nr-Jahreskonferenz 2013

Opfer oder Helden? Berichten über behinderte Menschen

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Eine Berichterstattung ohne Vorurteile, Klischees oder gesellschaftliche Akzentsetzung- darüber diskutierten Raul Krauthausen, Rebecca Maskos und Melanie Mühl unter der Moderation von Volker Siefert.  Wie informieren sich Journalisten im Vorfeld? Wie interviewen sie am besten Behinderte? Wie bewegt man sich auf dem dünnen Eis von Übervorsichtigkeit und Respektlosigkeit?

Der sprachliche Umgang mit Behinderten in den Medien will gelernt sein. Projekte wie leidmedien.de sollen Journalisten helfen, verbal die richtigen Formulierungen zu treffen und den Umgang mit Behinderten zu normalisieren. Rebecca Maskos und Raul Krauthausen folgern aus eigener Erfahrung, welchen Weg der deutsche Journalismus bei diesem Thema einschlagen sollte. Melanie Mühl, FAZ-Redakteurin, wurde durch die Arbeit an einen Artikel über einen taub-blinden Mann sensibilisiert.

Wie verhalte ich mich richtig und warum machen es einige noch nicht?

Ganz normal. Übervorsichtigkeit führt zu einer Verkrampfung. Ist man sich nicht sicher, ob man einer Menschen mit Glasknochen die Hand zur Begrüßung reichen kann: Einfach fragen. Die offensichtliche Problematik anzusprechen, ist die beste Möglichkeit, mit einer unbekannten Situation umzugehen. In der heutigen Gesellschaft sind nach Rebecca Maskos Ansicht die Lebenswelten von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung so stark voneinander getrennt, dass man kaum untereinander in Kontakt kommt. Man begegnet sich nicht mehr wie früher im normalen Alltag, man entfernt sich immer weiter. Kurz erklärt hängt das unter anderem mit einem „Aussonderungssystem“ der deutschen Politik zusammen: Sondereinrichtungen wie spezielle Förderschulen und Behinderten-Werkstätte sollen den Bürgern mit Behinderungen ein leichteres Eingliedern in die Gesellschaft ermöglichen. Dass sie sich dadurch aber immer weiter von der Wirklichkeit entfernen, bleibt unbeachtet. Änderungen im Journalismus erhoffen sich Raul Krauthausen und Rebecca Maskos durch eine vermehrte Eingliederung von behinderten Journalisten in den Redaktionen. Von staatlicher Seite  könnte dies durch Sonderleistungen finanziert werden. Deutschland müsse nach Meinung der beiden Autoren nach noch aufholen. Länder wie Großbritannien hätten diesen Schritt bereits geschafft.

Welche Worte wähle ich?

 „An den Rollstuhl gefesselt“ ist eines der anschaulichsten Beispiele für den fehlerhaften Umgang mit Worten, wenn es um eine behinderte Person geht. Raul Krauthausen sieht jedoch in einem Rollstuhl Mobilität – an den Ort ist er gefesselt, durch seinen Rollstuhl aber nicht. Formulierungen wie diese oder auch „Trotz seines Rollstuhls…“ können leicht in eine positive Bedeutung durch Formulierungen wie „Mit seinem Rollstuhl…“ verwandelt werden. Nachlesen kann man dies alles auf hier. Dabei handelt es sich um Vorschläge, wie sich Journalisten auf diesem Terrain verhalten könnten.

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Welche Themen wähle ich?

Mit Beinprothese einen Marathon gewonnen – die typische Berichterstattung kann man in jeder Zeitung nachlesen. Wie kam es zu dem Unglück? Wie kam man aus dem Loch danach wieder hoch? Und hält einen nicht der Sport am Leben?

Wie wäre es mit Fragen, die sich auf den sportlichen Erfolg konzentrieren: Den Menschen und seine Leistung in den Mittelpunkt stellen und nicht das, was ihm zugestoßen ist. Teils werben Redaktionen mit Absicht behinderte Menschen als Reporter an, um Artikel über Behinderte zu verfassen. Sie sehen den Mensch normal, nicht nur das Offensichtliche.

„Letzten Endes liegt es wirklich an der Sensibilisierung beziehungsweise Offenheit“ in der Gesellschaft, fasst Rebecca Maskos ihre Kritik und Hoffnung zusammen.

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2013 von netzwerk recherche erscheint auch in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wird die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiatinnen der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Journalismus-Studenten aus Bremen, Leipzig und Dortmund, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg sowie Volontären/innen der dpa, der Axel-Springer-Akademie und der Evangelischen Journalistenschule Berlin.

Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.

Referenten

Adam Thomas | Ada von der Decken | Amrai Coen | Andrea Röpke | Andreas Lange | Anita Zielina | Annette Bruhns | Annette Leiterer | Antje Mosebach | Armin Wolf | Arne Schulz | Arno Dirlam | Axel Vornbäumen | Bastian Obermeyer | Berndt Röttger | Bernhard Bartsch | Bill Adair | Boris Kartheuser | Carin Pawlak | Caterina Lobenstein | Cathrin Gilbert | Cecilia Anesi | Christian Bommarius | Christian Sauer | Christina Berndt | Claudia Spiewak | Cordt Schnibben | Diana Löbel | Dietmar Lucas | Dror Moreh | Emin Milli | Eric Beres | Felix Lee | Florian Flade | Franziska Augstein | Franz Knieps | Fukami | Georg Mascolo | Gerard Ryle | Gerd Antes | Gerd Glaeske | Gerhard Kromschröder | Gregor Aisch | Gudrun Fertig | Guilio Rubino | Gökalp Babayigit | Günter Ederer | Hans-Martin Tillack | Hans Leyendecker | Harald Schumann | Harry Lehmann | Hauke Gierow | Hauke Janssen | Heike Dierbach | Heike Haarhoff | Holger Stark | Holger Wormer | Ines Pohl | Jakob Augstein | Jan-Eric Peters | Jan Eggers | Jan Feddersen | Jan Schulte-Kellinghaus | Judith Scholter | Juliane Wiedemeier | Julia Stein | Jupp Legrand | Jörg Armbruster | Jörg Eigendorf | Jörg Jung | Jürgen Grässlin | Katharina Borchert | Kathy Meßmer | Klaus Koch | Klaus Kranewitter | Klaus Liedtke | Lars-Marten Nagel | Lars Abromeit | Lutz Marmor | Lutz Tillmanns | Marc Engelhardt | Marc Jan Eumann | Marco Maas | Marcus Anhäuser | Marcus Lindemann | Marian Steinbach | Mark Schieritz | Markus Anhäuser | Martina Keller | Martin Durm | Max Müller | Melanie Mühl | Michael Hauri | Michael Lüders | Michael Prellberg | Michael Schomers | Monika Anthes | Nicola Kuhrt | Norbert Grundei | Oliver Alegiani | Oliver Schröm | Panajotis Gavrilis | Patricia Schlesinger | Paul-Josef Raue | Pauline Tillmann | Paul Radu | Peter Onneken | Philipp Köster | Philipp Ostrop | Philipp Walulis | Rahmi Turan | Rainer Erices | Raul Krauthausen | Rebecca Maskos | Reinhard Schädler | René Pfister | René Wappler | Sabine Rückert | Sascha Venohr | Sebastian Esser | Sebastian Heiser | Sebastian Mondial | Silke Burmester | Stefan Candea | Stefan Laurin | Stefan Niggemeier | Stefan Plöchinger | Susan E. Knoll | Susanne Gaschke | Susanne Koelbl | Tasos Teloglou | Thomas Krüger | Tom Schimmeck | Torsten Müller | Uli Rauss | Ulli Jentsch | Urs Spindler | Ursula Kosser | Uwe Krüger | Uwe Ritzer | Uwe Tonscheidt | Veronika Hackenbroch | Volker Stollorz | Volker Zastrow | Wilhelm Klümper | Wolfgang Kaes | Wolfgang Swoboda | Wolfgang Uchatius | Yu Chen | Yvonne Olberding | Zhan Jiang