{"id":5970,"date":"2016-01-15T18:31:46","date_gmt":"2016-01-15T17:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=5970"},"modified":"2016-01-24T16:39:53","modified_gmt":"2016-01-24T15:39:53","slug":"datenstau-im-amt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/datenstau-im-amt\/","title":{"rendered":"Datenstau im Amt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5998\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/jaypeg\/5163095247\/in\/photolist-4WE53C-bnvms-7GvWF9-m7o7j8-arrTMF-qZwvTA-q91YG-6PyH2W-5tmTpq-3982ig-6vS8xm-q91Y5-8Sfdkz-7J8ZVd-UQrj-iB4Cu-cQC2k-r2Dh7Y-9dTL8b-7Vij8G-5iqwd-8ZUCwq-dE7M2-71wuBc-7iGEFX-61NADH-5nfpHW-6dKzgF-EyK9V-EyK8Z-EyKdq-4TQr2-6N1Vt4-9pGXtE-2rU5ZM-gKdQN-qCgtG-5B1szo-6EznNd-qCgzm-a87VA-2cEzH-6EvbZg-6Evcoa-63ca7R-a87RQ-4n1Axd-4QQG8j-4W6qfz-4oyExt\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5998\" class=\"size-medium wp-image-5998\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/5163095247_db804428e9_z-300x201.jpg\" alt=\"Viele Daten, mit denen Beh\u00f6rden immer noch arbeiten, existieren nur auf Papier. (Bild: Flickr\/Jaypeg)\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/5163095247_db804428e9_z-300x201.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/5163095247_db804428e9_z-272x182.jpg 272w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/5163095247_db804428e9_z.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5998\" class=\"wp-caption-text\">Viele Daten, mit denen Beh\u00f6rden immer noch arbeiten, existieren nur auf Papier. Bild: Flickr\/Jaypeg<\/p><\/div>\n<p>Von Markus Meyer-Gehlen<\/p>\n<p>So ein Informationsfreiheitsgesetz ist eine feine Sache: Jeder kann sich Fakten \u00fcber die Angelegenheiten des Bundes besorgen, um sich dann eine Meinung zu bilden. Welcher Abgeordnete war auf welcher Konferenz anwesend? Welche Daten beziehen Bundesministerien von Telefonanbietern? Und wer kann \u00fcberhaupt auf sie zugreifen? Eine Anfrage gen\u00fcgt \u2013 und jedem Bundesb\u00fcrger m\u00fcssen alle \u00f6ffentlichen Informationen zu beliebigen Themen zug\u00e4nglich gemacht werden. Zumindest theoretisch. Doch was steht der Datenfreiheit nicht alles im Weg: Schutz der Privatsph\u00e4re einzelner, Schutz von Staatsgeheimnissen, laufende Verfahren \u2026 Es scheint immer einen Grund zu geben, warum Daten gerade doch nicht \u00f6ffentlich gemacht werden k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<p>Bei Gesundheitsthemen sind Patientendaten nat\u00fcrlich streng vertraulich; bei politischen Recherchen muss die Privatsph\u00e4re der Abgeordneten gesch\u00fctzt werden. Und selbst, wenn es sich um ein vermeintlich harmloses Thema handelt, garantiert das nicht immer ein reibungsloses Verfahren. Denn ist der Arbeitsaufwand \u201eunzumutbar\u201c, kann es unter Umst\u00e4nden ewig dauern, bis der Bund die geforderte Information herausr\u00fcckt; oder es wird teuer. Und zwar so teuer, dass die Anfrage dann oft doch fallen gelassen wird.<\/p>\n<p><strong>Werden Daten systematisch zur\u00fcckgehalten?<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts solchen H\u00fcrden stellt sich die Frage: Steckt Methode dahinter? Werden B\u00fcrger und Journalisten so systematisch hinters Licht gef\u00fchrt? Oder bringen diejenigen, die eine Auskunft suchen, blo\u00df zu wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die organisatorischen Schwierigkeiten einer solchen Anfrage auf?<\/p>\n<p>Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz will organisatorische H\u00fcrden oft nicht als Ausrede gelten lassen. \u201eFr\u00fcher war das nat\u00fcrlich etwas anderes\u201c, sagt er, \u201ewenn da aus Datenschutzgr\u00fcnden 10.000 Dokumente \u00fcberpr\u00fcft und geschw\u00e4rzt werden mussten, dann war das nat\u00fcrlich ein ziemlicher Aufwand.\u201c Doch heute m\u00fcsse niemand mehr mit dem schwarzen Marker vor den Unterlagen sitzen und von Hand pers\u00f6nliche Daten zensieren. \u201eNat\u00fcrlich kommt es immer auf den Einzelfall an\u201c, sagt Stollorz, \u201eaber oft hat man das Gef\u00fchl, es k\u00f6nnte alles viel einfacher gehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ein Flaschenhals, der mit Technik zu beseitigen w\u00e4re<\/strong><\/p>\n<p>Bei seinen Recherchen im Gesundheitswesen ist er dabei selbst an diese Grenze gesto\u00dfen. Zulassungsdaten f\u00fcr bestimmte Medikamente sind zwar theoretisch frei zug\u00e4nglich, doch die zust\u00e4ndige Mitarbeiterin kann pro Tag eben nur ein bestimmtes Arbeitspensum erf\u00fcllen. Und je nach Gr\u00f6\u00dfe der Anfrage stauen sich die Daten dort auf unabsehbare Zeit. Ein klassischer Flaschenhals, der den Informationsfluss hemmt \u2013 und der nach Ansicht von Stollorz mithilfe der heute zur Verf\u00fcgung stehenden Technik zu beheben w\u00e4re.<\/p>\n<p>Auch Kurt Jansson, Datenjournalist beim Spiegel, kann manche Praktiken nicht ganz verstehen: \u201eWenn man ein PDF-Dokument erh\u00e4lt, hat man schon den Verdacht, dass da jemand die Arbeit behindern will\u201c, sagt er, \u201ees gibt keinen vern\u00fcnftigen Grund, etwas als PDF weiterzugeben.\u201c Denn dann m\u00fcssten die Daten erst wieder extrahiert werden, was Zeitaufwand und Fehleranf\u00e4lligkeit bedeute.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"500\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">&quot;Pdf ist der totale Schmerz, Papier auch&quot; (K.Jansson).<br \/>W\u00e4re sch\u00f6n, wenn Journalisten Infos in Excel-Tabellen recherchierten \ud83d\ude42 <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/datenlabor15?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#datenlabor15<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Eva Wolfangel (@evawolfangel) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/evawolfangel\/status\/657859759769538560?ref_src=twsrc%5Etfw\">October 24, 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Vom analogen Blickwinkel aus betrachtet, k\u00f6nnte man das PDF hingegen schon als fortschrittlich bezeichnen: Denn viele Daten, mit denen Beh\u00f6rden arbeiten, existieren nach wie vor nur auf Papier \u2013 und das ist f\u00fcr eine reibungslose Verarbeitung noch schlimmer als ein PDF-Dokument. Computer gab es nun einmal fr\u00fcher nicht und alle verstaubten Aktenordner aus Beh\u00f6rdenkellern in eine digitale Form zu bringen, ist ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p><strong>Den perfekten Datenfluss gibt es nicht<\/strong><\/p>\n<p>Iryna Gurevych, Professorin an der TU Darmstadt und Expertin f\u00fcr maschinelles Lernen sieht hier gro\u00dfe Schwierigkeiten: Generell sei zwar von Texterkennung bis zum automatischen Sortieren von gro\u00dfen Datenmengen schon vieles m\u00f6glich, doch es k\u00f6nne im Einzelfall oft noch sehr aufw\u00e4ndig sein, heterogene Quellen auszuwerten. Und Gurevych glaubt nicht an den perfekten Datenfluss. Es werde immer F\u00e4lle geben, in denen das Rohmaterial nur sehr schwer zu bearbeiten ist. Ist ein Generalverdacht gegen Institutionen, die Daten mit vermeintlichen Ausreden zur\u00fcckhalten also unberechtigt?<\/p>\n<div id=\"attachment_6005\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.fragdenstaat.de\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6005\" class=\"size-medium wp-image-6005\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/frag_den_staat-e1453139228221-300x180.jpg\" alt=\"Das Portal fragdenstaat.de soll Anfragen nach Beh\u00f6rdendokumenten erleichtern.\" width=\"300\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/frag_den_staat-e1453139228221-300x180.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/frag_den_staat-e1453139228221-768x462.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/01\/frag_den_staat-e1453139228221.jpg 989w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6005\" class=\"wp-caption-text\">Das Portal fragdenstaat.de soll Anfragen nach Beh\u00f6rdendokumenten erleichtern. Bild: Screenshot www.fragdenstaat.de<\/p><\/div>\n<p>Vielleicht sollte man sich, um diese Frage zu beantworten, auf das Sprichworts von &#8220;Hanlon&#8217;s Razor&#8221; besinnen: \u201eGehe niemals von B\u00f6swilligkeit aus, wenn Dummheit eine ausreichende Erkl\u00e4rung ist.\u201c Oder im Fall der IFG-Anfragen: Schlechte Organisation. Ja, technisch g\u00e4be heute l\u00e4ngst die M\u00f6glichkeiten, Daten (fast) jeder Art effizient zu speichern und weiterzuverarbeiten. Aber in vielen Beh\u00f6rden und anderen Institutionen mahlen die M\u00fchlen langsam. Auch pflegt nicht jeder Mitarbeiter gerne Datenbanken oder Excel-Tabellen (und nicht jeder kann es). Ein Beispiel: Hochschulnoten \u2013 entscheidend f\u00fcr den Abschluss der Studierenden \u2013 werden im Pr\u00fcfungsamt der Technischen Universit\u00e4t Dortmund zumindest teilweise noch in Word-Dateien festgehalten. Das ist fehleranf\u00e4llig und alles andere als \u00fcbersichtlich. Ist dahinter b\u00f6se Absicht zu vermuten? Vermutlich nicht \u2013 doch so gespeicherte Daten sind eben nur von Hand weiterzuverarbeiten. Und das hemmt den Datenfluss erheblich.<\/p>\n<p><strong>Das papierlose Zeitalter ist noch jung<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Fehler, der durch schlechte Organisation entsteht, ist prinzipiell ein vermeidbarer Fehler. Aber Journalisten und andere, die staatlichen Stellen Informationen entlocken wollen, brauchen Geduld. Die Zeit, in der Papier noch das beste vorstellbare Speichermedium war, ist noch nicht so lange her, wie wir manchmal glauben. Noch sind die meisten Menschen nicht in der digitalen Welt aufgewachsen und brauchen deswegen auch noch ein Weilchen, sich an die neuen M\u00f6glichkeiten zu gew\u00f6hnen. Egal, wie gut die Technik zur Archivierung von Daten sein mag: Sie ist immer nur so gut wie die Menschen mit ihr umgehen k\u00f6nnen. Wenn also das n\u00e4chste Mal Informationen des Bundes aus organisatorischen Gr\u00fcnden leider nicht herausgegeben werden k\u00f6nnen, ist das sicher \u00e4rgerlich. Es muss aber keine b\u00f6se Absicht dahinter stecken \u2013 vielleicht hat nur ein Beamter seinen USB-Stick verlegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Markus Meyer-Gehlen So ein Informationsfreiheitsgesetz ist eine feine Sache: Jeder kann sich Fakten \u00fcber die Angelegenheiten des Bundes besorgen, um sich dann eine Meinung zu bilden. Welcher Abgeordnete war auf welcher Konferenz anwesend? Welche Daten beziehen Bundesministerien von Telefonanbietern? Und wer kann \u00fcberhaupt auf sie zugreifen? 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