nr-Jahreskonferenz 2013

“Big Data” – Journalismus im Datendschungel

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“Big Data” – ein Schlagwort, das seit den neuesten Enthüllungen über die Datenspeicherung des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA mal wieder in aller Munde ist. Der US-amerikanische Geheimdienst hatte gigantische Datenmengen bei google, bei apple und den sozialen Netzwerken abgesaugt. “Big Data” eben. Oder die “offshore-leak”-Daten. Und dann kommen immer mehr Daten aus diesen pools in das Internet. Wie können sich nun Journalisten im Datendschungel zurechtfinden? Und können sie bei den Datenmengen trotz Unübersichtlichkeit richtige Geschichten finden?

Ja, sagt  der Datenjournalist Marco Maas von der Firma „OpenDataCity“.  „Semantik“ lautet sein Schlüsselbegriff, den er laufend  im Mund führt. Mit einem “semantischen” Ordnungssystem versuche die IT-Branche die virtuellen Informationen in die unterschiedlichsten Themengebiete zu kategorisieren und so das überfüllte Internet aufzuräumen, sagt Maas. „Inzwischen sind Suchmaschinen immer geschickter”. Google wisse zum Beispiel, ausgehend von der allgemeinen Erkenntnis, dass Barack Obama der Präsident der USA ist, mit welchen weiteren Informationen der Name Obama verknüpft werden kann und macht dem Internetnutzer immer weitere Vorschläge.

Start-Up-Unternehmen und wissenschaftliche Projekte versuchen zunehmend diese Kategorisierungen und logischen Daten-Verknüpfungen zu entwickeln. Ein Beispiel  ist der „Google Knowledge Graph“. Die Suchmaschine führt in Sekundenbruchteilen Analysen durch und macht in einer separaten Liste weitere Themenvorschläge, bietet Eckdaten oder Bilder an, die mit dem zuvor eingegebenen Suchbegriff in Verbindung stehen.

 

Schlaues System

„Das System versteht nach und nach, in welchem Universum sich der Suchende befindet und leistet verfeinerte Hilfestellung.“ Für Journalisten könne diese Sortierung gerade bei den ersten Internetrecherchen eine erhebliche Erleichterung sein, sagt Maas.

Ein weiteres Beispiel sei das medizinische Forum “Pubmed.com”. Die Online-Datenbank verwaltet sämtliche medizinische und wissenschaftliche Arbeiten und untergliedert sie in verschiedene Kategorien. Durch diese intelligente Verknüpfung kann weltweit auf den Inhalt zugegriffen werden. „Als Journalist kann ich mich so über die aktuellen Studien und Diskussionen, die Experten oder die lokale Bedeutung informieren“, sagt Maas.

Auch das Soziale Netzwerk „Google +“ könne für die Journalisten wichtig sein. Der Konzern filtert die Informationen der User, registriert beliebte und viel diskutierte Beiträge und wendet die Daten auf den Anfrager an.

Im Bereich der Medien sei der britische Nachrichtensender „BBC“ Vorreiter der Branche. Das Unternehmen habe ein internes “Content Management System” programmiert, um die eignen Datenmengen logisch miteinander zu verbinden. Vorliegende Informationen ordnen  und generieren so sich selbst.  So können beispielsweise Online-Journalisten ihr Arbeits- und Themenfeld bedeutend vergrößern.

 

Alles Big Data

Irgendwie ist alles “Big Data” bei Marco Maas, vor einer klaren Definition des Begriffes schreckt er noch zurück. „Allgemein versucht man, sich mit den registrierten Nutzungsverhalten von Individuen dem Nutzungsverhalten der Allgemeinheit zu nähern und so Informationen über zukünftige Ereignisse vorauszusagen“, erklärt der Referent. Dazu zählen auch die enge Zusammenarbeit und der Datenhandel von Facebook oder Google mit großen Wirtschafts- und Werbepartnern. In der Zukunft hätten es Journalistinnen und Journalisten mit  verwirrenden Datenkonstruktengewinden und Verschlüsselungen zu tun.

Marco Maas sieht die Zukunft der IT-affinen Datenjournalisten durchaus positiv: „Ich empfinde die enge Zusammenarbeit zwischen Programmierern und Journalisten als extrem fruchtbar. So kann der Journalismus eine neue Ebene erreichen, die zuvor noch nicht dagewesen ist”, behauptet er.

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2013 von netzwerk recherche erscheint auch in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wird die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiatinnen der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Journalismus-Studenten aus Bremen, Leipzig und Dortmund, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg sowie Volontären/innen der dpa, der Axel-Springer-Akademie und der Evangelischen Journalistenschule Berlin.

Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.

Referenten

Adam Thomas | Ada von der Decken | Amrai Coen | Andrea Röpke | Andreas Lange | Anita Zielina | Annette Bruhns | Annette Leiterer | Antje Mosebach | Armin Wolf | Arne Schulz | Arno Dirlam | Axel Vornbäumen | Bastian Obermeyer | Berndt Röttger | Bernhard Bartsch | Bill Adair | Boris Kartheuser | Carin Pawlak | Caterina Lobenstein | Cathrin Gilbert | Cecilia Anesi | Christian Bommarius | Christian Sauer | Christina Berndt | Claudia Spiewak | Cordt Schnibben | Diana Löbel | Dietmar Lucas | Dror Moreh | Emin Milli | Eric Beres | Felix Lee | Florian Flade | Franziska Augstein | Franz Knieps | Fukami | Georg Mascolo | Gerard Ryle | Gerd Antes | Gerd Glaeske | Gerhard Kromschröder | Gregor Aisch | Gudrun Fertig | Guilio Rubino | Gökalp Babayigit | Günter Ederer | Hans-Martin Tillack | Hans Leyendecker | Harald Schumann | Harry Lehmann | Hauke Gierow | Hauke Janssen | Heike Dierbach | Heike Haarhoff | Holger Stark | Holger Wormer | Ines Pohl | Jakob Augstein | Jan-Eric Peters | Jan Eggers | Jan Feddersen | Jan Schulte-Kellinghaus | Judith Scholter | Juliane Wiedemeier | Julia Stein | Jupp Legrand | Jörg Armbruster | Jörg Eigendorf | Jörg Jung | Jürgen Grässlin | Katharina Borchert | Kathy Meßmer | Klaus Koch | Klaus Kranewitter | Klaus Liedtke | Lars-Marten Nagel | Lars Abromeit | Lutz Marmor | Lutz Tillmanns | Marc Engelhardt | Marc Jan Eumann | Marco Maas | Marcus Anhäuser | Marcus Lindemann | Marian Steinbach | Mark Schieritz | Markus Anhäuser | Martina Keller | Martin Durm | Max Müller | Melanie Mühl | Michael Hauri | Michael Lüders | Michael Prellberg | Michael Schomers | Monika Anthes | Nicola Kuhrt | Norbert Grundei | Oliver Alegiani | Oliver Schröm | Panajotis Gavrilis | Patricia Schlesinger | Paul-Josef Raue | Pauline Tillmann | Paul Radu | Peter Onneken | Philipp Köster | Philipp Ostrop | Philipp Walulis | Rahmi Turan | Rainer Erices | Raul Krauthausen | Rebecca Maskos | Reinhard Schädler | René Pfister | René Wappler | Sabine Rückert | Sascha Venohr | Sebastian Esser | Sebastian Heiser | Sebastian Mondial | Silke Burmester | Stefan Candea | Stefan Laurin | Stefan Niggemeier | Stefan Plöchinger | Susan E. Knoll | Susanne Gaschke | Susanne Koelbl | Tasos Teloglou | Thomas Krüger | Tom Schimmeck | Torsten Müller | Uli Rauss | Ulli Jentsch | Urs Spindler | Ursula Kosser | Uwe Krüger | Uwe Ritzer | Uwe Tonscheidt | Veronika Hackenbroch | Volker Stollorz | Volker Zastrow | Wilhelm Klümper | Wolfgang Kaes | Wolfgang Swoboda | Wolfgang Uchatius | Yu Chen | Yvonne Olberding | Zhan Jiang