nr-Jahreskonferenz 2013

Faszination Fremde: Auslandskorrespondenten erzählen von ihren Erfahrungen

 

Frei und draußen. Als freier Journalist aus dem Ausland berichten.

Der Traum vom Journalismus in fremden Kulturen – wie kann er erfüllt werden? Und wie erfüllend ist diese Arbeit wirklich? Antworten  darauf lieferten Bernhard Bartsch, freier Korrespondent in Peking, Marc Engelhardt, Vorsitzender von Weltreporter, zehn Jahre Auslandskorrespondent in  Afrika und mittlerweile in Genf, sowie Pauline Tillmann, freie Korrespondentin in St. Petersburg.

„Immer mehr Auslandskorrespondentenstellen werden abgezogen. Der Bedarf, zu berichten, nimmt jedoch nicht ab. Ich denke, er wird eher größer.“ So ordnet Pauline Tillmann die derzeitige Lage der Auslandskorrespondenten ein. Ein Traumjob bleibt es für sie und ihre Kollegen dennoch. Aber einer, der gut vorzubereiten ist. Zunächst die Standortfrage: Wo möchte ich hin? Welche Korrespondenten sind bereits dort? Welche Medien gibt es und wer sind die Rezipienten? Mit rund zwei Jahren Einarbeitungszeit rechnen die Journalisten im fremden Land, um sich in Kultur und Mentalität einzuarbeiten und den dort recherchierten Artikeln mehr Wert zu geben. Dabei spielten ein ausreichendes Startkapital sowie Kenntnisse der Landessprache eine entscheidende Rolle.

So vielfältig die Standort- Möglichkeiten sind, so vielfältig sind auch die Themen. Aber welche finden auf dem deutschen Markt ihre Abfinder? Marc Engelhardt erzählt: „In Deutschland herrscht ein ganz bestimmtes Bild über Afrika vor. Interessant werden Beiträge, die bewusst dieses Bild brechen können.“  Klischeehafte Vorstellungen  in unsrem Kopf entsprächen selten der Mentalität vor Ort. Warum also nicht mit einem Schlag mit allen Vorurteilen aufräumen? Bernhard Bartschs Erfahrung: „ Man muss den Diskurs über das Land hier in Deutschland genau kennen. Aber neue Aspekte kann man nur schrittweise bringen.  Ansonsten geht der Leser  verloren. Man muss ihn dort abholen, wo er mit  seinen Vorstellungen steht.“ Die Konsequenz: 30 Prozent seiner Themen sind solche, die er machen muss, 60 Prozent entspringen der eigenen Vorschläge und 10 Prozent ergeben sich aus dem, was kommt, schätzt Bartsch. Da muss der Journalist dann schon mal das chinesische Baby im Toilettenrohr thematisieren, „obwohl das ja wirklich überall passieren kann.“

In Anbetracht der Konkurrenz gilt auch, und gerade bei der Auslandskorrespondenz: Selbstmarketing. Pauline Tillmann rät, sich „als Marke zu vermarkten“.  Und: Immer wieder den Kontakt zur Heimatredaktion zu pflegen. Dafür springt sie schon mal für einen Kaffee in den Flieger, denn:  „Alle technischen Möglichkeiten sind gut. Aber die zwischenmenschlichen  Kontakte einfach nicht zu unterschätzen.

St. Petersburg, Peking, Nairobi. Und wohin lohnt es sich für den Nachwuchs zu gehen? Exotische, kleine Länder bieten den Seltenheitsfaktor. Aber auch Kollektiv-Zielen wie Amerika können die drei Journalisten etwas abgewinnen. Sobald man die großen Orte wie Washington verlässt, bieten auch „überlaufene“ Länder wie die Vereinigten Staaten Chancen.

Und schließlich gilt für die Auslandskorrespondenz dasselbe Credo wie überall anders im Journalismus: „Man muss sich einfach trauen.“

 

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2013 von netzwerk recherche erscheint auch in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wird die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiatinnen der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Journalismus-Studenten aus Bremen, Leipzig und Dortmund, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg sowie Volontären/innen der dpa, der Axel-Springer-Akademie und der Evangelischen Journalistenschule Berlin.

Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.

Referenten

Adam Thomas | Ada von der Decken | Amrai Coen | Andrea Röpke | Andreas Lange | Anita Zielina | Annette Bruhns | Annette Leiterer | Antje Mosebach | Armin Wolf | Arne Schulz | Arno Dirlam | Axel Vornbäumen | Bastian Obermeyer | Berndt Röttger | Bernhard Bartsch | Bill Adair | Boris Kartheuser | Carin Pawlak | Caterina Lobenstein | Cathrin Gilbert | Cecilia Anesi | Christian Bommarius | Christian Sauer | Christina Berndt | Claudia Spiewak | Cordt Schnibben | Diana Löbel | Dietmar Lucas | Dror Moreh | Emin Milli | Eric Beres | Felix Lee | Florian Flade | Franziska Augstein | Franz Knieps | Fukami | Georg Mascolo | Gerard Ryle | Gerd Antes | Gerd Glaeske | Gerhard Kromschröder | Gregor Aisch | Gudrun Fertig | Guilio Rubino | Gökalp Babayigit | Günter Ederer | Hans-Martin Tillack | Hans Leyendecker | Harald Schumann | Harry Lehmann | Hauke Gierow | Hauke Janssen | Heike Dierbach | Heike Haarhoff | Holger Stark | Holger Wormer | Ines Pohl | Jakob Augstein | Jan-Eric Peters | Jan Eggers | Jan Feddersen | Jan Schulte-Kellinghaus | Judith Scholter | Juliane Wiedemeier | Julia Stein | Jupp Legrand | Jörg Armbruster | Jörg Eigendorf | Jörg Jung | Jürgen Grässlin | Katharina Borchert | Kathy Meßmer | Klaus Koch | Klaus Kranewitter | Klaus Liedtke | Lars-Marten Nagel | Lars Abromeit | Lutz Marmor | Lutz Tillmanns | Marc Engelhardt | Marc Jan Eumann | Marco Maas | Marcus Anhäuser | Marcus Lindemann | Marian Steinbach | Mark Schieritz | Markus Anhäuser | Martina Keller | Martin Durm | Max Müller | Melanie Mühl | Michael Hauri | Michael Lüders | Michael Prellberg | Michael Schomers | Monika Anthes | Nicola Kuhrt | Norbert Grundei | Oliver Alegiani | Oliver Schröm | Panajotis Gavrilis | Patricia Schlesinger | Paul-Josef Raue | Pauline Tillmann | Paul Radu | Peter Onneken | Philipp Köster | Philipp Ostrop | Philipp Walulis | Rahmi Turan | Rainer Erices | Raul Krauthausen | Rebecca Maskos | Reinhard Schädler | René Pfister | René Wappler | Sabine Rückert | Sascha Venohr | Sebastian Esser | Sebastian Heiser | Sebastian Mondial | Silke Burmester | Stefan Candea | Stefan Laurin | Stefan Niggemeier | Stefan Plöchinger | Susan E. Knoll | Susanne Gaschke | Susanne Koelbl | Tasos Teloglou | Thomas Krüger | Tom Schimmeck | Torsten Müller | Uli Rauss | Ulli Jentsch | Urs Spindler | Ursula Kosser | Uwe Krüger | Uwe Ritzer | Uwe Tonscheidt | Veronika Hackenbroch | Volker Stollorz | Volker Zastrow | Wilhelm Klümper | Wolfgang Kaes | Wolfgang Swoboda | Wolfgang Uchatius | Yu Chen | Yvonne Olberding | Zhan Jiang