Foto: Rohwedder

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Investigative Recherche funktioniert nicht ohne Informanten. Anette Dowideit, Investigativ-Journalistin bei der Welt, erklärt, wie Du Informanten finden, überprüfen und schützen kannst. Die Zigarette nicht vergessen! Von Eike Hagen Hoppmann, JONA/KAS

 

Wie finde ich Informanten?

Erste Möglichkeit ist der digitale Weg. „Xing ist für mich bei der Recherche ein ganz wichtiger Ansatzpunkt“, sagt Dowideit. Vor allem die Suchmöglichkeit nach ehemaligen Mitarbeitern von Unternehmen war ein herausragendes Recherchetool – bis sie Xing vor einigen Wochen nur noch für Premiumnutzer zur Verfügung stellte. Aber auch andere soziale Netzwerke oder Internetforen können helfen.

Oder man macht sich analog auf die Suche. „Ich mache sehr viel Laufarbeit“, sagt Dowideit. Bei Geschichten über Arbeitsbedingungen in bestimmten Unternehmen fährt sie in die Filialen vor Ort. „Ich nehme dann einen Verkäufer in einem ruhigen Moment zur Seite und versuche Vertrauen aufzubauen“, sagt sie.

Wichtig: Man sollte einem potenziellen Informanten nicht die Pistole auf die Brust setzen. Dowideit verteilt beim ersten Kontakt häufig nur ihre Visitenkarte. In einem von zehn Fällen melde sich jemand zurück, manchmal sind es mehr. „Das hängt davon ab, wie unzufrieden die Leute sind.“

Ein Trick: „Ich habe oft eine Recherchezigarette dabei“, sagt sie. Bei Geschichten in bestimmten Umgebungen erleichtere das den Zugang zu potenziellen Informanten – auch wenn die eigene Gesundheit darunter leidet. „Für meine Recherchen habe ich mir wieder das Rauchen angewöhnt“, sagt Dowideit.

Wie überprüfe ich Informanten?

Nicht alles, was Informanten behaupten, stimmt auch. Ein Journalist sollte die Aussagen prüfen – und kann sich damit auch selbst absichern.

  1. Dokumente besorgen

Jedes Dokument, das eine Aussage unterstützt, ist prinzipiell gut. Aber auch Bilder und Dokumente können gefälscht sein.

  1. Mehrere Informanten finden

„Man braucht mehrere Informanten, die die gleiche Geschichte an verschiedenen Orten unabhängig voneinander erlebt haben“, sagt Dowideit. Das gilt insbesondere, wenn von einem konkreten Fall ausgehend ein allgemeines Problem erklärt werden soll.

  1. Eidesstattliche Erklärung unterschreiben lassen

Ein selten genutztes, aber effektives Mittel. „Ich finde das gut, weil sich ein Informant dann sicher sein muss, was er mir da erzählt“, sagt Dowideit. Es ist auch eine Absicherung für den Journalisten. „Damit kann ich vor Gericht zeigen, dass ich meiner journalistischen Sorgfaltspflicht so gut es geht nachgekommen bin.“

Wie schütze ich Informanten?

Problematisch kann die eidesstattliche Erklärung werden, wenn das Dokument bei einem Gerichtsprozess eingefordert wird. Bei einer Veröffentlichung wäre die Anonymität des Informanten zerstört. Die Lösung: Der Journalist kann selbst eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass ihm eine eidesstattliche Erklärung vorliegt.

Generell gilt: Die Informanten sollten presserechtlich gebrieft werden. Manchmal verschicken Anwälte der Gegenseite Abmahnungen wegen übler Nachrede an potenzielle Informanten, manchmal auch nur auf Verdacht. Deshalb sollten sie vorher über die richtige Verhaltensweise informiert werden.

Informanten können vor Klagen geschützt werden, indem sie mit Meinungsäußerungen statt Tatsachenbehauptungen zitiert werden. Generelle Aussagen lassen sich widerlegen, Meinungen nicht.