Seit 2014 ist Stefan Wehrmeyer Datenjournalist bei CORRECT!V. Foto: Franziska Senkel

Seit 2014 ist Stefan Wehrmeyer Datenjournalist bei CORRECT!V. Foto: Franziska Senkel

Von Moritz Zajonz

In gewisser Weise verspürte er schon früh den Drang, zu publizieren – das Wort dafür kannte er zu dem Zeitpunkt bloß noch nicht. Schon als Jugendlicher programmierte Stefan Wehrmeyer für seine Klassenkameraden Websites. Das hat ihn offenbar nachhaltig geprägt.

Während er mit einem Softwareingenieur-Studium sein Hobby zum Beruf machte, setzte er sich als Aktivist bei der Open Knowledge Foundation Deutschland mit neuartigen Begriffen wie Open Data und Open Government auseinander.

Anfangs ging es ihm und seinen Kollegen allerdings nicht darum, Geschichten zu schreiben: „Wir wollten einfach irgendwelche Daten haben. Wir haben nie eine Geschichte aufgeschrieben und einer Zeitung gegeben. Wir haben die Daten genommen und daraus eine Visualisierung gemacht oder es einfach irgendwie zugänglicher gemacht, in der Hoffnung, dass Bürger damit etwas anfangen können.“

„Was die Leute wollen, das muss man ihnen einfacher machen.“

Stefan Wehrmeyer wollte Software programmieren, die besser zwischen Bürger und Staat vermitteln kann. „Was die Leute wollen, das muss man ihnen einfacher machen. (…) Man muss bürgerzentriert denken“, lautet seine Devise. In diesem Sinne hat er 2011 das Informationsfreiheitsportal FragDenStaat.de gestartet, über das jeder Bürger mittels einer Vorlage Anfragen an über zehntausend deutsche Behörden stellen kann. Außerdem kann in fast siebentausend bereits vorhandenen Anfragen nach den gesuchten Informationen gestöbert werden. Das Prinzip ist ganz einfach: Auf der Seite lässt sich nach einem Klick auf „Stellen Sie eine Anfrage!“ nach einem Thema oder einer Behörde suchen. Nach Beantwortung einer Fangfrage, die automatisierte und nicht ernst gemeinte Eingaben herausfischen soll, kann der Nutzer seine Anfrage ausfüllen und bei Bedarf den Vorlagentext anpassen.

Die Plenarprotokolle des Bundestags zugänglich machen

Doch nicht alle Projekte gelangen dem jungen Datenjournalisten auf Anhieb. Die Internetseite Bundestagger.de sollte die Plenarprotokolle des Bundestags besser verfügbar und bearbeitbar machen. So konnten Nutzer der Seite eine Zeit lang beispielsweise Textabschnitte mit Anmerkungen versehen und Reden mit Hilfe von Etiketten wie „Afghanistan“ oder „Bildung“ einordnen. Doch mit der Aufbereitung der Dokumente war ein hoher manueller Aufwand verbunden, da die Protokolle nicht maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt läuft inzwischen aber als Teil der Website Offenesparlament.de eines Kollegen von Stefan Wehrmeyer weiter.

Der inzwischen 27-Jährige findet selbst, dass seine Arbeit schon immer etwas Journalistisches oder zumindest Publizierendes an sich hatte. Über Kontakt mit Journalisten, die regelmäßig FragDenStaat.de für Anfragen benutzen, schloss sich der Kreis: Im Sommer 2014 stieß er zur Gründung von CORRECT!V dazu, des „ersten gemeinnützigen Recherchezentrums im deutschsprachigen Raum“, und arbeitet seitdem dort als Datenjournalist.

Mit einer Hypothese an die Arbeit gehen

Stefan Wehrmeyer konzentriert sich für seine Arbeit darauf, nicht nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen zu suchen, sondern sich von vornherein eine Hypothese zu überlegen und diese anhand der vorhandenen Daten zu überprüfen: „Was ist die richtige Methodologie? Welche Frage möchte ich versuchen zu beantworten? Wenn da dann keine Story bei herauskommt, dann nehme ich eben die nächste Frage. Und ich bin im Prozess schlauer geworden und weiß, welche Frage ich eher noch stellen kann.“

Wenn er in die Zukunft blickt, sieht er den Serviceaspekt als wichtigen Teil des Journalismus. Ihm geht es darum: „Nicht nur eine Geschichte zu schreiben – das ist wichtig – sondern, wenn man eine Datenbank aufbaut, diese als Servicegedanken verfügbar zu machen. Beispielsweise Wohnungspreise in der Umgebung. Oder Ärztebewertungen.“

Wenn man ihn aufs Programmieren und seine Projekte anspricht, merkt man: Stefan Wehrmeyer ist einer der wenigen Glücklichen, für die der Job kein reiner Broterwerb ist. Er arbeitet aus Leidenschaft, denn er will noch vieles bewegen.