{"id":9952,"date":"2017-06-13T13:22:20","date_gmt":"2017-06-13T11:22:20","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=9952"},"modified":"2017-06-13T13:50:12","modified_gmt":"2017-06-13T11:50:12","slug":"wie-funktioniert-wahlkampf-in-den-sozialen-netzwerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/wie-funktioniert-wahlkampf-in-den-sozialen-netzwerken\/","title":{"rendered":"Wie funktioniert Wahlkampf in den sozialen Netzwerken?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nerv\u00f6s schauen die etablierten Parteien auf den Social-Media-Erfolg der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD), die dort mehr als doppelt so viele Anh\u00e4nger erreicht, wie sie. Was die Volksparteien besser machen k\u00f6nnen. <\/strong><em>Von Mathias Birsens, JONA\/KAS<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n&#8220;Wenn man meine Seite \u00f6ffnet an einem ganz normalen Tag, k\u00f6nnte man denken, man sei auf einer Naziseite&#8221;, erz\u00e4hlt SPD-Cheftwitterer Ralf Stegner. Er sei regelrechten Hass- und Drohkampagnen ausgesetzt, bei denen auch seine Familie direkt angegriffen wird. Aufgeben will der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD trotzdem nicht: \u201eIch glaube auch, dass man sich mit denen pr\u00fcgeln muss. Man darf nicht kapitulieren\u201c. Insbesondere die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) bausche ihren Einfluss in den sozialen Netzwerken durch Social Bots auf. Diese Computerprogramme posten, liken und verbreiten automatisiert Beitr\u00e4ge zu einem bestimmten Thema weiter. So k\u00f6nnen wenige Technikversierte den Eindruck erwecken, dass viel mehr Menschen in den sozialen Netzwerken einer Meinung sind, als das tats\u00e4chlich der Fall ist. AfD-Anh\u00e4nger w\u00fcrden zu bestimmten Themen die Kommentarspalten dominieren und die Partei zum Scheinriesen aufblasen, beobachtet der Social-Media-Experte Fiete Stegers vom NDR.<\/p>\n<p><strong>Warum ist AfD in sozialen Netzwerken so erfolgreich?<\/strong><\/p>\n<p>Mit fast dreimal so vielen Facebooklikes wie die CDU und mehr als doppelt so vielen wie die SPD ist die AfD auf Facebook die erfolgreichste Partei. Das liegt vor allem daran, dass sie sehr emotional postet, erkl\u00e4rt Stegers. Sie ruft bei ihren Followern Wut, \u00c4rger und Angst hervor und generiert so in den sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit. Hinzu komme, dass die rechtspopulistische Partei \u201eAussagen gerade so weit verk\u00fcrzt, dass ihre Anh\u00e4nger sie noch weiter verk\u00fcrzen und damit Sinnentstellen k\u00f6nnen\u201c. So startet die AfD regelrechte Shitstorms, wie es zuletzt Margot K\u00e4\u00dfmann wegen eines aus dem Zusammenhang gerissenen Zitates vom Kirchentag erleben musste.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie AfD zeigt, was f\u00fcr ein politischer Ort Facebook sein kann\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg der AfD im Internet h\u00e4ngt aber auch damit zusammen, dass die Partei soziale Netzwerke von Anfang an geschickt als Kommunikationsmittel nutze, erkl\u00e4rt Politikberater Martin Fuchs. Anfangs seien die AfD-Anh\u00e4nger aufs Internet angewiesen gewesen, um Neues \u00fcber die Partei zu erfahren, weil klassische Medien sie lange ignoriert h\u00e4tten. Dazu kommt, dass die Rechtspopulisten Facebook erfolgreich genutzt haben, um in kurzer Zeit fast \u00fcberall in Deutschland Ortsverb\u00e4nde aufzubauen. &#8220;Die Partei lebt in den sozialen Netzwerken, die Anderen sind dort sehr professionell aufgestellt, aber sie leben dort nicht&#8221;, sagt Fuchs. Doch das Wachstum der AfD st\u00f6\u00dft bei aktuell rund 324 000 Likes an seine Grenzen<\/p>\n<p><strong>\u201eDie Parteien haben komplett verpennt\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ganz anders sieht es wiederum bei den etablierten Parteien aus. Diese haben im Online-Wahlkampf noch viel Luft nach oben, insbesondere bei der digitalen Mobilisierung ihrer schon vorhandenen W\u00e4hlerschaft, wie in der Diskussion immer wieder klar wurde. Parteien seien weder auf Hacks vorbereitet, noch fit im Factchecking oder der schnellen Reaktion, die gerade im kurzlebigen Netz wichtig ist, fasste Martin Fuchs die Situation zusammen.<\/p>\n<p><strong>Netzfeuerwehr gegen Falschinformationen \u00fcber die Gr\u00fcnen<\/strong><\/p>\n<p>Wie man seine W\u00e4hlerbasis richtig einbindet, zeigen die Gr\u00fcnen mit ihrer \u201eNetzfeuerwehr\u201c, die Martin Fuchs bei der Diskussion vorstellte: In dieser Facebookgruppe versammeln sich 2500 Menschen, die Falschinformationen im Internet suchen und an die Parteizentrale melden. Die entscheidet dann, wie die gesamte Gruppe am effektivsten reagiert. Mit Erfolg: Bereits dreimal hat die Netzfeuerwehr Seiten der AfD so lange mit Posts geflutet, bis die falschen Beitr\u00e4ge gel\u00f6scht wurden.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Politiker und Parteien werden am allerwenigsten wegen Inhalten gew\u00e4hlt\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende werden Politikerinnen und Politiker, genauso wie Parteien selten wegen ihrer Inhalte, sondern viel mehr wegen ihrer Pers\u00f6nlichkeit und den damit verbundenen Emotionen gew\u00e4hlt, so Politikberater Fuchs. \u201eNur 10 Prozent der Deutschen sind wirklich interessiert an tagesaktueller Politik\u201c, sagt er. Deshalb empfiehlt er Politikern auch pers\u00f6nliche Tweets zwischen die politischen Botschaften einzuflechten \u2013 so wie Ralf Stegner es tut. Er twitterte morgens vor der Diskussion unter anderem \u00fcber ein Fu\u00dfballspiel zwischen den Salomonen und Papua-Neuguinea, Trump, die Wahlen in Gro\u00dfbritannien und ein Lied von Reinhard Mey. Seine rund 34 600 Follower zeigen, dass die Strategie aufgeht.<\/p>\n<p><em>Beitrag zum #nr17-Panel <a href=\"http:\/\/sched.co\/AJ7v\">\u201eStimmenfang im Netz &#8211; Social Media im Superwahljahr\u201c<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nerv\u00f6s schauen die etablierten Parteien auf den Social-Media-Erfolg der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD), die dort mehr als doppelt so viele Anh\u00e4nger erreicht, wie sie. Was die Volksparteien besser machen k\u00f6nnen. 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