{"id":9972,"date":"2017-06-13T18:09:05","date_gmt":"2017-06-13T16:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/?p=9972"},"modified":"2017-06-13T18:17:53","modified_gmt":"2017-06-13T16:17:53","slug":"so-koennen-sich-journalisten-vor-digitaler-ueberwachung-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/nr-termine-archive\/blog\/so-koennen-sich-journalisten-vor-digitaler-ueberwachung-schuetzen\/","title":{"rendered":"So k\u00f6nnen sich Journalisten vor digitaler \u00dcberwachung sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Edward Snowden sind Journalisten fast schon paranoid geworden, um sich und ihre Kontakte zu sch\u00fctzen. Aber welche Ma\u00dfnahmen gegen die digitale \u00dcberwachung sind angebracht?<\/strong> <em>Von Mathias Birsens, JONA\/KAS<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nAus Angst vor \u00dcberwachung durch Geheimdienste und private Konzerne wie Google sind Journalisten geradezu paranoid geworden, wenn es um den Schutz ihrer Daten und Telekommunikation geht. Aber ist diese Paranoia berechtigt? Was sollten Journalisten und ihre Informanten tun, um ihre Daten dem Zugriff von Geheimdiensten und Konzernen zu entziehen? Diese Frage haben Daniel Mo\u00dfbrucker von Reporter ohne Grenzen und Ulf Buermeyer von der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte in ihrem Vortrag \u201eZwischen Paranoia und \u00dcberwachung: Zur \u00dcberwachung von Journalisten\u201c beantwortet.<\/p>\n<p><strong>Messenger und E-Mails statt SMS und Anrufen<\/strong><\/p>\n<p>Bei heiklen Recherchen empfehlen die beiden Experten ganz auf SMS und Anrufe zu verzichten, da diese nicht verschl\u00fcsselt werden k\u00f6nnen. Besser sei es, die Apps \u201eiMessage\u201c und \u201eFacetime\u201c von Apple oder auf Androidger\u00e4ten den verschl\u00fcsselten Messenger \u201eSignal\u201c zu nutzen. Nur so kann man sicher sein, dass der Inhalt der Kommunikation durch die Verschl\u00fcsselung vertraulich bleibt. Denn: \u201eJedes Byte, das durch irgendwelche Leitungen flie\u00dft, wird von irgendjemandem mitgeschnitten \u2013vieles auch von deutschen Diensten\u201c, sagt Ulf Buermeyer. Das hei\u00dft nicht automatisch, dass es auch von Geheimdiensten ausgewertet wird \u2013 daf\u00fcr werden die gesammelten Daten vorher auf Schlagworte \u00fcberpr\u00fcft und nur die relevanten Ergebnisse werden tats\u00e4chlich ausgewertet.<\/p>\n<p><strong>Verschl\u00fcsseln, verschl\u00fcsseln, verschl\u00fcsseln<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl nicht jede Kommunikation von Geheimdiensten ausgewertet wird, empfehlen die beiden Experten trotzdem nur verschl\u00fcsselt zu kommunizieren. Das hei\u00dft: Messenger-Apps wie Threema, Signal oder iMessage und verschl\u00fcsselte E-Mails. Denn gerade internationale Kommunikation wird nach Aussage von Buermeyer und Mo\u00dfbrucker vermutlich komplett von verschiedenen Geheimdiensten mitgeschnitten. Indem man verschl\u00fcsselt kommuniziert, bleibt zumindest der Inhalt einer Konversation vertraulich.<\/p>\n<p><strong>Vorsicht vor den Metadaten!<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch die Verschl\u00fcsselung von Nachrichten sch\u00fctzt nicht komplett vor \u00dcberwachung. Zusammen mit dem Inhalt \u00fcbermittelt jede Nachricht auch so genannte Metadaten, die nicht verschl\u00fcsselt werden k\u00f6nnen. Die Metadaten geben etwa Aufschluss dar\u00fcber, wer die Nachricht an wen geschickt hat und enthalten bei E-Mails sogar den Betreff. Dessen sollten sich Journalisten bewusst sein, sagt Buermeyer und empfiehlt den Messenger \u201eSignal\u201c, der alle Metadaten au\u00dfer dem Zeitpunkt der letzten Verwendung der App l\u00f6scht.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwachpunkt der Verschl\u00fcsselung: Inzwischen gibt es Trojaner, die die Kommunikation bereits vor der Verschl\u00fcsselung abgreifen. In Bayern wurde ein solcher <a href=\"http:\/\/www.internet-law.de\/2011\/10\/ozapft-is-uberwachungsrepublik-deutschland.html\">\u201eStaatstrojaner\u201c<\/a> bereits erfolgreich, wenn auch verfassungswidrig eingesetzt. Mit einem neuen Gesetz soll die Verwendung im gesamten Bundesgebiet legalisiert werden, warnten die beiden Experten.<\/p>\n<p><strong>Nie alles an einem Ort speichern<\/strong><\/p>\n<p>Ein Fehlschluss sei es aber auch, aus Angst vor staatlicher \u00dcberwachung alle Daten bei kommerziellen Anbietern, wie etwa Google, zu speichern, so Mo\u00dfbrucker. Denn auf diese Daten hat der Staat ebenfalls Zugriff, weil er die Anbieter zur Herausgabe der Passw\u00f6rter zwingen kann. Kommt es zu einer Hausdurchsuchung bei einem Journalisten, sind davon auch alle Clouddienste betroffen, auf die er von seiner Wohnung aus Zugriff hat. Eine gesamte Recherche inklusive sensibler Informationen oder Kontakte im GoogleDrive, der Dropbox oder bei OneDrive abzuspeichern ist also keine gute Idee.<\/p>\n<p><strong>Immer auf dem neusten Stand sein<\/strong><\/p>\n<p>Eine recht einfache Ma\u00dfnahme zum Schutz vor \u00dcberwachung ist es die Software seiner Ger\u00e4te sofort zu aktualisieren, wenn ein Update zur Verf\u00fcgung steht, um Sicherheitsl\u00fccken zu schlie\u00dfen. Das sei bei den iPhones von Apple einfacher als bei Androidger\u00e4ten, da die unterschiedlichen Hersteller der Ger\u00e4te die Updates von Google unterschiedlich schnell f\u00fcr ihre Nutzer zur Verf\u00fcgung stellen, gab Buermeyer zu bedenken.<\/p>\n<p><strong>Keine unbekannten Links klicken<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Tipp sollte inzwischen eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein: Niemals Links aus unbekannten Quellen \u00f6ffnen! Immer noch werden mehr als die H\u00e4lfte der Trojaner \u00fcber gef\u00e4lschte Links, die h\u00e4ufig per SMS verschickt werden, auf Mobilger\u00e4ten installiert, warnt Daniel Mo\u00dfbrucker. Und wenn der Trojaner erst einmal installiert ist, helfen auch die anderen Ma\u00dfnahmen nicht mehr, da die Daten dann bereits abgegriffen sind, bevor man sie \u00fcberhaupt sch\u00fctzen kann. Deshalb sind sich die beiden Experten einig, dass vorausschauender Selbstschutz f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten heutzutage unabdingbar ist. Zum Abschluss gibt Mo\u00dfbrucker den Medienschaffenden noch mit auf den Weg: \u201eLieber etwas l\u00e4nger nachdenken, ob man diesen Link jetzt wirklich anklicken muss.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Edward Snowden sind Journalisten fast schon paranoid geworden, um sich und ihre Kontakte zu sch\u00fctzen. Aber welche Ma\u00dfnahmen gegen die digitale \u00dcberwachung sind angebracht? 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