Netzwerk Recherche verurteilt Beschlagnahme von ZEIT-Interview
Netzwerk Recherche verurteilt die angedrohte Durchsuchung der Redaktionsräume und die Beschlagnahme von Interview-Mitschnitten der ZEIT-Reporterin Anne Kunze durch das Landgericht Hamburg.
Kunze hatte für den ZEIT-Verbrechen-Podcast „House of Block“ zum Entführungsfall in der Block-Familie recherchiert. Das Landgericht hatte nun die Herausgabe von Interviews verlangt, die kurz nach der Entführung entstanden waren und als Beweismittel im laufenden Prozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichts dienen könnten. Die ZEIT kam einer Durchsuchung der Redaktionsräume und der Wohnung der Reporterin zuvor, indem sie die Interviews herausgab – allerdings versiegelt und mit der Ankündigung, rechtliche Schritte einzuleiten.
„Diese Beschlagnahme ist ein Angriff auf die Pressefreiheit und gefährdet die Grundlagen der Recherche in Deutschland“, sagt Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerk Recherche, des Vereins investigativer Journalist:innen in Deutschland. „Wenn Menschen nicht mehr darauf vertrauen können, dass ihre Aussagen und Dokumente bei uns sicher sind, verlieren sie ihr Vertrauen. Und wir die Grundlage unserer Arbeit.“
Die Beschlagnahme des ZEIT-Materials kann nicht nur auf potentielle Quellen, sondern auch auf Journalist:innen eine abschreckende Wirkung haben. „Zurecht kritisieren wir es deshalb, wenn in China, Russland oder den USA Redaktionsräume durchsucht werden. So etwas darf in Deutschland niemals passieren“, sagt Drepper.
NR steht hinter den ZEIT-Kolleg:innen, verlangt die sofortige Herausgabe des journalistischen Materials durch die Hamburger Staatsanwaltschaft und fordert, den verfassungsrechtlich geschützten Quellenschutz als Basis der journalistischen Arbeit zu achten.