{"id":9458,"date":"2017-06-09T18:05:46","date_gmt":"2017-06-09T16:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=9458"},"modified":"2017-06-19T13:13:15","modified_gmt":"2017-06-19T11:13:15","slug":"drei-dinge-die-journalistinnen-mit-migrationshintergrund-im-redaktionsalltag-nerven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/drei-dinge-die-journalistinnen-mit-migrationshintergrund-im-redaktionsalltag-nerven\/","title":{"rendered":"Einmal T\u00fcrke &#8211; immer T\u00fcrke?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8280\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8280\" class=\"wp-image-8280 size-medium\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild-300x158.jpg\" alt=\"nr17-Beitragsbild\" width=\"300\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild-300x158.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild-768x403.jpg 768w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/02\/nr17-Beitragsbild.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8280\" class=\"wp-caption-text\">Illustration: Vincent Burmeister<\/p><\/div>\n<p>Werden Journalist*innen mit Migrationshintergrund in Redaktionen nur als \u201eAusl\u00e4nder vom Dienst&#8221; angesehen? So eindimensional ist die Erfahrung von Kolleg*innen mit Migrationshintergrund gar nicht. <em>Von Minh Thu Tran, DJS<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h3>Drei Dinge, die Journalist*innen mit Migrationshintergrund im Redaktionsalltag nerven:<\/h3>\n<p><strong>1. Wenn Redakteure unsensibel sind.<\/strong><br \/>\nJournalist*innen mit Migrationshintergrund sind ein vielf\u00e4ltiges Umfeld gew\u00f6hnt. Und sind bei ihrer Ankunft in Redaktionen h\u00e4ufig \u00fcberrascht, dass das Bild der weit gereisten und weltoffenen Journalist*innen nicht erf\u00fcllt wird. Sie erleben in der Hinsicht einen krassen \u201eKulturschock\u201c. Spr\u00fcche wie: \u201eIch wusste gar nicht, dass sich Frauen mit Kopftuch f\u00fcr Mode interessieren\u201c lassen bei Journalist*innen mit Migrationshintergrund dann h\u00e4ufig die Frage aufkommen: Will ich mich wirklich mit ein solches Arbeitsumfeld begeben, in dem solche Fragen gestellt werden?<\/p>\n<p><strong>2. Wenn sie in Schubladen gesteckt werden.<\/strong><br \/>\nJournalist*innen mit Migrationshintergrund sind nicht zwangsl\u00e4ufig Experten f\u00fcr Migration, Journalist*innen mit t\u00fcrkischem Namen sind nicht zwangsl\u00e4ufig Experten f\u00fcr T\u00fcrkeithemen und Journalist*innen mit arabischem Namen wollen nicht \u201enafritisiert\u201c werden. Und die Frage \u201ekennst du &#8216;nen T\u00fcrken?\u201c oder \u201ehast du Kontakte zur t\u00fcrkischen Community?\u201c k\u00f6nnen auch nerven &#8211; vor allem wenn nur oberfl\u00e4chliches Interesse besteht.<\/p>\n<p><strong>3. Der Weg in die Redaktionen und in F\u00fchrungspositionen ist ziemlich schwierig<\/strong>.<br \/>\nRedaktionen haben ziemlich hohe Einstellungsh\u00fcrden. Gefl\u00fcchtete Journalisten sind grunds\u00e4tzlich in Redaktionen willkommen \u2013 aber dann wird von Ihnen perfektes Deutschkenntnisse verlangt. Au\u00dferdem sind kaum Journalist*innen mit Migrationshintergrund in Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen und in \u201eNischenprodukten\u201c der Medienh\u00e4user.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-9497 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg-150x150.jpg\" alt=\"jabarine\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg-150x150.jpg 150w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg-300x300.jpg 300w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg-50x50.jpg 50w, https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2017\/06\/jabarine.320x320px.jpg.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Drei Fragen an Alena Jabarine<\/h3>\n<p><em>Alena Jabarine hat beim NDR volontiert und war als freie Mitarbeiterin f\u00fcr NDR Info, die Reportage und Panorama 3 im Einsatz. Seit M\u00e4rz ist sie Redakteurin beim WDR\/foryou.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Hattest du auch mal mit Selbstzweifeln zu k\u00e4mpfen und dem Gef\u00fchl, nur als Quotenausl\u00e4nderin in die Redaktion gekommen zu sein?<br \/>\n<\/strong>Nein, niemals. Zumal ich mich selbst nie als \u201eAusl\u00e4nderin\u201c betrachtet habe. Ich bin in Hamburg Lokstedt geboren, beim NDR um die Ecke, in Hamburg aufgewachsen, als Tochter einer deutschen Mutter. Allerdings haben Andere mir das manchmal suggeriert. Von Kollegen gab es Spr\u00fcche wie: \u201eDu wirst bestimmt irgendwann mal Tagesschausprecherin, das ist ja gerade in, Frauen mit Migrationshintergrund.&#8221; Diese Sichtweise hat mich schon \u00fcberrascht, sie hat wenig mit meinem privaten Umfeld zu tun, in dem Vielfalt einfach v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich ist, in dem ausl\u00e4ndische Wurzeln wenn \u00fcberhaupt, dann als interessantes Feature wahrgenommen werden. Naiverweise hatte ich nicht erwartet, dass unter Journalisten noch extrem in Schubladen gedacht wird.<\/p>\n<p><strong>2. Hast du das Gef\u00fchl, dass du als Mensch mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu einem wei\u00dfen Redakteur mehr als Person im Fokus stehst, wenn dein Name unter einem Beitrag steht, und nicht als Redakteurin?<br \/>\n<\/strong>Ich bin froh dar\u00fcber, dass mein Name nicht klar einer bestimmten Region bzw. Religion zugeordnet werden kann. H\u00e4tte ich einen klassisch muslimischen Namen, w\u00fcrde ich mir sicher Gedanken dar\u00fcber machen, wie das auf Zuschauer wirkt. Ob Menschen meine Objektivit\u00e4t in Frage stellen k\u00f6nnten. Ich merke sogar an mir selbst, dass ich \u00fcberrascht bin, wenn unter einem Leit-Artikel der FAZ , in dem es z.B. um das Thema Steuerhinterziehung geht, ein arabischer Autoren-Name steht. Wir sind das einfach nicht gewohnt. Ich bin mir sicher, Kollegen mit eindeutig arabisch\/muslimischen Namen sehen sich auch viel h\u00e4ufiger Hass- oder verleumdenden Zuschriften ausgesetzt.<\/p>\n<p><strong>3. Du hast ein Volontariat beim NDR gemacht \u2013 und ihr habt schon im Panel festgestellt, dass sich nicht wirklich viele Kolleg*innen mit Migrationshintergrund f\u00fcr Volos beim NDR bewerben. Was k\u00f6nnen Redaktionen wie der NDR daf\u00fcr tun, um f\u00fcr Journalist*innen mit Migrationshintergrund attraktiver zu sein?<br \/>\n<\/strong>Wir k\u00e4mpfen ohnehin schon darum, junge Menschen zu erreichen, geschweige denn, Menschen mit Migrationshintergrund. Ich vermute, dass die sich in unserem Programm einfach nicht widergespiegelt finden, und das ist kein Wunder. Noch arbeiten wir immer wieder mit den gleichen Klischee-Bildern, T\u00fcrken werden von einer dicken Frau mit Kopftuch symbolisiert, die man von hinten, zahlreiche Plastikt\u00fcten tragend und von Kindern umringt sieht. Als Protagonisten werden zumeist Deutsche gew\u00e4hlt, es sei denn, es geht explizit um \u201eMigrantenthemen\u201c. Geht es zum Beispiel um die mangelnde Anbindung von D\u00f6rfern in Schleswig-Holstein an den \u00f6ffentlichen Nahverkehr, warum nicht mal einen iranischen Protagonisten? Der zahlt doch auch Steuern und wartet genauso auf den Bus. Aber das w\u00fcrde die Zuschauer verwirren, so haben wir das im Volo gelernt. Die denken dann, in dem Beitrag ginge es um den Iran. Solange wir Medien diese Denkweise nicht \u00e4ndern, und dem Zuschauer weiterhin suggerieren, Deutschland sei eigentlich \u201ewei\u00df\u201c und bei Ausl\u00e4ndern gehe es nur um Themen wie Abschiebung, Ehrenmord oder D\u00f6nerbude, werden wir nichts \u00e4ndern. Und dann werden wir eben auch nicht als Arbeitgeber f\u00fcr junge angehende Journalisten attraktiv. Ich hoffe, dass sich da bald etwas \u00e4ndert, dass vielleicht die Fl\u00fcchtlingskrise und die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen jetzt auch neue Impulse in den Redaktionen setzen. Damit wir bald in bunten, vielf\u00e4ltigen Redaktionen Programm f\u00fcr unsere bunte, vielf\u00e4ltige Gesellschaft machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Minh Thu Tran auf twitter: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tran_vominhthu\" target=\"_blank\">@tran_vominhthu<\/a><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Infos zum Panel unter: <a href=\"http:\/\/sched.co\/AOXK\" target=\"_blank\">http:\/\/sched.co\/AOXK<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werden Journalist*innen mit Migrationshintergrund in Redaktionen nur als \u201eAusl\u00e4nder vom Dienst&#8221; angesehen? So eindimensional ist die Erfahrung von Kolleg*innen mit Migrationshintergrund gar nicht. 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