{"id":6352,"date":"2016-02-14T16:34:44","date_gmt":"2016-02-14T15:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=6352"},"modified":"2016-02-16T20:01:02","modified_gmt":"2016-02-16T19:01:02","slug":"attraktiv-zugaenglich-faktentreu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/attraktiv-zugaenglich-faktentreu\/","title":{"rendered":"Attraktiv, zug\u00e4nglich, faktentreu"},"content":{"rendered":"<h3>Welchen Anspr\u00fcchen m\u00fcssen datenjournalistische Visualisierungen gen\u00fcgen?<\/h3>\n<div id=\"attachment_6424\" style=\"width: 304px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6424\" class=\"size-medium wp-image-6424\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/figure_5-294x300.jpg\" alt=\"Die Infografik &quot;Diamonds were a girl's best friend&quot; aus dem Time Magazine von 1982. Mit freundlicher Genehmigung des Urhebers.\" width=\"294\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/figure_5-294x300.jpg 294w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/figure_5-768x783.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/figure_5-50x50.jpg 50w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/figure_5.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 294px) 100vw, 294px\" \/><p id=\"caption-attachment-6424\" class=\"wp-caption-text\">Die Infografik &#8220;Diamonds were a girl&#8217;s best friend&#8221; aus dem Time Magazine von 1982. Mit freundlicher Genehmigung des Urhebers.<\/p><\/div>\n<p>Von Xenia El Mourabit<\/p>\n<p>Lasziv r\u00e4kelt sich eine Frau auf dem Boden, den gro\u00dfen roten Mund leicht ge\u00f6ffnet, ein Bein elegant abgespreizt. Der hautenge Body erlaubt tiefe Einblicke in ihr Dekollet\u00e9. Mit einer kecken Bewegung schiebt die junge Dame ihren Zylinder aus dem Gesicht. Ihre Armreifen sind mit Diamanten besetzt; und um die geht es hier eigentlich. Denn die Dame leiht ihren K\u00f6rper einer <a href=\"http:\/\/www.jeffersonbailey.com\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2014\/12\/figure_5.jpg\" target=\"_blank\">Grafik des Time Magazine<\/a>, die den durchschnittlichen Preis von Diamanten zwischen 1978 und 1982 zeigt. Die Preisentwicklung l\u00e4uft entlang ihrer Konturen \u2013 Hintern, Oberschenkel, Unterschenkel, Fu\u00df. Wer aber hat angesichts dieser Figur noch Augen f\u00fcr schn\u00f6de Statistik? Der Preisverfall der Diamanten r\u00fcckt bei diesem Anblick vollkommen in den Hintergrund.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_5573\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/laurenmanning\/5659549292\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5573\" class=\"size-medium wp-image-5573\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/5659549292_0bd10dbc80_b-300x183.jpg\" alt=\"Alles so sch\u00f6n bunt hier! Aber wie sch\u00f6n darf und sollte Datenjournalismus sein? Datenvisualisierung von Lauren Manning\/flickr\" width=\"300\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/5659549292_0bd10dbc80_b-300x183.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2015\/10\/5659549292_0bd10dbc80_b.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5573\" class=\"wp-caption-text\">Wie viel Visualisierung braucht der Datenjournalismus \u00fcberhaupt? <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/clicki-bunti-und-data-porn-wie-viel-visualisierung-braucht-der-datenjournalismus\/\" target=\"_blank\">Lesen Sie dazu auch das Daten-Labor-Interview mit Sascha Venohr und Till Nagel.<\/a> Datenvisualisierung von Lauren Manning\/flickr<\/p><\/div>\n<p>Auch geben die nat\u00fcrlichen Rundungen der Frau an Po und Wade einen Kurvenverlauf vor, der die Faktenlage verf\u00e4lscht: Denn dar\u00fcber, wie der Diamantpreis sich zwischen den f\u00fcnf dargestellten Datenpunkten entwickelt hat, l\u00e4sst sich auf dieser Datenbasis gar nichts aussagen. Interessanter anzuschauen als ein schlichtes Liniendiagramm ist <a href=\"http:\/\/www.jeffersonbailey.com\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2014\/12\/figure_5.jpg\" target=\"_blank\">die Grafik &#8220;Diamonds Were a Girl\u2019s Best Friend&#8221;<\/a> aus dem Jahre 1982 sicherlich. Doch sie zeigt auch exemplarisch, wie eine ansprechende Aufmachung auf Kosten der Fakten gehen kann. Hier den richtigen Mittelweg zu finden, ist auch f\u00fcr den Datenjournalismus wichtig, denn er vereint hohe Anspr\u00fcche an Faktentreue und \u00e4sthetische Visualisierung gleicherma\u00dfen. Welchen Standards muss er also gen\u00fcgen, um ansprechend zu sein ohne dabei zu verzerren?<\/p>\n<p><strong>Qualit\u00e4tskriterien aus Wissenschaft, Journalismus und Design<\/strong><\/p>\n<p>Hinweise daf\u00fcr liefert die Wissenschaft: Zum einen erforschen spezialisierte Disziplinen, wie sich Daten optisch ansprechend aufbereiten lassen. Zum anderen hat sich die Wissenschaft selbst Regeln guter wissenschaftlicher Praxis auferlegt, um Ergebnisse komplexer Datenanalysen ad\u00e4quat zu visualisieren. Demnach w\u00fcrden wissenschaftliche Qualit\u00e4tskriterien wie Objektivit\u00e4t und \u00dcberpr\u00fcfbarkeit f\u00fcr Visualisierungen genauso gelten wie f\u00fcr andere wissenschaftliche Darstellungsformen, sagt <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/die-klimabild-expertin\/\" target=\"_blank\">Birgit Schneider<\/a>, die an der Universit\u00e4t Potsdam die Geschichte von Klimadarstellungen erforscht. Wichtig sei, dass die Datengrundlage einer Visualisierung ebenfalls diese Qualit\u00e4tskriterien erf\u00fclle, erkl\u00e4rt die Professorin f\u00fcr Medien\u00f6kologie. Um die Qualit\u00e4t wissenschaftlicher Ergebnisse zu beurteilen, gebe es standardisierte statistische Verfahren. Diese besagten beispielsweise wie gro\u00df Stichproben sein oder wie Linien in der Visualisierung gezogen werden m\u00fcssten.<\/p>\n<div id=\"attachment_6356\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/isriya\/5814824875\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6356\" class=\"wp-image-6356 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Tufte_books-300x225.jpg\" alt=\"Eine Einf\u00fchrung in gutes Design: Der Wissenschaftler Al Globus hat die wichtigsten Regeln aus den Hauptwerken Tuftes zusammengefasst. Hier geht es zur deutschen \u00dcbersetzung der Zusammenfassung. Foto: Isriya Paireepairit \/Flickr\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Tufte_books-300x225.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Tufte_books.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6356\" class=\"wp-caption-text\">Eine Einf\u00fchrung in gutes Design: Der Wissenschaftler Al Globus hat die wichtigsten Regeln aus den Hauptwerken Tuftes zusammengefasst. <a href=\"http:\/\/meiert.com\/de\/publications\/translations\/uregina.ca\/tufte\/#toc-guidelines\" target=\"_blank\">Hier<\/a> geht es zur deutschen \u00dcbersetzung der Zusammenfassung. Foto: Isriya Paireepairit \/Flickr<\/p><\/div>\n<p>Parallelen zu den wissenschaftlichen Qualit\u00e4tskriterien lassen sich im Journalimus zahlreich finden: Laut dem Journalismusforscher G\u00fcnther Rager sind Aktualit\u00e4t, Relevanz, Richtigkeit und Vermittlung die vier zentralen Faktoren f\u00fcr gute Berichterstattung. Sie gelten medien\u00fcbergreifend f\u00fcr Texte, Filme, Radiobeitr\u00e4ge \u2013 und eben auch f\u00fcr Visualisierungen.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6glichst wenig Schnickschnack \u2013 lasst die Daten sprechen!<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie steht es mit den Regeln f\u00fcr gutes Design? In der Praxis gebe es daf\u00fcr kein Patentrezept, sagt <a href=\"https:\/\/datenlabor15.sched.org\/speaker\/janerikstange\" target=\"_blank\">Jan-Erik Stange<\/a>, Designer und Dozent an der FH Potsdam. Man m\u00fcsse sich jedes Mal aufs neue Gedanken dar\u00fcber machen, wie Muster in den Daten am besten sichtbar gemacht werden k\u00f6nnen. Es gebe aber einige Erfahrungswerte und Anhaltspunkte: Zusammengeh\u00f6rige Elemente sollten in einer Visualisierung beispielsweise auch \u00e4hnlich gestaltet sein oder nah beieinanderliegen. Stange verweist auch auf die Literatur von Edward Tufte, einem Statistiker, der heute als Pionier der Datenvisualisierung gilt.<\/p>\n<div id=\"attachment_6375\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.infovis-wiki.net\/index.php?title=Data-Ink_Ratio\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6375\" class=\"size-medium wp-image-6375\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/data-ink-ratio-300x99.jpg\" alt=\"Tuftes &quot;Zauberformel&quot; f\u00fcr gutes Design: Das Data-Ink-Ratio soll im gegen eins gehen. Bild: infovis-wiki.net \" width=\"300\" height=\"99\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/data-ink-ratio-300x99.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/data-ink-ratio.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6375\" class=\"wp-caption-text\">Tuftes &#8220;Zauberformel&#8221; f\u00fcr gutes Design: Das Data-Ink-Ratio soll gegen eins gehen. Bild: infovis-wiki.net<\/p><\/div>\n<p>Die von Tufte aufgestellte Regel zur Gestaltung von Infografiken wird unter Designern heute schon fast als Zauberformel gehandelt: Die Menge der Tinte, die der reinen Darstellung der Daten dient, geteilt durch die Gesamtmenge der Tinte soll ungef\u00e4hr eins ergeben. Die Botschaft dahinter: M\u00f6glichst wenig Tinte f\u00fcr optischen Schnickschnack &#8211; lasst die Daten sprechen!<\/p>\n<p>Solche wissenschaftlichen Qualit\u00e4tskriterien zu erf\u00fcllen, stellt den Datenjournalismus ohne Zweifel vor eine gro\u00dfe Herausforderung \u2013 zumal diese Anspr\u00fcche mitunter sogar mit den journalistischen Qualit\u00e4tskriterien kollidieren. So kann die Aufbereitung von Daten zeitintensiv sein, was dem Kriterium der Aktualit\u00e4t widerspricht. Auch muss eigentlich jede Nachricht durch mindestens zwei voneinander unabh\u00e4ngige Quellen belegt sein. Bei datenjournalistischen Projekten bereite das h\u00e4ufiger Probleme, sagt <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-daten-akrobat\/\" target=\"_blank\">Sascha Venohr<\/a>, Head of Data Journalism bei Zeit Online. Oft gebe es nur eine Datenquelle, die m\u00fcsse der Journalist dann auf Plausibilit\u00e4t pr\u00fcfen und bewerten, ob sie glaubw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p><strong>Leser wollen rasch informiert werden<\/strong><\/p>\n<p>Ob eine Visualisierung als gut gilt, bemisst sich nicht zuletzt auch an den Anspr\u00fcchen des Zielpublikums \u2013 und dabei spielt Zeit eine wichtige Rolle. Wissenschaftler k\u00f6nnen einiges an Zeit aufwenden, um Abbildungen in einer Fachzeitschrift zu verstehen, denn das geh\u00f6rt zu ihrem Job. Auch Designer Stange w\u00fcnscht sich Nutzer, die Zeit und Interesse f\u00fcr seine Werke mitbringen, sich mit ihnen auseinandersetzen und sie richtig explorieren. Ein Ideal, von dem Journalisten nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen, denn Leser einer Tageszeitung oder Nachrichten-Webseite m\u00f6chten in der Regel rasch informiert werden. Journalistische Visualisierungen k\u00f6nnen deshalb nicht so komplex sein, wie die von Wissenschaftlern und nicht so experimentell, wie die von Designern.<\/p>\n<div id=\"attachment_6360\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/arselectronica\/7773462744\/in\/photolist-cQV2DJ-cQVrRq-6LKKLr-bEqZ1b-5T9GLy-5T5yKV-5T5qbt-5T5xNk-5T9RBE-5T9ABG-5T9Nc7-5T9TdA-5T9HxS-5T9yKU-5T5fQX-5T9wVC-5T9So9-5T9L9Q-5T9MqA-6NPe2Q-6W1eJj-5T9KbC-5T5pdP-cQVfyA-cQViCd-cQUXFE-s8SvsM-rtvTvD-aYNoV6-so2FZ3-sqhV9n-sqhTGp-s8Jo8b-sqjUbv-s6ZF7H-s8JoFW-kx6ji8-5T9HXs-5T9zRs-3xU81v-a94D5E-4P46At-3xU7Jc-4P8kdo-4P46wa-f22HwT-fMQDRi-nqTuks-wNQgYV-nqyEw4\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6360\" class=\"size-medium wp-image-6360\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Brain_viz-300x232.jpg\" alt=\"Diese Visualisierung zeigt Daten aus der Hirnforschung. Sie gewann zwar in der &quot;2012 Brain-Art Competition&quot;, f\u00fcr ein journalistisches Medium w\u00e4re sie aber vermutlich zu komplex. Bild: Ars Electronica\/Flickr\" width=\"300\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Brain_viz-300x232.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2016\/02\/Brain_viz.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6360\" class=\"wp-caption-text\">Diese Visualisierung zeigt Ergebnisse aus der Hirnforschung. Sie gewann 2012 die &#8220;Brain-Art Competition&#8221;; f\u00fcr ein journalistisches Medium w\u00e4re sie aber vermutlich zu komplex. Bild: Ars Electronica\/Flickr<\/p><\/div>\n<p>&#8220;Wir visualisieren Geschichten, wenn sie dadurch einen Mehrwert erhalten und einen besseren Zugang liefen&#8221;, sagt Venohr. Durch Visualisierungen lie\u00dfen sich Geschichten h\u00e4ufig viel schneller und einfacher erfassen als durch einen normalen Text. Eine \u00e4hnliche Motivation steckt auch hinter den Visualisierungen der Wissenschaft: Mit ihrer Hilfe lassen sich Erkenntnisse leichter gewinnen und mit Kollegen teilen. Vermutlich w\u00fcrden sowohl Wissenschaftler als auch Journalisten bejahen, dass sie mit m\u00f6glichst wenig optischem Schnickschnack m\u00f6glichst viel Erkenntnis an den Rezipienten bringen m\u00f6chten. Was \u00fcberfl\u00fcssiger Schnickschnack ist, h\u00e4ngt jedoch wiederum von der Zielgruppe ab. So w\u00fcrde eine journalistische Visualisierung, die zu viele Unsicherheiten in den Daten darstellt, die Geschichte verw\u00e4ssern, meint Venohr. <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/gestrichelt-verwischt-gerundet\/\" target=\"_blank\">Der Umgang mit Unsicherheiten gleicht f\u00fcr Journalisten daher einer Gratwanderung.<\/a> In der Forschung hingegen w\u00e4re es ein Versto\u00df gegen die gute wissenschaftliche Praxis, Unsicherheiten nicht zu zeigen.<\/p>\n<p><strong>Im Team neue Wege gehen<\/strong><\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Datenjournalisten, sich zwischen den Anspr\u00fcchen der verschiedenen Berufsfelder zu bewegen, ist interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit. Zu Venohrs Team bei Zeit Online beispielsweise geh\u00f6rt auch ein Designer. <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/der-kollege-vom-anderen-stern\/\" target=\"_blank\">Es sei wichtig, jemanden im Team zu haben, der Design auch wirklich k\u00f6nne und verstehe, sagt Venohr.<\/a> Der Designer m\u00fcsse eine Formsprache anbieten, die auch Lust mache, die Informationen aufzunehmen.<\/p>\n<p>Venohr schaut auch in Richtung der Wissenschaft. Datenjournalisten m\u00fcssen seiner Meinung nach den Mut haben, neue Wege zu gehen. Er sieht es als Herausforderung, seine Leser an neue Darstellungsformen heranzuf\u00fchren. Als Beispiel nennt er Streudiagramme, die nicht nur Mittelwerte zeigen, sondern auch Ausrei\u00dfer sichtbar machen, und aus denen er als Journalist spannende Geschichten generieren kann. Als exaktere Alternative zu Balken- oder Liniendiagrammen werden Streudiagramme in der Wissenschaft standardm\u00e4\u00dfig genutzt, im Journalismus sind sie bisher seltener zu finden. Sie k\u00f6nnten damit ein Beispiel daf\u00fcr sein, wie Journalismus von den Darstellungsformen der Wissenschaft profitiert. Damit journalistische Visualisierungen nicht nur ein ansprechendes Design haben, sondern auch korrekt sind. Und damit einzelne Datenpunkte nicht, wie bei der diamantenbehangenen Dame vom Anfang, der Sch\u00f6nheit wegen mit willk\u00fcrlichen Kurven verbunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welchen Anspr\u00fcchen m\u00fcssen datenjournalistische Visualisierungen gen\u00fcgen? Von Xenia El Mourabit Lasziv r\u00e4kelt sich eine Frau auf dem Boden, den gro\u00dfen roten Mund leicht ge\u00f6ffnet, ein Bein elegant abgespreizt. Der hautenge Body erlaubt tiefe Einblicke in ihr Dekollet\u00e9. 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