{"id":6170,"date":"2016-01-24T19:00:37","date_gmt":"2016-01-24T18:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=6170"},"modified":"2016-01-31T16:17:32","modified_gmt":"2016-01-31T15:17:32","slug":"der-transparenz-verfechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-transparenz-verfechter\/","title":{"rendered":"Der Transparenz-Verfechter"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5663\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5663\" class=\"size-medium wp-image-5663\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/Timo_Grossenbacher_5539-300x200.jpg\" alt=\"Timo Grossenbacher ist Datenjournalist bei SRF Data. 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Foto: Franziska Senkel<\/p><\/div>\n<p>Von Anastasiya Polubotko<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/timo.grossenbacher\" target=\"_blank\">Timo Grossenbacher<\/a> glaubte schon fr\u00fch zu wissen, was oft falsch l\u00e4uft in den Medien. Und das noch bevor er selbst Journalist wurde. Schon als Geografie- und Informatikstudent kritisierte der Schweizer die Intransparenz medialer Berichterstattung. Und zwar nicht nur im Fernsehen und Radio, sondern auch in Print- und Online-Medien, wo Journalisten durch Verlinkungen eigentlich besonders einfach auf ihre Quellen hinweisen k\u00f6nnen. Das Problem sei ihm zwar medien- und ressort\u00fcbergreifend aufgefallen, sagt Grossenbacher, doch im Wissenschafts- und Datenjournalismus trete es besonders deutlich hervor: Wenn von Studien berichtet werde, ohne auf die Studie selbst direkt hinzuweisen. Oder, wenn Daten zwar h\u00fcbsch auf einer Karte visualisiert w\u00fcrden, aber als Rohdaten selbst nicht zug\u00e4nglich seien. Dann m\u00fcsse der Leser darauf vertrauen, dass der Journalist seine Arbeit gut getan habe. Aber wo bleibt der Beweis?<!--more--><\/p>\n<p><strong>Geschichten ans Licht bringen, Recherchen nachvollziehbar machen<\/strong><\/p>\n<p>Bevor Timo Grossenbacher 2014 zum <em>SRF-Data<\/em>-Team beim <em>Schweizer Radio und Fernsehen<\/em> stie\u00df, arbeitete er als Entwickler beim Z\u00fcricher Tages-Anzeiger. Doch mit dem Wechsel war f\u00fcr ihn klar: Er muss dort auch journalistisch t\u00e4tig werden. &#8220;Ich wollte Leute anrufen, ich wollte Interviews f\u00fchren und ich wollte Texte schreiben&#8221;, sagt er. Wieso? Weil er es besser machen wollte als die Kollegen, deren Recherchen nicht nachvollziehbar seien. Und weil er das Gef\u00fchl hatte, mit seiner Arbeit etwas bewegen zu k\u00f6nnen. Indem er Geschichten ans Licht bringt, die nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit gedacht waren, jedoch umso mehr Relevanz f\u00fcr die Gesellschaft haben.<\/p>\n<p>Als Datenjournalist h\u00e4lt der ehemalige Programmierer nun Vortr\u00e4ge zum Dokumentations-Defizit des (Daten-)Journalismus Doch vor allem macht er vor, wie Transparenz in der journalistischen Praxis aussehen kann: Er und seine Kollegen achten darauf, neben dem eigentlichen journalistischen Projekt auch dessen Entstehungsweg, die Beschreibung der Daten und verwendeten Methoden sowie den verwendeten Programmcode, zug\u00e4nglich und nachvollziehbar zu machen. Die Infos stellen Grossenbacher und sein Team <a href=\"http:\/\/srfdata.github.io\/\" target=\"_blank\">auf der Platform Github<\/a> online. Dort findet sich etwa zu einem <a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/notrecht-als-letztes-mittel-gegen-heikle-ruestungsexporte\" target=\"_blank\">St\u00fcck \u00fcber heikle R\u00fcstungsexporte <\/a><a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/notrecht-als-letztes-mittel-gegen-heikle-ruestungsexporte\" target=\"_blank\">der Schweiz\u00a0<\/a> eine <a href=\"https:\/\/github.com\/srfdata\/2015-05-notrecht-ruestungsexporte\" target=\"_blank\">genaue Beschreibung der Daten<\/a>, ihrer Verarbeitung in der Programmiersprache R und ihrer grafischen Aufbereitung.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Datenlabor 2015 in Dortmund: Timo Grossenbacher\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aykmeBTLI9k?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Bei Projekten, die auf der Basis von Daten entstanden sind, sei die Transparenz besonders wichtig, sagt Timo Grossenbacher. Denn gerade diese erweckten besonders leicht den falschen Eindruck von Objektivit\u00e4t. Daf\u00fcr reiche offenbar bereits die Tatsache, dass sie &#8220;aus dem Computer kommen&#8221;. Tats\u00e4chlich erledigten die Rechner zwar einen Teil der Arbeit, die Entscheidungen, so Grossenbacher, treffen allerdings stets die Journalisten dahinter: Sie machten Annahmen \u00fcber die gesammelten Daten, analysierten diese, lie\u00dfen Variablen weg. Sie w\u00e4hlten bewusst einen Weg der Darstellung, um auf Aspekte hinzuweisen, die sie als wichtig empf\u00e4nden. In jedem Schritt der Produktion gibt es neue Entscheidungen. Nur wenn diese Entscheidungen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht w\u00fcrden, k\u00f6nne sich der Leser selbst davon \u00fcberzeugen, ob das Resultat plausibel sei \u2013 und die Autoren hinterfragen und gegebenenfalls korrigieren.<\/p>\n<p>Gerade wegen der &#8220;Pseudo-Objektivit\u00e4t&#8221; der Daten sei es im Datenjournalismus besonders wichtig, transparent und reproduzierbar zu handeln. Timo Grossenbacher geht sogar noch weiter: Er ist der Meinung, dass ein Trend zu mehr Transparenz im Datenjournalismus sich auch auf den &#8220;klassischen&#8221; Journalismus sowie die Wissenschaft selbst positiv auswirken kann. Aber daf\u00fcr braucht es Zeit \u2013 und Menschen, die sich daf\u00fcr einsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag wurde am 31.01.2016 aktualisiert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Anastasiya Polubotko Timo Grossenbacher glaubte schon fr\u00fch zu wissen, was oft falsch l\u00e4uft in den Medien. 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