Foto: Schlosser/Binz

Das Darknet – für viele Journalisten ist es ein virtueller Raum, den sie noch nie betreten haben. Doch verstecken sich genau dort Informanten, Inhalte und Themen für Recherchen. Hier geht’s in vier Schritten ins Darknet – mit Tipps des Journalisten Daniel Moßbrucker. Von Antonia Schlosser und Lena Binz, ifp

Schritt 1: Rechtlicher Background

Prinzipiell ist das Darknet eine neutrale Infrastruktur, ein Werkzeug, und nicht illegal. Wer dort recherchieren möchte, sollte sich trotzdem im Vorfeld juristisch absichern. Das heißt, Rechercheure sollten einen Justiziar über ihr Vorhaben informieren und Links von Seiten mit problematischen Inhalten (z.B. Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch), die sie gesehen haben, sammeln und an den Justiziar weiterleiten. Ansonsten gilt der Grundsatz: Es ist legal, legale Dinge zu tun. Es ist illegal, illegale Dinge zu tun.

Schritt 2: Technisches Grundverständnis

Wer im Darknet recherchieren möchte, sollte das mit einem „stand alone PC“ machen, der nur für diesen Zweck genutzt wird. So schützt man sich vor Viren, die auf der ein oder anderen Seite lauern können. Zusätzlich ist ein technisches Grundverständnis für den Zugang notwendig. In Internetforen und Youtube-Tutorials findet man alles Notwendige zur Anonymisierung und zu Verschlüsselungen. Das Darknet-Starterpack: anonymes E-Mailfach, Bitcoin-Wallet, PGP Schlüssel und anonymer Bitmessenger-Account.

Schritt 3: Chatvokabular

Viele User nutzen das Darknet, um sich auf Foren über illegale Dinge, wie zum Beispiel Drogen- oder Waffenkauf, zu unterhalten. Wer mitreden möchte oder auf der Suche nach Protagonisten oder Informanten ist, sollte sich ein gängiges Chatvokabular aneignen.

Schritt 4: Zeit

Recherche im Darknet ist zeitintensiv. Da es keine Suchmaschinen wie Google gibt, muss man sich mühsam durch die einzelnen Seiten wühlen. Das braucht Zeit, starke Nerven und Geduld.

Was spricht für eine Recherche im Darknet?

  1. Schutz und Anonymität: Viele im Exil lebende Journalisten nutzen das Darknet für Kommunikation und Datensicherung.
  2. Grenzwertige Themen: Das Darknet ist oft ein Ort für kriminelle Machenschaften. Wer über Themen wie Drogen, Waffen, Sexualität, Rechtsradikalismus, Verschwörungstheorien oder Hacking recherchiert, findet dort Informanten und Material.

Was spricht gegen eine Recherche im Darknet?

  1. Nichts für schwache Nerven: Im Darknet steht alles, was im Internet in der Regel zensiert wird. Wer das nicht sehen möchte, sollte nicht das Darknet besuchen.
  2. Keine guten Suchmaschinen: Die Recherche ist mühsam.
  3. Niedriges Niveau: Die meisten Beiträge im Darknet sind für journalistische Zwecke nicht verwendbar.

Antonia Schlosser und Lena Binz auf Twitter: @ToniSchl, @LenaBinz