nr-Jahreskonferenz 2013

Ein Stipendium macht’s möglich

Drei nr-Stipendiaten berichten über ihr erstes großes Projekt

Panajotis Gavrilis, Arne Schulz und Urs Spindler hatten für ihre Projekte ein Stipendium von Netzwerk Recherche bzw. von der Otto-Brenner-Stiftung erhalten. Alle drei recherchierten zum Thema Asylbewerber.

Vor der überschaubaren Anzahl an Gästen erzählten die jungen Journalisten von den Ergebnissen. Egmont R. Koch, ehemaliger Mentor der Stipendiaten, moderierte die Veranstaltung. Panajotis Gavrilis und sein Kommilitone Nasir Mahmood, der nicht anwesend sein konnte, hatten anlässlich ihres Journalismus-Studiums an der Hochschule Bremen als Abschlussarbeit  ein Hörfunkfeature gemacht. Thema: Die Niedersächsische Flüchtlingspolitik. Dazu hatten sie den Fall von Shambu Lama recherchiert. Der Nepali lebte fünfzehn Jahre in Deutschland, hatte zusammen mit einer deutschen Frau ein Kind und sollte plötzlich abgeschoben werden. An die Bahngleise gekettet, verübte Shambu Lama dann Selbstmord.

Panajotis Gavrilis berichtete vor allem von den Hürden seines Hörfunk-Features. Die Behörden seien nicht kooperativ gewesen, und oft war es auch ein Problem, dass die beiden Studenten waren und noch keine ausgebildeten Journalisten: Keine Redaktion stärkte ihnen den Rücken. Ohne Namen in dem Geschäft kamen sie nur mühselig an Informationen heran.

Ganz anders erging es Arne Schulz und Urs Spindler. Urs Spindler war das erste Mal 2012 mit einer Stipendien-Förderung im Kosovo – damals mit seinem Bruder Malte.  Da aber nach der ersten Reihe so viele Geschichten unerzählt geblieben sind, habe ich 2013 beschlossen, noch einmal zu fahren – zusammen mit Arne (aber auf eigene Kosten + einen Zuschuss des NDR).

Die beiden reisten in den Kosovo, auf der Suche nach einem, der ihnen vom Kosovo und der jüngsten dramatischen Vergangenheit erzählt.  Die Familie ihres Gesprächspartners  hatte Spindler über einen Pfarrer aus Nürnberg kennengelernt, bei dem sie im Asyl gelebt hat. Während seiner erste Reise hatte er allerdings nicht geschafft, ihn zu besuchen.  Als er dann ein Jahr später versuchte ihn zu kontaktieren, arbeitete er gerade an einer Raststätte in Deutschland, ein Ferienjob für drei Monate. An dieser Tankstelle trafen sie ihren Protagonisten – ud entschlossen sich zu einem Gegenbesuch.  „Letzten Endes sind wir im Kosovo durch Vorortanfragen deutlich weiter gekommen als über den üblichen Behördenweg.“ Zuvor hatten sie zwar Anfragen gestellt, aber als sie in dem Land ankamen, konnten sich die Zuständigen nicht mehr erinnern.
Einer ihrer Interviewpartner wurde aus Deutschland abgeschoben, zurück im Kosovo spricht er aber immer noch besser Deutsch als Albanisch. Er arbeitet rund um die Uhr, um sich sein Studium zu finanzieren, in der Hoffnung, eines Tages wieder zurück nach Deutschland zu kommen.

Urs und Arne waren sehr erfolgreich mit dem „Verkauf“ ihrer Reportagen und dem Hörfunkfeature, während Panajotis und Nasir keine Abnehmer finden konnten. Das Thema ist nicht mehr aktuell genug, hörten sie immer wieder. Sie hatten daraufhin ihr Hörfunk-Feature online für alle zur Verfügung gestellt. Und plötzlich bekamen sie große Anerkennung. Die beiden Stipendiaten wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Zum Schluss erzählten noch alle drei von der Arbeit mit ihren Protagonisten. „Man muss erst einmal  Vertrauen zu den Menschen aufbauen“, erzählt Panajotis  Gavrilis. „Und am Ende sind es Menschen, die einen geprägt und begleitet haben.“

Auch Arne Schulz bestätigt: „Wir wurden mit so einer Herzlichkeit empfangen und wir halten noch immer den Kontakt. Aber die Schicksale sind schwierig und wir versuchen zu helfen, aber stoßen auch an unsere Grenzen. Am Ende ist es schwer, sich wieder zu distanzieren.“

Das Publikum lenkt die Unterhaltung schließlich wieder auf die Stipendium von netzwerk recherche und der Otto Brenner Stiftung.

Die ausgesuchten Stipendiaten erhalten einen Betrag von 5000 Euro, wobei die erste Hälfte zu Beginn des Projekts und die andere bei Abschluss gezahlt wird (so das Verfahren bei der OBS). Davon können sie zum Beispiel Reisekosten, Interviews und Sprecher bezahlen. Netzwerk Recherche kontrolliert dabei,  wofür das Geld eingesetzt wird.

Urs Spindler: „Ich habe mich nie überwacht gefühlt.“ Der Mentor von netzwerk recherche habe ihm bei mehreren persönlichen Treffen in vielen Fragen weitergeholfen. Darüber hinaus habe sich die ,Kontrolle‘ auf einige Statusberichte und Ergebnisse per Mail beschränkt. Auch Egmont R. Koch bekräftigt: “5000 Euro sind 5000 Euro. Solange das Ergebnis stimmt und wir immer wieder Kontakt zu den Stipendiaten haben  können, steht ihnen das Geld zur Verfügung. Am Ende soll es auch ein Art Entlohnung der Arbeitszeit sein, auch wenn für ein Honorar nach Abzug der Kosten nicht mehr so viel übrig bleibt.“

Bewerben könnten sich auch zukünftig alle Journalisten, die ein investigatives Projekt anstreben und ihre Idee gut darstellen und begründen können. Dann wird entschieden, wer im kommenden Jahr ein Stipendium erhält.

Die Bewerbungsfrist bei der  Otto-Brenner-Stifgtung endet übrigens am 31. Juli 2013. Infos unter www.otto-brenner-preis.de
Mehr über die stipendienvergabe bei netzwerk recherche unter: http://www.netzwerkrecherche.de/Stipendien/

Terminhinweis:

Das Radio-Feature “Milaims Traum” von Arne Schulz und Urs Spindler
läuft erst noch, und zwar am Sonntag, 07.07.2013 von 11.05 bis 12 Uhr.

 

 

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2013 von netzwerk recherche erscheint auch in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wird die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiatinnen der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Journalismus-Studenten aus Bremen, Leipzig und Dortmund, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg sowie Volontären/innen der dpa, der Axel-Springer-Akademie und der Evangelischen Journalistenschule Berlin.

Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.

Referenten

Adam Thomas | Ada von der Decken | Amrai Coen | Andrea Röpke | Andreas Lange | Anita Zielina | Annette Bruhns | Annette Leiterer | Antje Mosebach | Armin Wolf | Arne Schulz | Arno Dirlam | Axel Vornbäumen | Bastian Obermeyer | Berndt Röttger | Bernhard Bartsch | Bill Adair | Boris Kartheuser | Carin Pawlak | Caterina Lobenstein | Cathrin Gilbert | Cecilia Anesi | Christian Bommarius | Christian Sauer | Christina Berndt | Claudia Spiewak | Cordt Schnibben | Diana Löbel | Dietmar Lucas | Dror Moreh | Emin Milli | Eric Beres | Felix Lee | Florian Flade | Franziska Augstein | Franz Knieps | Fukami | Georg Mascolo | Gerard Ryle | Gerd Antes | Gerd Glaeske | Gerhard Kromschröder | Gregor Aisch | Gudrun Fertig | Guilio Rubino | Gökalp Babayigit | Günter Ederer | Hans-Martin Tillack | Hans Leyendecker | Harald Schumann | Harry Lehmann | Hauke Gierow | Hauke Janssen | Heike Dierbach | Heike Haarhoff | Holger Stark | Holger Wormer | Ines Pohl | Jakob Augstein | Jan-Eric Peters | Jan Eggers | Jan Feddersen | Jan Schulte-Kellinghaus | Judith Scholter | Juliane Wiedemeier | Julia Stein | Jupp Legrand | Jörg Armbruster | Jörg Eigendorf | Jörg Jung | Jürgen Grässlin | Katharina Borchert | Kathy Meßmer | Klaus Koch | Klaus Kranewitter | Klaus Liedtke | Lars-Marten Nagel | Lars Abromeit | Lutz Marmor | Lutz Tillmanns | Marc Engelhardt | Marc Jan Eumann | Marco Maas | Marcus Anhäuser | Marcus Lindemann | Marian Steinbach | Mark Schieritz | Markus Anhäuser | Martina Keller | Martin Durm | Max Müller | Melanie Mühl | Michael Hauri | Michael Lüders | Michael Prellberg | Michael Schomers | Monika Anthes | Nicola Kuhrt | Norbert Grundei | Oliver Alegiani | Oliver Schröm | Panajotis Gavrilis | Patricia Schlesinger | Paul-Josef Raue | Pauline Tillmann | Paul Radu | Peter Onneken | Philipp Köster | Philipp Ostrop | Philipp Walulis | Rahmi Turan | Rainer Erices | Raul Krauthausen | Rebecca Maskos | Reinhard Schädler | René Pfister | René Wappler | Sabine Rückert | Sascha Venohr | Sebastian Esser | Sebastian Heiser | Sebastian Mondial | Silke Burmester | Stefan Candea | Stefan Laurin | Stefan Niggemeier | Stefan Plöchinger | Susan E. Knoll | Susanne Gaschke | Susanne Koelbl | Tasos Teloglou | Thomas Krüger | Tom Schimmeck | Torsten Müller | Uli Rauss | Ulli Jentsch | Urs Spindler | Ursula Kosser | Uwe Krüger | Uwe Ritzer | Uwe Tonscheidt | Veronika Hackenbroch | Volker Stollorz | Volker Zastrow | Wilhelm Klümper | Wolfgang Kaes | Wolfgang Swoboda | Wolfgang Uchatius | Yu Chen | Yvonne Olberding | Zhan Jiang