Nach EuGH-Urteil: Zugang zu Transparenzregistern wiederherstellen!

Als Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs von vergangener Woche schließen mehr und mehr Staaten die Öffentlichkeit vom Zugang zu Transparenzregistern aus – auch Deutschland. Das behindert die Arbeit von Journalist*innen massiv, die bisher mit Hilfe dieser Register ermitteln konnten, wem ein Unternehmen wirklich gehört.

„Der Zugang zu Transparenzregistern ist ein wichtiges Werkzeug des investigativen Journalismus. Gerade bei Recherchen zu Geldwäsche und Korruption sind diese Register oft die einzige rechtssichere Möglichkeit zu belegen, wer hinter einem bestimmten Unternehmen steckt“, sagt der Erste Vorsitzende von Netzwerk Recherche e. V., Daniel Drepper. „Wir fordern deshalb von der Bundesregierung, dass Journalist*innen auch in Zukunft Zugriff auf diese Daten erhalten.“ Weiterlesen

Newsletter Netzwerk Recherche 215 vom 22.11.2022

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Im Iran herrscht Krieg. Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Mit allen Mitteln versucht die Mullah-Diktatur den Kampf der Iraner*innen niederzuschlagen, die von der Bevölkerung ersehnte Revolution zu verhindern.

Waren die ersten Wochen des Protestes gegen die Mullah-Diktatur noch flankiert von Videos tanzender Frauen, von spielerischen Turbanwürfen, von hoffnungsvollen Tönen – so eskaliert es derzeit jeder Tag stärker. Das Regime rückt mit dem Militär vor, stellt Strom und Internet ab, verbreitet im Dunkel der Nacht Tod und Terror. Der Kampf um Freiheit geht in eine entscheidende Phase.

Es geht dabei nicht nur ums Kopftuch, nicht nur um die Gleichstellung der Frauen – sondern um die seit 43 Jahren andauernde Unterdrückung grundsätzlicher Menschenrechte. Die Menschen im Iran sterben auch für die Meinungs- und Pressefreiheit, für die Grundlagen von Journalismus und Demokratie.

Die Journalistin und die Fotografin, die über den Tod von Mahsa Amini aufklärten, der die Proteste auslöste, sie sitzen längst im Gefängnis – wie so viele ihrer Kolleg*innen. Weiterlesen

nr-Jahresbericht 2021

Titel Jahresbericht 2021Der Jahresbericht 2021 von Netzwerk Recherche kann als pdf-Datei (4 MB) heruntergeladen werden. Darin werfen wir einen Blick zurück auf das zweite Pandemie-Jahr: u.a. mit einer digitalen Jahreskonferenz, einer SciCAR in Präsenz, reichlich Nachrichtenkompetenzvermittlung und einem stetig wachsenden Projekt zur Förderung des Nonprofitjournalismus.

Inhaltsverzeichnis

  • Editorial
  • Vorstand und Mitarbeiter:innen
  • NR-Jahreskonferenz 2021
    • Alles außer Corona?
    • Wieder ein digitaler Nestbeschmutze
    • Stirbt die Redaktion?
    • Die Verschlossene Auster 2021 geht an die Hohenzollern
    • Laudatio von Sophie Schönberger
  • Fachgruppe Datenjournalismus
  • Wir fördern Nachrichtenkompetenz!
  • Nonprofitjournalismus
    • Wurzeln schlagen
    • Grow-Stipendien 2021/2022
    • Grow 2020/2021
    • SEED-Newsletter
    • The New Sector
  • Fellowship-Programm „Vielfalt im Investigativjournalismus
    stärken“ 2021 – 2022
  • GIJN + NR = GIJN Deutsch
  • 20 Jahre Netzwerk Recherche
    36 Journalist:innen machen (immer noch) keine PR
  • Newsletter Netzwerk Recherch
  • Kurzmitteilungen zu weiteren Aktivitäten und Einsatzfeldern
  • Recherchestipendien 2021
  • Engagement zur Stärkung der Informationsrechte
  • Mitglieder
  • Finanzen 2021
  • Förderkuratorium
  • Partner
  • Engagement

 

Grow-Stipendien 2022: Das sind die Gewinner:innen

Grow-Postkarten auf einem StapelDie neuen Grow-Stipendiat:innen stehen fest. Bereits zum siebten Mal haben Netzwerk Recherche (NR) und die Schöpflin Stiftung Projekte aus dem Bereich des gemeinwohlorientierten Journalismus ausgezeichnet. Die Förderung in Höhe von jeweils 3.000 Euro geht in diesem Jahr an das Lokalmagazin bloq aus der Rhein-Neckar-Region, an das Reporterslam-Team, die gemeinnützigen Live-Journalismus auf die Bühne bringen möchten, sowie an die inklusive Redaktion des Online-Magazins andererseits aus Österreich.

Das sind die neuen Grow-Projekte:

andererseits ist Österreichs erstes Online-Magazin, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten. Mithilfe des Grow-Stipendiums möchte die Redaktion einen Newsletter entwickeln, der Menschen für Inklusion begeistert und ihnen die Möglichkeit gibt, Teil der andererseits-Community zu werden. Geplant ist eine nachhaltige Finanzierung als Membership-Medium.

bloq ist ein gemeinnütziges Gesellschaftsmagazin für Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und die Region. Mit dem Grow-Stipendium möchte sich bloq so aufstellen, dass sich die Redaktion nicht mehr von Ausgabe zu Ausgabe hangeln muss, sondern langfristig Lokaljournalismus bieten kann, der in die Tiefe geht: mit gut recherchierten und ausführlich erzählten Geschichten.

Der Live-Journalismus ist international auf dem Vormarsch, sagt das Reporterslam-Team. Sie bereiten nun neue Show-Formate und die Gründung einer gemeinnützigen GmbH vor. Mit dem Grow-Stipendium möchte das Team seine Expertise und Vernetzung im Bereich des Nonprofitjournalismus erweitern. Weiterlesen

Grow-Stipendien: Unsere Shortlist 2022

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Grow-Pitch: Fünf Minuten für die Präsentation (Foto: Franziska Senkel)

Sechs Medienprojekte haben es in den Pitch um die Grow-Stipendien für gemeinnützigen Journalismus geschafft. Sie werden am 11.11.2022 ihre Ideen der Jury persönlich vorstellen; anschließend werden bis zu drei Projekte mit dem Grow-Stipendium von Netzwerk Recherche und Schöpflin Stiftung ausgezeichnet. Das ist unsere Shortlist:

Clara Porák, andererseits: Wir sind andererseits, Österreichs erstes Online-Magazin, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten. Mithilfe des Grow-Stipendiums wollen wir einen Newsletter entwickeln, der Menschen für Inklusion begeistert und ihnen die Möglichkeit gibt, Teil unserer Community zu sein. So wollen wir eine nachhaltige Finanzierung als Membership-Medium aufbauen.

Sarah Weik, bloq: Wir sind bloq, das gemeinnützige Gesellschaftsmagazin für Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und die Region. Mit dem Grow-Stipendium wollen wir bloq so aufstellen, dass wir uns nicht mehr von Ausgabe zu Ausgabe hangeln müssen – sondern langfristig Lokaljournalismus bieten können, der in die Tiefe geht: mit gut recherchierten und ausführlich erzählten Geschichten.

Wiebke Wetschera, karla Magazin: Als neu gegründetes digitales Stadtmagazin in Konstanz denkt karla Lokaljournalismus anders – multimedial, partizipativ und gemeinwohlorientiert. Damit auch künftige Gründer:innen von unseren Erfahrungen profitieren können, wollen wir im Rahmen des Grow-Stipendiums einen Werkzeugkasten für gemeinnützigen und erlebbaren Journalismus erstellen, der den Start nachfolgender Projekte in ganz Deutschland ermöglicht.

Jochen Markett, Live-Journalismus: Wir – Jochen Markett und Christoph Herms – bringen Journalist:innen auf Bühnen und wissen: Dieses neue Genre „Live Journalism“ ist international auf dem Vormarsch und bietet noch so viele Möglichkeiten, wie uns Vorbilder zeigen. Dafür bereiten wir nun die Gründung einer gGmbH vor – und wollen mit dem Grow-Stipendium unsere Expertise und unsere Vernetzung im tollen Bereich des gemeinnützigen Journalismus entscheidend erweitern.

Choni Flöther, Das Rollschuhmagazin: Das Rollschuhmagazin verbindet Rollschuh­liebe und unabhängigen Journalismus. Unser Ziel ist es, Hintergründe zu beleuchten, zu unterhalten, Kompetenzen zu vermitteln und Akteur*innen zu vernetzen. Das Rollschuhmagazin ist ein Printmagazin für alle Rollschuhfans im deutschsprachigen Raum, vom Rollkunstlauf über Roller Derby und Rollhockey bis zum Freizeitbereich. Jetzt steht die Umsetzung einer Gemeinnützigkeit ebenso auf unserer Agenda wie die Erweiterung unseres Angebots, vom reinen Printmagazin zum Crossmedia-Format.

Marcus Pfeil, Vertical 52: Hunderte Geschichten lassen sich mit Daten aus dem All erzählen und forensisch belegen. Vertical52 bringt sie zurück auf die Erde. Dafür entwickeln wir – Marcus Pfeil und Michael Anthony – eine Plattform zur Suche, Auswertung und Visualisierung von Satelliten- und Radardaten. Mit dem Grow-Stipendium möchten wir eine gemeinnützige Academy für Satellitenjournalismus aufbauen – für Journalist:innen aus Ländern mit beschränkter journalistischer Freiheit wie etwa in Myanmar, Indien, Pakistan oder Afghanistan. Weiterlesen

Newsletter Netzwerk Recherche 214 vom 20.10.2022

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

es war im März, als wir – unmittelbar nach dem russischen Überfall auf die Ukraine – das passende Motto für unsere Jahrestagung beschlossen: „Hinschauen & dranbleiben – Recherche in Krisenzeiten“.

Auf dem Konferenzbanner dominieren deshalb (gezeichnete) Reporter*innen, die uns über die Brutalität dieses Krieges mitten in Europa informieren. Es war beeindruckend – und auch bedrückend – wie einige dieser Kollegen*innen zum Auftakt unserer Konferenz über ihre Erlebnisse im Kriegsgebiet berichteten.

Foto: Raphael Hünerfauth
Zeichnung: Vincent Burmeister

Über zerstörte Städte, Massengräber, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Angst, Ohnmacht und Verzweiflung. Sie zeigen mit ihrer mutigen und gefährlichen Arbeit in bewundernswerter Weise, was guten Journalismus ausmacht: Hinschauen und dranbleiben.

Unsere – übrigens von vielen sehr gelobte – Konferenz ist vorbei, der Krieg aber nicht. Deshalb gilt unser großer Respekt auch weiterhin den Kollegen*innen, die noch immer vor Ort in dieser gefährlichen Mission unterwegs sind, um uns alle zu informieren.

Doch „Hinschauen und Dranbleiben“ sollten wir auch bei anderen Themen, die es nicht mehr in die Schlagzeilen schaffen, aber dennoch nicht vergessen werden sollten. Deshalb gab es bei unserer Tagung auch Panels zum irritierenden Schweigen vieler Verlage zum aktuellen Schicksal von Julian Assange, von dessen Enthüllungen einst viele Magazine und Sender profitierten. Oder zur verweifelten Lage vieler Ortskräfte in Afghanistan, deren von der Bundesregierung versprochene Einreise nach Deutschland skandalös verschleppt und verzögert wurde und wird. Oder der immer nur gelegentlich zum Thema werdende Cum-Ex-Skandal, der viele Milliarden Steuerausfälle verursachte, dessen politische Aufbereitung aber auch durch den „Gedächtnisverlust“ des amtierenden Bundeskanzlers zunehmend zur Farce wird. Deshalb sollte unser Respekt auch all jenen Kollegen*innen gelten, die dafür sorgen, dass all diese Themen nicht in Vergessenheit geraten, weil sie eben weiter „hinschauen und dranbleiben“. Weiterlesen

Baden-Württemberg: Bündnis fordert Transparenzgesetz

Verwaltungen sollen relevante Informationen im Internet veröffentlichen

Grün-schwarze Koalition soll ihr Versprechen einlösen – Um auf Transparenz-Defizite hinzuweisen, werden regelmäßig „Heimlichtuer“ gekürt

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus fünf Verbänden hat heute (19.10) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die Forderung nach einem landesweiten Transparenzregister für alle Behörden und Verwaltungen bekräftigt. Damit stützt die Gruppe den Vorstoß des Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink, der Anfang Oktober auf den IFG Days transparentere Behörden angemahnt hatte. Unter dem Motto „Transparenz-Revolution jetzt“ fordern die Landesverbände von Mehr Demokratie, Transparency Deutschland, NABU sowie FragdenStaat und das Netzwerk Recherche eine Trendwende von der Einzelinformation auf Anfrage hin zur automatischen Veröffentlichung aller relevanten Behördeninformationen im Internet. Weiterlesen

Bundestransparenzgesetz: Bündnis übergibt Entwurf an die Bundesregierung

Genau zehn Jahre nach der Einführung des bundesweit fortschrittlichsten Transparenzgesetzes in Hamburg hat ein zivilgesellschaftliches Bündnis, dem auch Netzwerk Recherche angehört, seinen Entwurf für ein Bundestransparenzgesetz vorgelegt. Der IT-Beauftragte der Bundesregierung und Staatssekretär im Innenministerium Markus Richter nahm den Gesetzentwurf des Bündnisses am 6. Oktober 2022 entgegen.

„In Sachen Transparenz und Informationsfreiheit hinkt der Bund den Ländern deutlich hinterher“, sagt Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerk Recherche. „Bislang ist das Informationsfreiheitsgesetz für Bürger:innen und Journalist:innen abschreckend. In der Praxis merken wir jeden Tag, wie weit wir von einer echten Informationsfreiheit entfernt sind. Bisher ist zu diesem demokratisch wichtigen Vorhaben aber offenbar nichts passiert, deshalb greifen wir der Regierung gerne unter die Arme“, sagt Drepper. Mit dem Entwurf sollen Behörden verpflichtet werden, von sich aus Informationen wie Gutachten und Studien oder Verträge der öffentlichen Hand online zu veröffentlichen.

Dem Bündnis sei es wichtig gewesen, einen Entwurf aus der Zivilgesellschaft vorzulegen. „Das Transparenzgesetz ermöglicht die wirksame Kontrolle der Exekutive“, erklärt Arne Semsrott von der Transparenzplattform FragDenStaat. Es sei daher wichtig für die Demokratie, dass die Transparenzregeln nicht von der Ministerialbürokratie selbst kämen. „Die Erfahrungen aus Hamburg zeigen aber auch, dass die Behörden selbst von klaren Transparenzregeln profitieren.“ Weiterlesen

Der Nestbeschmutzer zu NR22 zum Nachlesen

Die Nestbeschmutzer-Redaktion. Foto: Wulf Rohwedder

Endlich wieder ein Nestbeschmutzer, der nicht im Homeoffice entstanden ist. Für die Zeitung zur Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche haben sich Studierende der Journalistik und Kommunikations­wissenschaft an der Universität Hamburg im Vorfeld intensiv mit den Themen der Tagung beschäftigt. Recherchen zum Klima- und Lokaljournalismus kommen im Blatt genauso vor wie Kriegsberichterstattung. Außerdem widmet sich der Nestbeschmutzer in einem umfangreichen Schwerpunkt der mangelnden Diversität in den Redaktionen. Weiterlesen

Verschlossene Auster 2022 für Tesla

Preisverleihung der Auster 2022 mit Laudator Kayhan Özgenç, Chefredakteur von Business Insider. Foto: Raphael Hünerfauth

Die Verschlossene Auster 2022 geht an Tesla. Mit dem Negativpreis zeichnet Netzwerk Recherche den Informationsblockierer des Jahres aus. Die Journalistenvereinigung begründet die Vergabe des Preises an den Autohersteller mit dem intransparenten Verhalten von Tesla gegenüber Medien und Öffentlichkeit. Beispiele dafür sind die Verhinderung von Berichterstattung durch selektive Auswahl von Berichterstatter:innen, das Nichtbeantworten von Presseanfragen und verbale Attacken von CEO Elon Musk auf Journalist:innen. Mit diesem Verhalten erfüllt Tesla die Voraussetzungen für die Auszeichnung mit der Verschlossenen Auster.

„Tesla ist unter Reporter:innen seit Jahren dafür bekannt, Recherchen und Berichterstattung aktiv und aggressiv zu behindern. Elon Musk selbst hat in der Vergangenheit immer wieder Journalist:innen bedroht, verbreitet regelmäßig Falschnachrichten und manipuliert die Medien für seine persönlichen finanziellen Interessen“, sagt sagt Daniel Drepper, Vorsitzender von Netzwerk Recherche. „Elon Musk und Tesla haben offenbar keinerlei Respekt für einen kritischen öffentlichen Diskurs. Für Musk und Tesla scheint die Presse der Feind zu sein. Diese Haltung wird relevanter, je einflussreicher Musk und Tesla werden. Deshalb verleihen wir dem Unternehmen in diesem Jahr die ‘Verschlossene Auster’ des Netzwerk Recherche.“ 

Die Preisverleihung fand am 1. Oktober um 14:30 Uhr auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche statt (zur Aufzeichnung). Die Laudatio hielt Kayhan Özgenç, Chefredakteur von Business Insider.

Die Einladung zur Entgegennahme des Preises auf der Jahreskonferenz – und damit die Gelegenheit, eine Dankes- beziehungsweise Gegenrede zu halten –, blieb unbeantwortet.

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