er arbeitet nicht nach einem starren Konzept, sondern experimentiert mit den Daten herum. Am Anfang ist das Chaos, er probiert verschiedene Visualisierungen f\u00fcr einen Datensatz aus, schaut dann, ob sich schon Bez\u00fcge oder Ausrei\u00dfer erkennen lassen. Nebenbei schreibt er sich selbst einige Programme, die ihm bei der Analyse und Aufbereitung der Daten helfen. Als Doktor der Informatik kann er das. Dann ver\u00e4ndert er wieder einzelne Dinge in der Visualisierung, probiert sich weiter durch, bis er ein Ergebnis hat, das sich sehen lassen kann.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"500\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Die Kunst, eine Geschichte in einer Linie zu erz\u00e4hlen. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tillnm?ref_src=twsrc%5Etfw\">@tillnm<\/a> \u00fcber Datenvisualisierung bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/datenlabor15?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#datenlabor15<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/ddj?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#ddj<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/jIKkIk8TVV\">pic.twitter.com\/jIKkIk8TVV<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Hendrik Lehmann hendriklehmann.bsky.social (@plateauton) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/plateauton\/status\/657586790400921600?ref_src=twsrc%5Etfw\">October 23, 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Projekt <a href=\"http:\/\/tillnagel.com\/2013\/12\/shanghai-metro-flow\/\" target=\"_blank\">Shanghai Metro Flow<\/a>, eine Visualisierung, die ein Charakteristikum Shanghais darstellt: die t\u00e4glich von acht Millionen Menschen genutzte Metro. Das Ergebnis zeigt vor allem den starken Kontrast zwischen der offizielle Metrokarte und der von ihr abgebildeten realen Umwelt. Beispielsweise sind die \u00e4u\u00dferen Stadtbezirke auf den aush\u00e4ngenden offiziellen Karten deutlich verzerrt und so verkleinert, dass sie gut abgebildet werden k\u00f6nnen. So ist die Karte \u00fcbersichtlicher als die Darstellung von Till Nagel, jedoch spiegelt sie in vielerlei Hinsicht nicht die Realit\u00e4t wider. Mit Nagels Visualisierung kann der Betrachter die wahren Strecken \u00fcberblicken, Hauptverkehrszeiten und die Auslastung einzelner Linien zu bestimmten Zeitpunkten vergleichen.<\/p>\n<p><strong>Visualisierungen transportieren eine Meinung<\/strong><\/p>\n<p>Till Nagel betont, dass es wichtig ist, eine Erkl\u00e4rung zur Grafik mitzuliefern, zum Beispiel warum er bestimmte Daten ausgew\u00e4hlt hat oder eine Legende, wie bei der Shanghai-Metro-Visualisierung. Denn durch Grafiken und Visualisierungen kommuniziert er mit dem Betrachter. Auch Datenjournalisten sollten vorsichtig sein und darauf achten, was sie mit ihren Grafiken erreichen wollen, sagt er. Visualisierungen transportierten allein schon durch die Auswahl der Daten fast immer direkt oder indirekt eine Meinung.<\/p>\n<p>Auch wenn Nagel alle Voraussetzungen mitbringt, um als Datenjournalist zu arbeiten: Derzeit m\u00f6chte er die Forschung nicht verlassen. Gerade bastelt er an einem neuen Projekt \u2013 wieder eins mit Fahrrad-Daten.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"500\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">M\u00e4andern &#8211; \u00dcber den Gestaltungsprozess von Visualisierungen. Mein Talk vom <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/datenlabor15?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#datenlabor15<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/o9WQLRSfDL\">https:\/\/t.co\/o9WQLRSfDL<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/LGD070pj8X\">pic.twitter.com\/LGD070pj8X<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Till Nagel (@tillnm) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tillnm\/status\/661127066897747968?ref_src=twsrc%5Etfw\">November 2, 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p><em>Mehr zum Thema:<\/em><\/p>\n<p><em><a title=\"Clicki-Bunti und Data Porn \u2013 Wie viel Visualisierung braucht der Datenjournalismus?\" href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/clicki-bunti-und-data-porn-wie-viel-visualisierung-braucht-der-datenjournalismus\/\">Zum Artikel &#8220;Clicki-Bunti und Data Porn \u2013 Wie viel Visualisierung braucht der Datenjournalismus?&#8221;<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Katharina Schmitz Damit seine Mutter seine Arbeit versteht, hat Till Nagel eins seiner Projekte auf Postkarten gedruckt. 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